Ärzte Zeitung, 16.02.2016

Innovationspreis 2015

Innovativ sein - ein Kampf gegen Windmühlen?

Ärzte sind Problemlöser. Das zeigt der Wettbewerb "Die innovative Arztpraxis" von Springer Medizin und UCB Pharma jedes Jahr aufs Neue. Um Patienten gute Medizin zu bieten, lassen sich niedergelassene Ärzte einiges einfallen - manchmal allen gesetzlichen und politischen Hindernissen zum Trotz, Schwierigkeiten inklusive.

Von Julia Frisch und Hauke Gerlof

Was bringt Ärzte in den Praxen dazu, innovativ zu werden? "Das ist getriggert vom Bedarf, der nicht gedeckt ist, oder von medizinischen Fragestellungen, die im Raum stehen", sagte Hausarzt Privatdozent Dr. Mark Schäfer, einer der Preisträger des Wettbewerbs "Die innovative Arztpraxis 2015", am Freitag beim Round Table anlässlich der Preisverleihung in Berlin. Schäfer hat zusammen mit Dr. Henrik Lamers eine Sprechstunde für werdende Väter in der allgemeinmedizinischen Gemeinschaftspraxis etabliert und damit den dritten Preis im Wettbewerb gewonnen.

Die innovative Arztpraxis

Initiatoren des Wettbewerbs: Springer Medizin/Ärzte Zeitung und das Biopharmazieunternehmen UCB

Preis: ausgeschrieben jährlich seit 2011. Angesprochen sind Arztpraxen, die Innovationen entwickeln oder neue Ideen für die Praxis kreativ umsetzen.

Ausgeschriebener Gewinn: Die drei Gewinner erhalten ein eintägiges Praxiscoaching von der Unternehmensberatung HCC Better Care in Köln.

Die bisherigen Gewinner:

2011: Hausärztin Irmgard Landgraf, Berlin, telemedizinische Heimversorgung

2012: Gesundheitszentrum Gelstertal, optimierte Versorgung auf dem Land

2013: Neurologe Dr. Falk von Zitzewitz, Ludwigsburg, Mini-Computer für die Compliance

2014: Dermatologin Stefanie Baum, Kassel, tabletbasierte Praxisorganisation

Weitere Informationen: www.aerztezeitung.de/innovationspreis

Der medizinische Bedarf für die beiden Ärzte war klar: Männer gehen in jüngeren Jahren, wenn die Basis für spätere chronische Erkrankungen gelegt wird, sehr viel seltener zum Arzt als Frauen- eine mögliche Ursache für die geringere Lebenserwartung. Mit dem Väter-Check-up während der Schwangerschaft, häufig angeregt durch die werdenden Mütter, könne die Früherkennung verbessert werden, und die Impfraten würden gesteigert. Die bisherigen Erfahrungen mit dem Angebot deuteten an, dass dieser Weg zur Förderung der Prävention tatsächlich funktioniere.

"Patienten liegen Ärzten am Herzen"

Der Wettbewerb "Die innovative Arztpraxis" solle eine Plattform für Ärzte sein, "die das Beste für ihre Patienten wollen, die Herausforderungen annehmen und nicht resignieren", sagte Angelika Dreßen, Marketing & Communications Manager von UCB Pharma (Innere Medizin) bei der Preisverleihung. Die eingegangenen Bewerbungen zeigten zudem, dass den Niedergelassenen ihre Patienten sehr am Herzen liegen, resümierte Karlheinz Gast, Geschäftsführer Innere Medizin bei UCB.

Breites Angebot

Breit gefächert war das Spektrum an Innovationen, aus dem die Jury zusammen mit Lesern der "Ärzte Zeitung" (einem Medium von Springer Medizin) die aus ihrer Sicht drei besten Ideen aussuchen konnten. Die Bandbreite reichte von Präventions- bis Palliativmedizin, von der Einrichtung neuer Op-Methoden bis zum Einsatz elektronischer Vernetzung.

"Von den Innovationen profitieren auch die Patienten in anderen Praxen", betonte Karlheinz Gast von UCB Pharma bei der Preisverleihung. Denn gute Ideen fänden bestimmt ihre Nachahmer. Das hoffen auch die diesjährigen Preisträger. "Wir wünschen, dass unser Modell Verbreitung findet", betonte Michael Pohling, der mit seinen Kollegen den zweiten Preis für ein Konzept der wohnortnahen, hospizähnlichen Palliativversorgung bekam.

Beim Round Table zu Innovationen wurde auch deutlich, dass innovative Mediziner teilweise mit erheblichen Hindernissen kämpfen müssen. Die Palliativmediziner Carla Martin und Michael Pohling etwa erleben tagtäglich, wie administrative Verordnungen und Gesetze die Arbeit ihres wohnortnahen Palliativnetzes behindern.

Während für die Unterbringung von Sterbenskranken in einem Hospiz keine Heimkosten anfallen, müssten ihre eigenen Patienten diese zur Hälfte selbst zahlen, wenn sie hospizähnlich im Altenheim versorgt werden, berichteten Martin und Pohling. Es bestehe eine eklatante Ungleichbehandlung zwischen einer mit großem Aufwand betriebenen palliativen Betreuung im Pflegeheim und einer palliativen Versorgung im Hospiz, die endlich beseitigt werden müsse.

Kämpfe um Kostenübernahme

Nur wenn es gelinge, einen dem Hospiz angeglichenen Status mit entsprechender finanzieller Ausstattung zu erhalten, sei es möglich, die palliativmedizinische Versorgung in der Fläche unter Nutzung vorhandener Ressourcen wie Alten- und Pflegeheimen zu stärken.

Selbst bei Krankentransporten Schwerstkranker von zu Hause ins Heim müssen die Ärzte teilweise bei jedem Einzelfall für die Kostenübernahme kämpfen. "Das ist schon frustrierend", so Pohling. "Aber die Politik hilft hier nicht. Die Bedingungen sind so starr." Für die Politik sei es typisch, dass ein Thema wie die SAPV einmal aufgenommen werde, "und dann wird‘s vergessen".

Mit Schwierigkeiten kämpft auch Dr. Georg Steinfurth, der mit seinem Konzept einer umfassend tätigen Landarztpraxis mitten im Hochschwarzwald den ersten Preis gewonnen hat. Steinfurth hat mehrere Arztsitze aufgekauft und stellt auf diese Sitze nun junge Kolleginnen und Kollegen an - bei Bedarf zu sehr familienfreundlichen Arbeitszeiten. Damit trägt er zu einer Sicherung der Versorgung auf dem Land bei, doch das sieht er nicht von der KV honoriert.

Patientensteuerung als Chance

Seine Arbeit würde es erleichtern, wenn sein Team aus mehreren Ärzten als eine Einheit behandelt würde oder wenn auch seine angestellten Kollegen in der Weiterbildung anerkannt würden. Insgesamt lege die KV ungewöhnlichen Praxiskonstruktionen eher Steine in den Weg, als sie zu fördern, so Steinfurths Eindruck.

Mut zu Änderungen sei wichtig, unterstrich UCB-Geschäftsführer Karlheinz Gast. Eine große Herausforderung der Zukunft sei die richtige Patientensteuerung, etwa wegen des Ärztemangels. "Wie können Ärzte den zusätzlichen Andrang bewältigen, wenn eine Praxis in der Nachbarschaft zumacht?" Die "richtigen" Patienten zum richtigen Zeitpunkt in die Praxis zu bekommen, sei gerade für Patienten mit chronischen Erkrankungen wichtig. Das bringe abrechnungstechnisch nicht nur Ärzten einen Mehrwert, sondern vor allem versorgungstechnisch auch den Patienten.

Gegen Widerstände von Kassen und KVen müsse mehr "für die kleinen Dinge" gekämpft werden, so der Appell Gasts: "Krebspatienten bekommen alles, der Hypertoniker nicht, er fällt ja morgen nicht gleich um." Aber auch hier seien Innovationen für die Versorgung wichtig, etwa Schritte zu einer besseren Therapietreue, zum Beispiel durch Single Pills. Für Mark Schäfer ist im Resümee klar: Wer als Arzt innovativ sein will, "darf sich nicht von Regularien abhalten lassen". Das gilt sicher auch für andere Innovatoren im Gesundheitswesen.

Der Preis wird auch in diesem Jahr wieder ausgeschrieben. Ärzte, die neue Ideen kreativ umsetzen, sind aufgerufen, sich zu bewerben.

