Ärzte Zeitung online, 24.08.2011

Facebook spendiert mehr Privatsphäre

Facebook krempelt wieder seine Einstellungen zur Privatsphäre um. Jetzt sollen sie einfacher werden und den Nutzern mehr Kontrolle darüber geben, wer welche Informationen sehen kann. Einige Änderungen erinnern an den neuen Facebook-Herausforderer Google+.

Facebook gibt Mitgliedern mehr Kontrolle über ihre Privatsphäre

Mehr Privatsphäre für die Nutzer: Facebook ändert die Kontrollmöglichkeiten.

© dpa

NEW YORK/BERLIN (dpa/mn). Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook erleichtert seinen Nutzern die Kontrolle über ihre Privatsphäre. Unter anderem werden viele Einstellungen, die man bisher nur in einem separaten Bereich anpassen konnte, direkt in die Website integriert, kündigte Facebook am Dienstagabend in einem Blogeintrag an. Außerdem werde man auch nachträglich verändern können, wer einen Eintrag bei dem Online-Netzwerk sehen kann.

Zugleich erweitert Facebook allerdings auch die Möglichkeiten, in hochgeladenen Bildern Personen mit einem Namen zu versehen. Bisher konnten Nutzer nur ihre Facebook-Freunde in den Fotos auf diese Weise "markieren". Künftig kann jeder jeden in einem Bild mit einem Namen versehen - allerdings müssen die so markierten Nutzer diese Namens-Tags erst freigeben. Auch soll das Entfernen von Daten oder Markierungen erleichtert werden.

Die auch in Deutschland heftig umstrittene automatische Gesichtserkennungs-Funktion, bei der einmal markierte Personen automatisch in Bildern gefunden werden können, bleibt von den Änderungen unberührt. Dafür kann man sich künftig leichter anzeigen lassen, wie ein Profil aus der Sicht anderer Nutzer aussieht.

Die Neuerungen werden in den kommenden Tagen umgesetzt, kündigte Facebook an. Da das Netzwerk inzwischen rund 750 Millionen Mitglieder hat, werden solche Arbeiten meist nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise ausgeführt.

Facebook verstärkt im Zuge des Umbaus auch den Akzent auf Ortsangaben. Nutzern werden künftig ihren aktuellen Aufenthaltsort zu mehr Arten von Einträgen hinzufügen können.

Facebook hatte Mitgliedern in den vergangenen Jahren nach Kritik von Nutzern, Datenschützern und Politikern immer mehr Kontrolle über ihre Privatsphäre gegeben. Allerdings wurden die Einstellungen dadurch mit der Zeit auch immer komplexer. Mit einigen der aktuellen Neuerung rückt Facebook etwas näher an das neue Konkurrenz-Netzwerk Google+, das konsequent darauf ausgerichtet ist, dass man verschiedene Informationen mit unterschiedlichen Bekanntenkreisen teilt.

Eine Änderung forderten Nutzer schon seit Jahren, und sie wird jetzt tatsächlich umgesetzt: Die Bezeichnung "Alle" für den Kreis der Leute, die einen Facebook-Eintrag sehen können, wird in "Öffentlich" geändert.

Es wurde schon lange kritisiert, dass das Wort "alle" viel Raum für Missverständnisse offenlasse, etwa "alle meine Bekannten" oder "alle bei Facebook". Gemeint hingegen war, dass solche Einträge für alle im gesamten Internet und auch für Suchmaschinen sichtbar sind.

Vor einigen Jahren hatte Facebook einen Aufschrei unter den Nutzern ausgelöst, als die Grundeinstellungen der Profile standardmäßig auf "Alle" geändert worden waren. Das wurde später zurückgenommen.

In Deutschland hat Facebook besonders viel Stress mit Datenschützern und Politikern. Erst vergangene Woche warf der schleswig-holsteinische Datenschutz-Beauftragte Thilo Weichert Facebook Verstöße gegen Datenschutzgesetze vor und forderte die Anbieter von Webseiten auf, den "Gefällt-mir"-Button des Netzwerks zu entfernen. Über diese Schaltfläche würden rechtswidrige Nutzerprofile erstellt, erklärte Weichert. Facebook weist die Vorwürfe zurück.

Datenschutzbeauftragte aus Berlin und Hamburg hatten kürzlich zudem darauf hingewisen, dass gerade Ärzte, die auf Facebook unterwegs sind, aufpassen müssen, dass sie nicht ihr elektronisches Adressbuch oder E-Mail-Postfach an das soziale Netzwerk übermitteln und damit Patientendaten preisgeben (wir berichteten).

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »