Ärzte Zeitung online, 27.02.2009

Krise lässt Verbraucher kalt - besseres Konsumklima

NÜRNBERG (dpa). Finanzkrise und Rezession lassen die Verbraucher in Deutschland bislang erstaunlich kalt: Dank stabiler Preise und attraktiver Kaufanreize wie etwa der Abwrackprämie zeigten sich die Konsumenten auch im Februar in anhaltend guter Kauflaune. Das Konsumklima hellte sich sogar etwas auf, wie die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Donnerstag in Nürnberg mitteilte.

"Die Konsumenten sehen ihre Kaufkraft gestärkt und schätzen folglich ihre Einkommensaussichten optimistischer ein", erklärte die GfK. Damit verstärkten sich die Anzeichen, dass der Konsum in diesem Jahr den Konjunktureinbruch etwas abmildern könne.

"Die Verbraucher erhalten die Nachrichten über die Krise aus den Medien, aber bei ihnen selbst ist sie noch nicht angekommen", erklärte der GfK-Vorstandsvorsitzende Klaus Wübbenhorst den überraschenden Trend, der sich von den düsteren Konjunkturprognosen und der überaus skeptischen Stimmung in der deutschen Wirtschaft weitgehend abkoppelt. Noch hätten die Bürger Geld in der Tasche und seien bereit, es auch auszugeben, sagte Wübbenhorst in einem Gespräch mit der dpa.

Der Gesamtindikator für das Konsumklima steigt laut GfK-Prognose im März auf 2,6 Punkte nach 2,3 Punkten im Februar. Das Konsumklima sei aber auf einem zu niedrigen Niveau, um die stark rückläufigen Exporte und Investitionen voll kompensieren zu können, schränkten die Konsumforscher ein. "Wie sich die Konsumkonjunktur weiterhin entwickelt, bleibt davon abhängig, ob und wie stark die Finanzkrise zu einer Arbeitsmarktkrise wird", hieß es. Ein sehr starker Anstieg der Arbeitslosigkeit würde auch der Konsumlaune wieder einen herben Dämpfer verpassen. Die GfK hielt jedoch in ihrer Prognose fest, dass der private Verbrauch in diesem Jahr insgesamt um ein halbes Prozent zulegen wird.

Die Kauflaune stabilisierte sich im Februar. Der erstaunlich starke Anstieg zu Jahresbeginn sei daher keine Eintagsfliege gewesen, hieß es. Der Indikator für die sogenannte Anschaffungsneigung liege mit 14,6 Punkten derzeit um fast 30 Zähler über dem Vorjahreswert. "Allerdings stürmen die Verbraucher nicht gerade die Kaufhäuser", schränkte Wübbenhorst ein. "Sie kaufen auf niedrigem Niveau."

Trotz der zahlreichen Hiobsbotschaften über Produktionseinbrüche, Kurzarbeit und drohende Entlassungen habe sich auch der Konjunkturpessimismus etwas abgeschwächt, ermittelte die GfK als Fazit aus rund 2000 Verbraucherinterviews. Eine Ursache dafür sei vermutlich die Verabschiedung des zweiten Konjunkturpakets. Die Verbraucher erwarteten, dass dadurch die Binnenkonjunktur gestützt werden könne. Der Indikator für die Konjunkturerwartung nahm nach vier Monaten erstmals wieder leicht zu, liegt mit minus 27,9 Punkten jedoch noch um mehr als 40 Zähler unter dem Vorjahreswert.

Auf die Einkommensaussichten wirken sich laut GfK neben der niedrigen Inflationsrate derzeit die finanziellen Anreize des Konjunkturpakets positiv aus. Hinzu komme die Rückzahlung der Pendlerpauschale mit Erstattungen von teils mehr als 1000 Euro. Der Indikator gewann knapp 10 Punkte, liegt mit minus 11 Zählern aber noch ein gutes Stück unter Vorjahr.

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