Der Preisträger: Er begeistert den Nachwuchs fürs Land

"s‘Doc-Hüsli" im Hochschwarzwald bringt junge Ärzte aufs Land

Mitten im Hochschwarzwald bietet Dr. Georg Steinfurth ein nahezu ganzheitliches Versorgungskonzept an, das auch sozial Schwache umfasst. Ein Ziel des Gewinners des Wettbewerbs "Die innovative Arztpraxis 2015": den ärztlichen Nachwuchs für die Arbeit auf dem Land begeistern.

In der Region Belchen-Feldberg betreibt der Internist und Neurologe eine überregional aktive Landarztpraxis, die je eine Doppelpraxis in den sieben Kilometer voneinander entfernten Orten Todtnau und Schönau und inzwischen vier Hausarztsitze umfasst. Dafür hat er quasi nicht verkäufliche Zulassungen aufgekauft, auf denen er Ärzte anstellt. Damit auch junge Kollegen aufs Land kommen, bietet Steinfurth familienfreundliche Arbeitszeiten (zum Beispiel nur vormittags) an. Auch Befreiungen von den KV-Notdiensten sind möglich. "s'Doc-Hüsli" nennt der Internist sein Konzept, das er zusammen mit seiner Frau und Praxismanagerin Kerstin entwickelt hat. Weitere wichtige Pfeiler davon sind unter anderem die Ausbildung junger Kollegen, die Fortbildung des praxiseigenen Teams, eine Vernetzung der Praxisstandorte über eine Cloud sowie die Versorgung von Obdachlosen und künftig Asylbewerbern in einer Zweigpraxis in Lörrach.

In Altenheimen bietet Georg Steinfurth neben der Mitbetreuung auch neurologische Konsile an. Eingebunden sind zudem ein Psychotherapeut und ein Pastor, die sich zusätzlich neben den Ärzten um die geistig-seelische Gesundheit der Patienten kümmern. Je zwei VERAH und NäPA komplettieren das Team der Medizinischen Fachangestellten. Seit 2003 ist Georg Steinfurth Landarzt im Hochschwarzwald. Damals ging er bewusst von der Uniklinik Freiburg zurück in die Heimat, weil "ich sehen wollte, was man machen kann". Herausgekommen ist ein Konzept, mit dem Steinfurth bewiesen hat, dass man auf dem Land etwas bewirken kann. (juk)

Der zweite Platz: Gemeinde-internes Palliativnetz

Sterben in vertrauter Umgebung - dank eines gemeinde-internen Palliativnetzes

Was tun, wenn sterbenskranke Menschen aus der Klinik entlassen werden, keinen Platz im dazu noch weit entfernten Hospiz bekommen und auch nicht zu Hause versorgt werden können? Für solche Fälle haben die Hausärzte und Palliativmediziner Michael Pohling und Carla Martin im niedersächsischen Lehre bei Wolfsburg zusammen mit ihren Kollegen in der Gemeinschaftspraxis eine Lösung gefunden. Vor fünf Jahren machten sie sich daran, ein Konzept für die palliative Patientenversorgung, ein "gemeinde-internes Palliativnetz", zu entwickeln und umzusetzen, das Menschen das Sterben in Wohnortnähe und in der Umgebung von vertrauten Menschen erlaubt.

Für diesen Zweck arbeitet das Praxisteam, in dem es drei Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Palliativmedizin gibt, mit der SAPV-Mannschaft eines ambulanten Pflegedienstes sowie mit einem örtlichen Alten- und Pflegeheim zusammen. Dort können die Palliativ-Patienten in vier speziell eingerichteten Räumen Betten nutzen. Bei Bedarf haben Angehörige dort auch die Möglichkeit, zu übernachten.

