Ärzte Zeitung App, 20.11.2014

EBM-Hausarztkapitel

MFA-Förderung ruft Kritiker auf den Plan

Große Kontroverse um die neuen Leistungen für MFA im EBM: Im Mittelpunkt der Kritik durch viele Hausärzte stehen die Abrechnungsvoraussetzungen und der bürokratische Aufwand.

Geht jeder zweite Hausarzt leer aus?

KBV und GKV-Spitzenverband haben sich kürzlich auf drei neue EBM-Ziffern verständigt, um den Einsatz nicht-ärztlicher Assistentinnen in Hausarztpraxen zu honorieren.

© Robert Kneschke / fotolia.com

STUTTGART/KÖLN. 132 Millionen Euro sollen in die Förderung der hausärztlichen Grundversorgung fließen, so sieht es die Honorarvereinbarung 2015 vor. Angekündigt war, damit den Einsatz "von besonders qualifizierten nichtärztlichen Mitarbeiterinnen auch in nicht unterversorgten Gebieten" zu finanzieren. Die kürzlich bekanntgegebene Konkretisierung dieses Vorhabens sorgt nun für einigen Unmut.

"Inakzeptabel und geradezu grotesk" etwa findet der Vorstand der KV Baden-Württemberg, dass die Qualifikationsvoraussetzungen für nichtärztliche Praxisassistentinnen so hoch angesetzt würden, dass selbst bereits erfahrene VERAH sich nachschulen lassen müssten. Außerdem sei die Neuausbildung von Praxisassistentinnen so teuer, dass der beabsichtigte Honorarzuwachs für 2015 weiter geschmälert werde.

In einem Schreiben an KBV-Chef Dr. Andreas Gassen sowie Vorstandsvize Regina Feldmann fordert die KVBW, wie bereits berichtet, das Unterschriftenverfahren zur Novellierung des EBM-Hausarztkapitels auszusetzen und mit dem GKV-Spitzenverband nachzuverhandeln.

Neben dem zusätzlichen bürokratischen Aufwand durch erneute Meldung aller Patienten einer Praxis, die in Selektivverträgen versorgt werden, kritisiert der KV-Vorstand vor allem die Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um die neuen Ziffern abrechnen zu dürfen. 860 Patienten pro Quartal oder 160 Patienten älter als 75: Damit werde "der Hälfte aller Hausärzte im Lande ein Honorarzuwachs von 0,8 Prozent verweigert".

Auch Dr. Werner Baumgärtner, Vorstandsvorsitzender des Ärzteverbunds MEDI Baden-Württemberg, ist mit der geplanten MFA-Honorierung unzufrieden. Sein Vorwurf an die KBV: "inkompetente Verhandlungsführung". Deshalb könne jetzt "nur ein Teil der Hausärzte die neue Honorierung abrufen".

Ähnlich hatte sich unlängst bereits der Deutsche Hausärzteverband zu Wort gemeldet. Dessen Gesamtvorstand fordert, die für Hausärzte in der Honorarvereinbarung 2015 vorgesehenen Gelder "allen Hausärzten direkt und ohne zusätzliche Anforderungen zukommen zu lassen". Laut Vorschlag der Delegiertenversammlung vom September solle das Geld "als Zuschlag zur Chronikerpauschale (GOP 03220) zur Verfügung gestellt werden".

Auch dem Hausärzteverband ist die Regelungsdichte rund um die neuen EBM-Ziffern ein Dorn im Auge. Während die Fachärzte durch die geplante Erhöhung ihrer Strukturpauschale gleichmäßig profitierten, sei für Hausärzte "ein hoch komplexer und diskriminierender Hürdenlauf vorgesehen". Zudem würden Hausärzte, die an der HzV teilnehmen, vom Honorarzuwachs "praktisch ausgeschlossen". Der Verband kündigte an, gegen diesen Honorarbeschluss des Bewertungsausschusses notfalls juristisch vorgehen zu wollen. (cw)

[20.11.2014, 19:07:51]
Dr. Florian Baier 
Regelungsdichte....
auch wenn ich mich wiederhole: 03004+03220H+99600+01410(Z1)+03230+02322(SB:L080+SM:2535)+03360+03362 = Pufiwechsel bei einer neu im Pflegeheim aufgenommenen Patientin.
Noch Fragen? Da kommt es auf ein paar 5-stellige Verah-Ziffern auch nicht mehr drauf an. Jemandem von außerhalb der alteingesessenen Hausarztkreise kann man das Ganze sowieso nicht mehr erklären.
Meiner Meinung nach braucht man ca. 10 Jahre um den ganzen Wust an Regelungen, Vorschriften und Vordrucken einer Hausarztpraxis wirklich zu verstehen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »