Ärzte Zeitung, 10.08.2015

Biomedizintechnik

Leitfaden soll künftige Ärzte fit machen

Biomedizintechnik hält nach und nach Einzug in moderne OP-Verfahren. Sie fordert von Ärzten ein grundlegendes Verständnis. Ein Expertenvorschlag zeigt nun, wie die Biomedizin in das Medizinstudium integriert werden könnte.

Von Matthias Wallenfels

Leitfaden soll künftige Ärzte fit machen

Die biomedizintechnischen Anforderungen an die Ärzte im OP-Geschehen nehmen ständig zu.

© Kzenon/fotolia.com

FRANKFURT/MAIN. Transkutane endovaskuläre Implantationen von Aortenstents oder Aortenklappen sind zwei Beispiele für die zunehmend stratifizierte Medizin, die sich maßgeschneiderter medizinischer und biomedizintechnischer Verfahren bedient und welche das Risiko für den Patienten auf ein vertretbares Maß reduzieren soll.

Für die Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik im Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik (VDE|DGBMT) stehen diese beiden Techniken exemplarisch für die steigende Komplexität des OP-Geschehens.

Ihrer Ansicht nach wird die bisherige Ausbildung der Humanmediziner den modernen Anforderungen nicht mehr gerecht.

Daher hat die VDE|DGBMT jetzt den "Nationalen kompetenzbasierten Lernzielkatalog der Biomedizintechnik für die Studierenden der Medizin" (BMT-NKLM) vorgelegt.

Problem der Querschnittstechnologie

Die Publikation biete einen kompetenzbasierten Ausbildungskatalog, der im Curriculum des Medizinstudiums angewendet werden könne.

Folgende Grundsätze seien dabei essenziell: Kompetenzorientierung, integrierte und patientenorientierte Curricula, wissenschaftliche Kompetenz, interprofessionelle Ausbildung und Fokussierung der Studieninhalte.

Die Biomedizintechnik als Querschnittstechnologie habe innerhalb des Medizinstudiums bisher keine einheitlich geregelten Lernziele. Die VDE|DGBMT begrüßt, dass das Medizinstudium in Deutschland derzeit umfassend reformiert und weiterentwickelt wird.

Sie agiert nach eigenen Angaben als Netzwerk von Ärzten, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, den intensiven Wandel in der Medizin durch die biomedizintechnischen Verfahren an der Schnittstelle zwischen Patient und Anwender für die Medizinstudenten abzubilden - und zwar so, dass die Kompetenz für eine andauernde Weiterbildung in diesem Themenfenster gewährleistet ist.

Sieben zu erwerbende Kompetenzen

Gegliedert ist der Katalog in zwei Abschnitte: Im "Allgemeinen Teil" sind jene Kompetenzen und Lernziele abgebildet, die als Grundvoraussetzung für die Arbeit mit biomedizintechnischen Verfahren, Systemen und Methoden einzuordnen sind.

Die sieben zu erwerbenden Kompetenzen beginnen mit einem Bewusstsein für die Biomedizintechnik: "Die Absolventen verstehen die Bedeutung der Unterstützung medizinischer Maßnahmen durch die Anwendung biomedizintechnischer Verfahren am Menschen für die diagnostische und therapeutische Arbeit."

Weitere Kompetenzbausteine sind ein Grundverständnis für BMT sowie die Kommunikation: "Die Absolventen sind in der Lage, Zielsetzung, Wirkungsweise und Bedeutung der Einwirkung von Biomedizintechnik auf den menschlichen Körper für Fachpersonal ebenso wie für Patienten und Angehörige verständlich zu kommunizieren."

Sich anschließende Kompetenzfelder sind dann die Risikoanalyse und das Fehlermanagement, Kritische Ereignisse, Qualitätsmanagement, Recht und Haftung sowie Ethik.

Unis flexibel bei Schwerpunkten

Im "Speziellen Teil" des BMT-NKLM sind Kompetenzen und Lernziele aufgeführt, die dem zentralen Bezugspunkt "Krankheitsbezogene Prävention, Diagnostik und Therapie" zuzuordnen sind.

Auf dieser Basis könnten, wie die VDE|DGBMT betont, die medizinischen Fakultäten - je nach eigenem Schwerpunkt - spezifische Lernziele mit Wahlfächern und Wahlinhalten weiterentwickeln.

Zudem sei eine enge Vernetzung mit der fachärztlichen Weiterbildung und der berufsbegleitenden Fortbildung vorgesehen. So solle eine langfristige, kontinuierliche und dynamische Weiterentwicklung des Lernzielkatalogs gewährleistet werden.

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