Die Pflege der Patienten übernehmen vier Palliativ-Care-Fachkräfte des Heimes, die durch das SAPV-Team des ambulanten Pflegedienstes unterstützt werden. Da die Patienten meist schon vorher ambulant versorgt wurden, kennen sie die Pfleger schon. "Die Patienten haben damit vertraute Personen um sich", so Carla Martin. Die Ärzte und ihre Partner stoßen jedoch immer wieder auf Probleme, weil ihre hospizähnliche Struktur gegenüber "echten" Hospizen benachteiligt ist. So erhält das Heim keine Zuschüsse, sondern muss das Personal auf eigene Kosten ausbilden. Patienten müssen (anders als im Hospiz) die üblichen Pflegesätze und Heimkosten bezahlen, und die Kostenübernahme für Transporte von der Praxis ins Heim hängt vom "Goodwill" der Kassen ab. Hier seien Veränderung dringend nötig, so Pohling. (juk)

Der dritte Platz: Prävention für Männer

Angebot für werdende Väter soll Prävention für Männer voranbringen

Männer gehen viel seltener zum Arzt als Frauen. Mit einer Sprechstunde für werdende Väter versucht die Gemeinschaftspraxis von Dr. Henrik Lamers und Dr. Mark Schäfer in Heidelberg, dies zu ändern.

Dass Männer Arztmuffel sind, ist bekannt. 41 Prozent der 25- bis 34-Jährigen gehen nicht zum Doktor, bei den 35- bis 45-Jährigen sind es noch 37 Prozent. Dabei gäbe es allen Grund für Männer, frühzeitig an die eigene Gesundheit zu denken und diese regelmäßig ärztlich kontrollieren zu lassen. Denn Männer bekommen fünfmal häufiger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als Frauen und sterben im Durchschnitt fünf Jahre früher.Für Schäfer und Lamers war klar: Im Alter von 25 bis 45 Jahren werden die Weichen für ein längeres, vielleicht auch gesünderes Leben gestellt. Die Idee der Heidelberger: Über die schwangere Partnerin kommt man möglicherweise an die Männer heran. Die Frauen sollen sie dazu bewegen, sich angesichts der baldigen väterlichen Herausforderungen gründlich durchchecken zu lassen.

Vor drei Jahren begannen Schäfer, Lamers und Kollegen, mit Flyern auf ihre Vätersprechstunde hinzuweisen. Ausgelegt wurden die Infos bei Frauenärzten, Hebammen und Geburtshilfeabteilungen - mit Erfolg. Das Angebot wird von immer mehr Männern genutzt. Inzwischen komme jede Woche ungefähr ein werdender Vater zum Check-up, berichtete Schäfer. Die Untersuchung dauert eine halbe Stunde bis 60 Minuten. Sie beinhaltet ein Gespräch zur Erkennung von Risiken, die Erfassung des Impfstatus, die Untersuchung des Körpers sowie von Blut und Urin. Bei Bedarf werden ein Belastungs-EGK und die Sonografie des Bauchs, der Schilddrüse oder der Halsschlagader angeboten.

Abgerechnet wird die Vätersprechstunde bei Privatpatienten oder in Form der Gesundheits-Check-up bei Kassenpatienten ab 35 Jahren. (juk)

Weitere Top-Platzierte

Elektronische Vernetzung, empathische Kommunikation

Die drei Preisträger im Wettbewerb "Die innovative Arztpraxis 2015" haben sich gegen harte Konkurrenz durchgesetzt. So belegte das Ärztenetz in Rosenheim mit seiner Lösung zum elektronischen Austausch von medizinischen Informationen (Software: ViViAN) den vierten Platz. Alle Ärzte können ihre bestehende Praxissoftware weiterhin nutzen, die Netzsoftware setzt auf diese auf. Der Datenaustausch findet nur statt, wenn Patienten zugestimmt haben. Platz 5 ging gleich an mehrere Kandidaten. Am höchsten durch das Publikum wurden Dr. Franz Jürgen Sperlich und Heiner Creutzburg für ihr Konzept einer klaren und empathischen Kommunikation ("Narratives Mentoring" ) bewertet. Einsetzbar ist das Konzept in der Team-Kommunikation ebenso wie mit Patienten. (ger)

Die innovative Arztpraxis 2016

Auch in diesem Jahr wird der Wettbewerb "Die innovative Arztpraxis" wieder von der Fachverlagsgruppe Springer Medizin und vom Biopharmaunternehmen UCB ausgeschrieben. Gedacht ist der Wettbewerb für Ärzte, die mit kreativen Ideen, mit hoher Effizienz und/oder in innovativen Versorgungsformen ihre Praxis führen. Haben Sie etwas in Ihrer Praxis umgesetzt, das Ihre Abläufe beschleunigt hat oder Fehler verhindert? Haben Sie eine besonders gut funktionierende Kommunikation innerhalb des Praxisteams entwickelt? Dann machen Sie mit und teilen Sie Ihre Erfolgs-Rezepte mit Kollegen! Weitere Informationen über den Wettbewerb: www.aerztezeitung.de/innovationspreis


