Ärzte Zeitung, 17.04.2013

Medizinstudium

Bahr will andere Zugangskriterien

Der Gesundheitsminister fordert in Berlin einen breiteren Zugang zum Medizinstudium. Nicht Forschung, sondern die Versorgung stehe im Mittelpunkt.

Von Angela Mißlbeck

Bahr will andere Zugangskriterien

Bundesgesundheitsminister Danile Bahr findet, dass die Universitäten einen fatalen Fokus auf die Notenbesten legen.

© Wolfgang Kumm / dpa

BERLIN. Ein Einser-Abitur ist kein geeignetes Zugangskriterium für das Medizinstudium. Diese Auffassung vertritt Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP).

"Wir müssen zu einem anderen Kriterium der Medizinerauswahl kommen. Ich halte das für fatal, die Jahrgangsbesten auszuwählen", sagt Bahr bei der Versorgungsmesse der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) am Mittwoch in Berlin.

"Wir brauchen nicht die jungen Einsteins, die in die Forschung wollen. Wir brauchen diejenigen, die mit Begeisterung in den Beruf gehen und in die Versorgung wollen", sagte er.

Hoffnungen von KBV-Chef Dr. Andreas Köhler auf Änderungen noch in dieser Legislaturperiode erteilte der Minister jedoch eine Absage.

"Dazu fehlen uns die Möglichkeiten", räumte er unumwunden ein. Er bekräftigte jedoch seine Absicht, das Thema in der nächsten Legislaturperiode erneut aufzugreifen.

Streit um Zuständigkeiten

Schon beim Versorgungsstrukturgesetz hatte der Minister anfangs Änderungen an den Aus- und Weiterbildungswegen der Ärzte vorgesehen. Mit diesen Absichten scheiterte er jedoch unter anderem am Widerstand der Länder.

Bahr und Köhler sind in dieser Sache quasi Verbündete. Denn der KBV-Chef hatte mit Kritik an der Medizinerausbildung kürzlich den Unmut der medizinischen Fakultäten auf sich gezogen.

Am Mittwoch beklagte er, im Streit um die Zuständigkeiten mit Ländern und Universitäten sei "ein Ping-Pong-Spiel entstanden, wo man sich nicht bewegt".

Köhler forderte: "Wir brauchen nicht noch mehr Humangenetiker, sondern wir brauchen Hausärzte und fachärztliche Grundversorger auf dem Lande."

Minister Bahr zog insgesamt jedoch eine positive Bilanz des Versorgungsstrukturgesetzes. Es sei gelungen, Maßnahmen gegen den Ärztemangel zu ergreifen.

Als echten Fortschritt wertet er die Neugestaltung der Bedarfsplanung. Auch mit der Umsetzung ist er zufrieden. "Es ist etwas vorangekommen", sagte er.

Bahr bemängelt zu lansgames Vorgehen bei der spezialfachärztlichen Versorgung

"Ein bisschen enttäuscht" zeigte Bahr sich aber über die Gestaltung der spezialfachärztlichen Versorgung. Die Begrenzung auf onkologische Erkrankungen mit schweren Verlaufsformen habe den Spielraum, den das Gesetz für diesen Bereich vorgesehen hatte, stark eingeschränkt.

Der Minister appellierte an die KBV und die niedergelassenen Ärzte, sich in diesem Feld stark einzubringen. "Nutzen Sie die Möglichkeiten aus der spezialfachärztlichen Versorgung etwas Vernünftiges zu machen", sagte er.

Seine Warnung: "Wenn wir bei der spezialfachärztlichen Versorgung nicht vorankommen, wird der Druck, die Krankenhäuser einseitig für ambulante Versorgung zu öffnen, immer größer werden."

KBV-Chef Köhler rechtfertigte das langsame Vorgehen der Selbstverwaltung. "Einen völlig neuen Versorgungsbereich zu definieren war aufwändig", sagte er.

Köhler zeigte sich zuversichtlich, dass es bis Jahresende gelingen werde, zwei bis drei weitere Indikationen festzulegen.

[06.05.2013, 09:21:43]
Anne C. Leber 
Leserzuschrift von Dr. Nicolai Kohlschmidt
Natürlich fühlen sich die Humangenetiker geschmeichelt, vom obersten
Kassenarzt zuminderst indirekt unterstellt zu bekommen, sie würden sich
nur aus Einser-Abiturienten und Jahrgangsbesten rekrutieren.
Die Humangenetik ist aber nicht nur ein Querschnittsfach in der
Patientenbetreuung sondern auch in der Zusammensetzung ihrer
fachärztlichen Vertreter. Ärztinnen und Ärzte, „Forscher“ und „Praktiker“, junge und alte Kollegen finden sich in ähnlicher Zusammensetzung wie in anderen Fachgebieten auch.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Konstruktion eines direkten
Zusammenhangs zwischen Abiturnote und der Bereitschaft, als Hausarzt
aufs Land zu gehen, Unsinn.
Der Drang in die Stadt ist ein Phänomen, das seit Jahrhunderten in Europa besteht und alle Berufsgruppen betrifft. Auch Lehrer, Feuerwehrleute,Polizisten und Betriebswirtschaftler finden die soziale und kulturelle Vielfalt in einer Stadt häufig attraktiver als die geruhsame Idylle des Landlebens.
Die steigenden Preise für städtischen Wohnraum in Deutschland sind ein
klares Zeichen dieser Attraktivität für alle Bevölkerungsgruppen.
Vollkommen falsch ist zudem die Aussage von Herrn Dr. Köhler, wir
bräuchten weniger Humangenetiker. Wir brauchen sogar mehr!
Viele vorher nicht geklärte („idiopathische“) schwere Krankheiten haben
einen genetischen Hintergrund, in der Früherkennnung und Behandlung von
Krebserkrankungen spielt die Humangenetik eine wichtige Rolle, ebenso
wie in der Betreuung zunehmend älterer Schwangerer und Menschen mit
angeborenen Fehlbildungen und Behinderungen.
Humangenetische Beratung ist praktizierte Grundversorgung für sehr viele
Familien.
Alle Humangenetiker bemühen sich, durch dezentrale Sprechstunden ein
flächendeckendes Angebot für genetische Beratungen auch für wenig
mobile Menschen in Klein- und Mittelstädten sicher zu stellen. Die KV macht diese Praxis durch die realitätsfremde Limitierung von Tätigkeitsorten nicht einfacher. Hier besteht im Rahmen des Sicherstellungsauftrags ein konkreter Tätigkeitsbedarf der KVen.
Die Schaffung einer Dichotomie zwischen Grundversorgern und der
Humangenetik kann von uns nur als Ausdruck der Unkenntnis der
tatsächlichen Aufgagen des Fachs verstanden werden. Unser
Berufsverband steht für eine entsprechende Fortbildung interessierter
Kollegen und Politiker immer zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Nicolai Kohlschmidt,
Präsident Berufsverband Deutscher Humangenetiker e.V., Bonn zum Beitrag »
[17.04.2013, 18:38:12]
Dr. Edgar Remmel 
p.s. Das von der Politik gewollte Verändern der Zulassungskritierien passt dazu
.. nicht mehr dir guten Abiturienten will man in Zukunft im Medizinstudium, sondern die "nicht einser Abiturienten",- bei denen mit 4,xy ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass viele dabei sind die zu blöd sind zu kapieren wie sie als Sozialarbeiter billigst verheizt werden sollen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »