Ärzte Zeitung, 13.05.2013

Saarland

Das Ende der Gutachterkommission

Die saarländische Ärztekammer löst ihre eigene Gutachterkommission für Haftpflichtfragen auf. Sie hat Probleme, für jeden Fall Fachleute im Land zu finden.

Von Andreas Kindel

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Patienten im Saarland müssen künftig ihre Anträge zu Arzthaftpflichtfragen in Hannover stellen.

© rangizzz / fotolia.com

SAARBRÜCKEN. Die saarländische Ärztekammer wird der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern beitreten. Das hat die Vertreterversammlung der Saar-Ärztekammer jetzt einstimmig in Saarbrücken beschlossen.

Bislang verfügt die saarländische Ärztekammer noch über eine eigene Gutachterkommission für Fragen ärztlicher Haftpflicht.

"Sowohl der Vorsitzende dieser Kommission als auch sein Stellvertreter stellen ihre Ämter aus Altersgründen zur Verfügung", erklärte Kammer-Präsident Dr. Josef Mischo zur Begründung. Dies habe die grundsätzliche Frage einer Neuorganisation aufgeworfen.

Im Saarland mit nur einer Uniklinik in Homburg und rund zwei Dutzend Akut-Krankenhäusern wurde es außerdem immer schwieriger, für jeden Fall im Land auch einen Fachmann zu finden.

"Wegen der Kleinteiligkeit des Saarlandes sind wir mehr und mehr auf Gutachter außerhalb des Saarlandes angewiesen", erläuterte Mischo.

Orthopädie am stärksten betroffen

2011 hatte die saarländische Gutachterkommission 111 Anträge angenommen. Von den insgesamt 67 Sachentscheidungen, bei denen ein Gutachten erstellt wurde, entfielen fast drei Viertel auf den stationären Bereich. Fachgebiet mit den meisten Streitfällen war mit 24,6 Prozent die Orthopädie.

In 18 der 67 Entscheidungen hatte die Gutachterkommission einen Behandlungsfehler gefunden. Das entspricht einer Quote von 26,8 Prozent. Bundesweit lag die Quote nach Angaben der saarländischen Ärztekammer 2011 bei 30 Prozent.

Die saarländische Ärztekammer wird der Schlichtungsstelle in Norddeutschland zum Jahreswechsel beitreten. Bis Ende dieses Jahres werden die Patienteneingaben noch im Saarland angenommen.

"Alle hier angenommenen Fälle werden auch noch im Saarland abgearbeitet", versicherte der Sprecher der Kammer, Andreas Kondziela. "Den Patienten sollen keine Nachteile entstehen".

Wechsel bringt Patienten Vorteile

Kondziela verwies darauf, dass der Wechsel für die Patienten stattdessen Vorteile bringe. "Künftig werden Streitfälle bis zu zehn Jahre rückwirkend angenommen", sagte Kondziela der "Ärzte Zeitung".

Bislang liege die Frist bei fünf Jahren. In der Schlichtungsstelle in Norddeutschland seien außerdem auch Patientenvertreter Mitglied, ergänzt Kondziela. Im Saarland seien an den Entscheidungen allein Juristen und Ärzte beteiligt.

Auch dass die Patienten ihre Anträge künftig nicht mehr in Saarbrücken, sondern in Hannover stellen müssen, sei kein Nachteil. " Es ist sowieso ein schriftliches Verfahren", erläuterte Kondziela. "Und es gibt ein Online-Formular, das die Patienten ganz einfach am Rechner ausfüllen können".

Der Schlichtungsstelle in Hannover gehören bereits neun Ärztekammern an. Seit ihrer Gründung 1976 haben mehr als 90.000 Patienten die Dienste der Stelle in Anspruch genommen.

www.norddeutsche-schlichtungsstelle.de

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