Fortbildung mit Kostenbeitrag statt noch mehr Kugelschreibern

Auch in Zeiten des Antikorruptionsgesetzes und neuer Complianceregeln in Pharma-Unternehmen kann die Industrie Ärzten in Praxen gute Impulse geben. Das inkludiert auch Hilfen beim Praxismanagement. Doch ohne Eigenbeitrag der Ärzte geht es nicht mehr.

Wie kommen Innovationen im Gesundheitswesen voran, und welchen Beitrag kann dazu die Industrie leisten? Das war eine der Kernfragen bei der Diskussion rund um die Verleihung des Preises "Die innovative Arztpraxis 2015" am vergangenen Freitag in Berlin.

In der Diskussion wurde schnell klar: Es geht heute nicht um den hundertsten Kugelschreiber oder Notizblock. Es geht vielmehr um Tipps, die Pharmaberater auch mal den Niedergelassenen geben können - zum Beispiel, weil ihnen, die ja weit herumkommen und viele Ärzte kennen, in der Praxis etwas auffällt. Das kann ein Praxisschild sein, das zugewachsen ist und deshalb nicht mehr zu sehen ist. Es kann aber auch eine eher chaotisch anmutende Praxisorganisation sein, die den Betrieb aufzuhalten scheint. Diese Tipps können für die Ärzte und ihre Teams durchaus Anlass sein, die Praxisorganisation oder Arbeitsabläufe zu überdenken. "Wir haben von Referenten schon gutes Feedback zum Klima in unserer Praxis bekommen", erzählte Michael Pohling.

Zusammen mit seinen Kollegen Carla und Ekkehard Martin führt er eine hausärztlich-diabetologische Gemeinschaftspraxis, in der auch Ärzte angestellt sind. "Es ist nicht immer einfach, viele Ärzte unter einen Hut zu bringen. Da helfen fundierte Hinweise oder Fortbildungen zu solchen Themen schon", so Pohling.

Anregung zum Nachforschen

Dass von der Pharmabranche auch Hinweise und Fortbildungen zur Praxisführung angeboten werden, begrüßte auch Dr. Georg Steinfurth, Gewinner des Wettbewerbs. Ebenso herausfordernd findet er es, wenn Pharmareferenten Studien präsentierten. "Mich hat das dazu angeregt nachzuforschen, ob das auch tatsächlich stimmt. Es war ein Ansporn, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen", sagte Steinfurth.

Karlheinz Gast, Geschäftsführer Innere Medizin von UCB Pharma, betonte die Zielrichtung des Unternehmens, Ärzten abseits der klassischen Pharmaberatung auch auf anderen praxisrelevanten Gebieten zur Seite zu stehen. "Wir können zum Beispiel Management oft besser als Ärzte, die das nicht gelernt haben", sagte Gast.

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei wichtig und gelinge nur jenseits korruptionsverdächtiger Kungelei. "Seinen Partner besticht man nicht", so Gast. Deshalb biete das Unternehmen seine Fortbildungen zu betriebswirtschaftlichen Themen auch nicht kostenfrei an.

Einen Vorschlag, wie die Pharmaindustrie Ärzten außerdem helfen könnte, unterbreitete Professor Ralph Tunder, Jurymitglied beim Wettbewerb "Die innovative Arztpraxis" und Managing Director des Health Care Management Institutes der EBS Universität Wirtschaft und Recht.

Kleinere Innovationen im Blick

Da der Innovationsfonds keine kleinen innovativen Projekte von einzelnen Ärzten fördern werde, "sollte es vielleicht einen anderen Fonds geben, an dem sich auch andere als die jetzigen Kostenträger beteiligen." In einen solchen alternativen Fördertopf könnte zum Beispiel die Pharmaindustrie einzahlen. Dann hätten vielleicht auch solche Innovationen von Ärzten Aussicht auf Fördergelder, die klein angelegt seien und nicht auf Anhieb einen Beitrag dazu leisten, Kosten im Gesundheitswesen zu senken. (juk/ger)

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