Ärzte Zeitung, 23.10.2013

Bayern

Geburtshelfer trainieren den Notfall

Eine Maschine simuliert Notfälle von Mutter und Kind bei der Geburt. Das verbessert die Kommunikation im Kreißsaal.

MÜNCHEN. Um dramatische Situationen während einer Geburt besser meistern zu können, haben mehrere Institutionen und Organisationen ein Pilotprojekt gestartet, bei dem die Zusammenarbeit von Geburtshilfe-Teams im Kreißsaal unter Stressbedingungen systematisch trainiert wird.

Das Projekt mit dem Namen simparteam wurde 2011 gestartet und im vergangenen Jahr an sieben Krankenhäusern in Bayern evaluiert.

Die ersten Ergebnisse einer Zwischenauswertung ergaben, dass sich die effektive Kommunikation bei allen Berufsgruppen im Kreißsaal gerade in Stresssituationen verbessert hat, berichtete Dr. Ingeborg Singer vom MDK Bayern kürzlich in München. Auch das frühe Erkennen von kritischen Situationen sei durch das Training besser geworden.

Hintergrund der Initiative ist eine systematische Analyse von über 800 Schadensfällen in der Geburtshilfe durch eine Arbeitsgruppe des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS). Diese hatte ergeben, dass bei Notfallsituationen im Kreißsaal bestimmte meist durch Missverständnisse verursachte Fehler gehäuft auftreten, berichtete Singer.

Auch fehle es zum Teil an standardisierten Verfahrensabläufen für das Geburtshilfe-Team. Und immer wieder würden im Nachhinein fehlende Konsequenzen aus den Aufzeichnungen von Wehenschreibern bemängelt.

Im Projekt simparteam üben alle für einen geburtshilflichen Notfall infrage kommenden Berufsgruppen einer Klinik an einem Mutter-Kind-Simulator. "Mit der computergesteuerten Nachbildung einer Gebärenden und ihres Babys konnten die Notfallszenarien lebensecht nachgestellt und von den Teilnehmern in ihren eigenen Klinikräumen auch so erlebt werden", erläuterte Singer.

In einzelnen Szenarien, die etwa 15 bis 20 Minuten dauern, werden klassische geburtshilfliche Notfälle wie eine schwere Blutung der Mutter simuliert.

Nach dem Training wird das Geschehen im Kreißsaal anhand der Videoaufzeichnungen analysiert, wobei ein besonderes auf die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachdisziplinen geachtet wird.

Die am Projekt beteiligten Organisationen, darunter unter anderem die AOK Bayern, der Deutsche Hebammenverband und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, streben jetzt an, simparteam-Trainings möglichst flächendeckend in Fortbildungsprogrammen zu etablieren und Kliniken dafür zu interessieren. (sto)

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