Ärzte Zeitung online, 30.09.2013

Delegation

MFA stehen bereit

Der Verband medizinischer Berufe fordert Ärzte auf, mehr an ihre Medizinischen Fachangestellten (MFA) zu delegieren. Eine klare Forderung ist damit aber verbunden: Mehr Geld für MFA in der Praxis, und zwar von den Kassen.

Ilse Schlingensiepen

Bochum. Die Medizinischen Fachangestellten (MFA) sind bereit, zusätzliche Leistungen in der Patientenversorgung zu übernehmen. Aber dafür brauchen sie sowohl klare rechtliche Rahmenbedingungen als auch eine angemessene Finanzierung. Das betonte Sabine Ridder, Präsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe (VmF), bei der Eröffnung der neuen Geschäftsstelle in Bochum.

"Die hohe Verantwortung muss auch finanziell anerkannt werden", sagte sie. Wenn die MFA verstärkt Tätigkeiten übernehmen und sich entsprechend qualifizieren, ist die Finanzierung nach ihrer Ansicht aber nicht nur Aufgabe der Praxisinhaber. Parallel zum Krankenhausbereich müsse es auch in den ambulanten Praxen eine anteilige Tariflohnfinanzierung durch die Krankenkassen geben.

Verband erwartet Gleichstellung mit dem stationären Sektor

Im Interesse der Patienten und eines finanzierbaren Gesundheitssystems gelte der Leitsatz ambulant vor stationär. Der VmF erwartet deshalb eine Gleichstellung mit dem stationären Sektor. "Es kann nicht sein, dass wir die gleichen Leistungen und die analoge Fachkompetenz bieten, Hygieneanforderungen, Patientensicherheitsaspekte auf gleichem Niveau erbracht werden, unsere Leistung aber weniger wert ist", so Ridder.

In den Hausarztpraxen passiere bereits viel bei der Übertragung von Leistungen auf die MFA und der stärkeren Teamorientierung, ohne dass viel Aufhebens darum gemacht werde. In den Facharzt-Praxen sieht Ridder dagegen noch Nachholbedarf. "Was im hausärztlichen Bereich entwickelt und evaluiert ist, muss in weitere Bereiche gehen", forderte sie. Die Fachärzte müssten die MFA noch stärker einbeziehen. "Wir haben gute Lösungsansätze zu bieten, man muss uns einfach involvieren."

Delegation kein Konzept gegen Hausarztmangel

Modelle wie Agnes, VERAH, EVA oder Moni, in denen die MFA Leistungen vom Hausarzt übernehmen und Hausbesuche machen, seien wichtig, um die hausärztliche Versorgung auf dem gewohnt hohen Niveau zu halten. Zu viel dürfe man von ihnen aber nicht erwarten. "Die Übertragung von Leistungen auf MFA ist wichtig und richtig, aber sie ist kein Konzept gegen den Hausarztmangel", betonte die Verbandspräsidentin.

Für notwendig hält sie unter anderem ein effektiveres Case Management und eine viel stärkere Vernetzung mit den anderen Gesundheitsfachberufen. "Das kann die medizinische Fachangestellte koordinieren."

Ridders Verband ist nicht zufällig von Dortmund nach Bochum auf das Gelände des Gesundheitscampus gezogen. Die Idee des hier bereits ansässigen Bundesverbands selbstständiger Physiotherapeuten - IFK, ein Kompetenzzentrum für Gesundheitsfachberufe zu errichten, habe den VmF überzeugt, berichtete die geschäftsführende Vorsitzende Hannelore König.

"Aus unserer Sicht können die demografischen Herausforderungen nur im Team aller Gesundheitsfachberufe gelöst werden." Dafür bräuchten sie verlässliche Rahmenbedingungen von der Politik und ein Mitspracherecht bei der Entwicklung neuer Versorgungsmodelle, sagte König.

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