Ärzte Zeitung online, 03.12.2013

Keine Bewerber

Saarland immer noch ohne Hausarzt-Professur

Eine unendliche Geschichte: Die Uni des Saarlands sucht händeringend Allgemeinärzte für eine eigene Professur. Doch der Markt scheint leergefegt. Jetzt ist auch noch der Vertrag für die erste Finanzierung ausgelaufen. Aber es könnte noch eine Alternative geben.

Von Michael Kuderna

Bewerbermarkt ist leer gefegt - keine Professur im Saarland

Homburger Campus von oben: Wann wird es einen Allgemeinmedizin-Lehrstuhl geben?

© Fotostudio Duppe / Universität des Saarlandes

SAARBRÜCKEN. Die Einrichtung eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin an der Universität des Saarlandes entwickelt sich immer mehr zur unendlichen Geschichte: Die wenigen Bewerber sind wieder abgesprungen, der Vertrag über eine Anschubfinanzierung mit der KV ist am Wochenende ausgelaufen und damit hinfällig.

Die KV hatte vor zwei Jahren der Universität 1,5 Millionen Euro als Starthilfe zugesagt. Das Geld sollte auf sieben Jahre verteilt werden. Wie der KV-Vorstandsvorsitzende Dr. Gunter Hauptmann der "Ärzte Zeitung" bestätigte, kam trotz Fristverlängerung bis Ende November keine Berufung zustande.

Nach Hauptmanns Eindruck ist es derzeit äußerst schwierig, geeignete Bewerber in Deutschland zu finden. Der Markt sei "so gut wie leer gefegt".

Tatsächlich hat die letzte verbliebene Verhandlungspartnerin, auf deren Zusage auch der Hausärzteverband bis vor wenigen Tagen gehofft hatte, in der vergangenen Woche der Fakultät in Homburg abgesagt und stattdessen einen Ruf nach Heidelberg angenommen.

Seit 2012 mussten elf Hausarztpraxen schließen

Damit wurde nach jahrzehntelangem Ringen die Aussicht auf ein Happy End vorläufig zunichte gemacht. Schon 1996 hatte die Delegiertenversammlung der Ärztekammer einstimmig das Fehlen eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin beklagt.

Nach diversen Initiativen fand die Forderung 2009 schließlich Eingang in den Koalitionsvertrag der damaligen Jamaika-Regierung und ein Jahr später in die Ziel- und Leistungsvereinbarung zwischen Universität und Wissenschaftsministerium.

Von dem Lehrstuhl versprach man sich nicht zuletzt einen Baustein im Kampf gegen den Hausarztmangel. Schon 2005 hatte der damalige Dekan der medizinischen Fakultät gegenüber der "Ärzte Zeitung" betont, die Verankerung der Allgemeinmedizin könne die absehbaren Nachwuchssorgen lindern.

Inzwischen beginnen sich, die Warnungen zu bestätigen. So mussten nach einer KV-Statistik seit 2012 an der Saar elf Hausarztpraxen mangels Nachfolger geschlossen werden.

KV-Chef Hauptmann stellt denn auch in Aussicht, den vorgesehenen Zuschuss für den Lehrstuhl vorläufig noch nicht anderweitig auszugeben.

Eine Sprecherin der Universität bedauerte auf Nachfrage ebenfalls das vorläufige Scheitern der Besetzung und kündigte weitere Gespräche mit der KV an. Dennoch scheint es nicht ausgeschlossen, dass man nun nach einem anderen Ausweg sucht.

Notlösung Lehrauftrag

Im Moment behilft man sich in Homburg mit Lehraufträgen. Das Team besteht aus sechs Allgemeinärzten sowie einem Internisten und einem Chirurgen.

Der Leiter des Lehrbereichs und praktizierende Allgemeinmediziner Dr. Johannes Jäger hatte schon 2005 beklagt, mit einer derartigen Ausstattung, die in der Praxis einer ehrenamtlichen Tätigkeit nahe kommt, sei man bundesweit Schlusslicht.

Andererseits brachte er - auch wenn die Schwierigkeiten damals mehr finanzielle als personelle Ursachen hatten - eine mögliche Alternative in die Diskussion, nämlich ein Modell arbeitsteiliger Honorarprofessuren.

Sollte man heute auf diese Idee zurückgreifen, wären damit vermutlich Abstriche an der neben der Lehre zusätzlich erhofften Versorgungsforschung verbunden, andererseits ein starker Praxisbezug gesichert.

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