Ärzte Zeitung, 15.03.2016

Projekt in Wiesbaden

Durch Hospitation MFA besser ausbilden

Jeder dritte MFA-Azubi fällt in Hessen durch die Prüfung, weil typische Aufgaben im Praxisalltag Probleme bereiten. Ein neues Projekt in Wiesbaden will das ändern.

Von Jana Kötter

WIESBADEN. Eine Medizinische Fachangestellte (MFA) kann im Praxisalltag eine große Hilfe sein - aber nur, wenn sie gut ausgebildet ist.

Dass es hier jedoch Probleme geben kann, zeigt ein Blick in die hessische Landeshauptstadt: Etwa ein Drittel der MFA-Auszubildenden habe die Prüfung im Sommer 2015 hier wegen des praktischen Teils nicht bestanden, beobachtete Dr. Michael Weidenfeld, Vorsitzender der Bezirksärztekammer Wiesbaden.

Schuld daran, erklärt Weidenfeld, sei eine Lücke in der praktischen Ausbildung: Die Weichen würden hier oft nicht richtig gestellt, kritisierte er im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung": "Viele Auszubildende arbeiten drei Jahre lang ausschließlich an einer Stelle und lernen dabei zwangsläufig zu wenige Facetten des Berufes kennen."

Hinzu komme, dass die Auszubildende in vielen - vor allem kleineren - Praxen oft nicht als "On-Top-Kraft" angesehen werde, sondern von Beginn als zusätzliche Arbeitskraft.

Die identifizierte Lücke in der MFA-Ausbildung will der Facharzt für Urologie künftig mit einem Hospitationsprojekt schließen: Dabei durchlaufen die angehenden MFA nach einem geregelten Rotationsmodell - vorgesehen sind zwei bis drei Rotationen im Jahr - verschiedene Praxen und so die praktischen Erfahrungen erweitern.

Vor allem Hausarztpraxen sollen von der breit angelegten Ausbildung profitieren. Dabei sieht er gerade dort aktuell ein Teil des Problems: "So gibt es Kollegen, die ihren Azubis nicht die Möglichkeit bieten, über den Tellerrand hinaus zu blicken." Oft fehlten der Einzelpraxis aber auch schlichtweg die Voraussetzungen dafür.

In vielen Arztnetzen hingegen sei das Durchlaufen verschiedener Fachbereiche bereits üblich, sagt Weidenfeld. Aufgrund der guten Erfahrungen habe er sich, nachdem er in seiner Position das erste Mal mit der Problematik in Berührung kam, dazu entschieden, das Hospitationsprojekt als Vorsitzender der Bezirksärztekammer voranzutreiben.

"Allrounderinnen" für die Praxis

Im April 2015 haben die Wiesbadener Bezirksärztekammer und das Facharztzentrum Medicum gemeinsam das Projekt gestartet.

Mehr als 60 selbstständige, niedergelassene Fachärzte sind darin an einem Standort tätig - die "ideale Voraussetzung", MFA-Auszubildenden einen breiten Einblick in viele Bereiche zu geben, sagt Weidenfeld.

Auch drei große hausärztliche Praxen sind mittlerweile angeschlossen, um einen Einblick in allgemeinmedizinische Aufgabenbereiche zu geben. Aktuell nehmen laut Projektkoordinatorin Valerie Schramm 19 Auszubildende am Projekt teil.

Aktuell stehe der sehr individuellen Ausbildung in einer Praxis eine generell angelegte Prüfung: "Da kann eine MFA dann plötzlich Tätigkeiten aus dem urologischen Bereich, wissen aber nicht, wie ein Auge aufgebaut ist." Simone Walk, in der Bezirksärztekammer zuständig für das Ausbildungswesen, zieht das entscheidende Fazit: "Die Prüfungsergebnisse sind dementsprechend schlecht. Die meisten Azubis fallen im praktischen Teil durch."

Gerade in der hausärztlichen Praxis seien jedoch "Allrounderinnen" als rechte Hand des Arztes gefragt. "Um in der Praxis eine Hilfe zu sein, müssen sich die Helferinnen in vielen Bereichen gut auskennen", sagt Weidenfeld.

Das Berufsbild habe sich dabei in den letzten 20 Jahren "kolossal" weiterentwickelt. "Während vor 20 Jahren die Sprechstundenhilfe den Überblick am Empfang behalten musste, sind die Qualifikationsanforderungen inzwischen deutlich gestiegen."

In seiner urologischen Praxis etwa gehörten auch die Beratung von Patienten, Hilfe bei der Instrumentenreinigung oder ein Katheterwechsel zu den Aufgaben. In der allgemeinmedizinischen Praxis hingegen gehe es vielleicht mehr um das Blutabnehmen, bei wieder anderen um eine fachliche Beratung des Patienten.

"Wichtig ist, dass junge Leute während ihrer Ausbildung mit unterschiedlichen Inhalten vertraut gemacht werden."

Ganz nebenbei sieht Weidenfeld aber nicht nur einen Vorteil für die Arztpraxis, sondern auch für die Nachwuchsgewinnung: "Durch die Rotation wird der Ausbildungsplatz natürlich auch interessanter", sagt er.

Ob auch die Prüfungsergebnisse davon profitieren, werde man jedoch erst in drei Jahren sehen. Die Landesärztekammer Hessen evaluiert das Projekt bis dahin fortlaufend.

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