Ärzte Zeitung, 12.11.2015

Umweltbericht

Weniger Strahlung, weniger Schadstoffe, aber weiter viel zu tun

Deutschland hat in puncto umweltbezogene Gesundheitsgefährdung in den vergangenen Jahren einiges erreicht. Wie der aktuelle Umweltbericht der Bundesregierung zeigt, werden die Herausforderungen künftig globaler ausgerichtet und angegangen.

Von Matthias Wallenfels

BERLIN. Die mittlere Dosis für beruflich strahlenexponierte Personen, die eine messbare Dosis abbekommen haben, lag 2013 bei 0,53 Millisievert pro Jahr (mSv/a). Im medizinischen Bereich betrug der Wert 0,35 mSv/a, in der Kerntechnik 0,93 mSv/a, und beim fliegenden Personal 1,93 mSv/a.

Das geht aus dem jüngst veröffentlichten "Umweltbericht der Bundesregierung 2015" hervor. Nach Angaben des Strahlenschutzregisters des Bundesamts für Strahlenschutz betrugen die Werte im medizinischen Bereich im Jahr 2009 noch 0,44 mSv/a und 0,39 mSv/a im darauffolgenden Jahr.

Laut Umweltbericht werden in Deutschland die Daten zur beruflichen Strahlenexposition von rund 400.000 Menschen ermittelt. Sie werden im Strahlenschutzregister gesammelt und ausgewertet. Mit den oben erwähnten Werten lägen die mittleren beruflichen Strahlenexpositionen immer noch auf sehr niedrigem Niveau, weit unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes von 20 mSv/a.

Diese Strahlenexpositionen bewegten sich auch unterhalb der Strahlenexposition von etwa 4 mSv/a, die jeder Mensch im Jahresmittel aus natürlichen und zivilisatorischen Quellen erhalte.

Wie dem Bericht weiter zu entnehmen ist, wurde zum Beispiel in puncto Strahlenschutz im Nachgang zu der am 11. März 2011 durch Erdbeben und Tsunami ausgelösten Havarie des nordostjapanischen Atommeilers Fukushima Daiichi das fachliche Regelwerk zum nuklearen Notfallschutz durch die Strahlenschutzkommission überprüft. Des Weiteren würden die Rechtsvorschriften überprüft, die in einem radiologischen Notfall anzuwenden seien.

Positives Fazit und Lob für die Bevölkerung

Der Strahlenschutz stellt indes nur eine Facette der zahlreichen, umweltbezogenen Gesundheitsgefährdungen dar. Mit dem Umweltbericht informiert die Bundesregierung "über den aktuellen Zustand der Umwelt und über die wichtigsten umweltpolitischen Maßnahmen der letzten fünf Jahre", heißt es.

Insgesamt betrachtet, verzeichne die Umweltpolitik der jüngeren Vergangenheit einige Erfolge. So seien etwa die Belastungen von Luft und Gewässern mit Schadstoffen stark vermindert worden.

Wie berichtet, fördert zum Beispiel die Deutsche Bundesstiftung Umwelt eine Reihe von Projekten, die Arzneimittelrückstände, die durch den menschlichen Gebrauch im Haushalt sowie in Krankenhäusern in die Abwässer gelangen, unschädlich zu machen.

"Die Sanierung von Altlasten, die Erhöhung der Ressourcenproduktivität, die Steigerung der Anlagensicherheit, ... die stark erhöhte Chemikaliensicherheit, die gewachsene Fläche und verbesserte Qualität geschützter Gebiete, der Atomausstieg und die Reduzierung von Treibhausgasemissionen" stehen laut Umweltbericht repräsentativ für weitere wichtige Erfolge der Umweltpolitik. Dies alles sei nicht zuletzt aufgrund eines in Deutschland inzwischen vorherrschenden Umweltbewusstseins zu realisieren gewesen, wie der Bericht hervorhebt.

Die Leitplanken für die künftige deutsche Umweltpolitik steckt, wie es im Bericht heißt, die "2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung" ab, die Ende September in New York von den Vereinten Nationen verabschiedet worden ist.

Die Selbstverpflichtung sieht vor, eine Welt zu schaffen frei von Krankheiten, Hunger, Armut, Gewalt und Analphabetismus, dafür aber mit einem universellen Zugang zu einer qualifizierten Ausbildung sowie einer gesundheitlichen Versorgung, die das physische, mentale und soziale Wohlbefinden ermöglicht.

Diese Sustainable Development Goals (SDG) sollen im Zeitraum 2016 bis 2030 erreicht werden. Sie folgen auf die vor 15 Jahren im Rahmen der als "Millennium-Gipfel" bezeichneten 55. Generalversammlung der UN vereinbarten Millenniumsziele (Millennium Development Goals, MDG).

Paradigmenwechsel bestimmt künftigen Kurs

Für die politischen Akteure stehe somit ein Paradigmenwechsel bevor. Die Umweltpolitik habe heute die Aufgabe, Umweltschäden lokal wie global zu vermeiden und die natürlichen Lebensgrundlagen für heutige und künftige Generationen zu erhalten, so der Bericht.

"Diese Aufgabe umfasst weit mehr als die Summe einzelner ‚klassischer‘ Umweltpolitikfelder des Gewässer-, Boden-, Luft-, Lärm-, Natur- und Klimaschutzes. Unter dem Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung muss Umweltpolitik ... heute als eine wesentliche Gestaltungskraft verstanden und weiterentwickelt werden", wird der künftige umweltpolitische Kurs der Bundesregierung konkretisiert.

Das Thema Strahlenschutz - im privaten wie beruflichen Umfeld - wird derweil wohl ebenfalls auf der umweltpolitischen Agenda in Deutschland bleiben. Strahlenschutzrechtliche Regelungen, die die Bevölkerung gegenüber Radonexpositionen schützen sollen, gebe es bisher nicht.

Deutschland habe sich daher bei der Überarbeitung der EU-Richtlinie zur Festlegung grundlegender Sicherheitsnormen für den Strahlenschutz (Grundnormen für den Strahlenschutz, Richtlinie 2013/59/Euratom) dafür eingesetzt, dass solche Radonschutzregelungen zukünftig in die nationalen Strahlenschutzvorschriften aufgenommen würden.

"Die neuen Grundnormen fordern unter anderem, nationale Referenzwerte für die Radonkonzentration in Innenräumen festzulegen und Programme durchzuführen, die Radonrisiken erfassen und vermindern", heißt es zum Auftrag.

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