Ärzte Zeitung, 14.03.2016

Kiel

Medizincampus wird modernisiert

Der Startschuss für die Modernisierung ist gefallen: Medizinstudierende der Zukunft sollen in Kiel einen optisch, aber auch funktional verbesserten Campus erhalten. Der erste Neubau soll 2019 fertig sein.

Von Dirk Schnack

KIEL. Ärzte, die in der Ostseestadt Kiel studiert haben, werden den Medizincampus in wenigen Jahren höchstvermutlich nicht mehr wiedererkennen.

Aus dem verstreuten Flickwerk teils sanierungsbedürftiger Gebäude aus unterschiedlichen Jahrzehnten entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zum neuen Universitätsklinikum auch ein moderner Forschungs- und Lehrcampus.

Das Land investiert dafür nach eigenen Angaben 87 Millionen Euro aus einem Sondervermögen.

Ziel des finanziellen Kraftakts sind bessere Bedingungen für die Medizinstudierenden, die nach Angaben von Dekan Professor Ulrich Stephani ein Zentrum vermissen. Zugleich müssen sie und die Dozenten schon seit Längerem mit einem jahrelangen Renovierungsstau leben.

In diesem Monat, nur wenige Tage nach der Grundsteinlegung für das neue Universitätsklinikum, fällt deshalb auch der Startschuss für den neuen Campus, der komplett sein Gesicht verändern wird.

Auf rund 15.000 Quadratmetern Nutzfläche entstehen zwei Forschungsneubauten und ein Hörsaalgebäude, die sich optisch mit den Bestandsbauten verbinden und in ihrer Mitte einen begrünten Treffpunkt für die Medizinstudierenden entstehen lassen.

Räume sollen flexibel werden

Nicht nur die Optik und die Funktionalität sollen sich wandeln. Die Räume werden künftig flexibel und für verschiedene medizinische Fachbereiche nutzbar sein. "Eigene" Hörsäle oder Labore gehören dann der Vergangenheit an. "Fürstentümer wird es nicht mehr geben", kündigte Stephani bei der Vorstellung der Pläne in Hinblick auf vergangene Berufungszusagen an Professoren an.

Die angehenden Ärzte in Kiel sind laut Prodekan Professor Christoph Röcken in die Planungen einbezogen und ihre Anregungen berücksichtigt worden. Von den Plänen seien sie "begeistert" gewesen - auch wenn die meisten von ihnen davon nicht mehr profitieren werden.

Der erste Neubau soll 2019 fertiggestellt sein. Mit den weiteren Neubauten kann man erst nach Beendigung der Bauarbeiten für das Universitätsklinikum im Jahr 2020 beginnen, ihre Fertigstellung ist für das Jahr 2023 geplant.

Danach hofft Stephani auf eine größere Anziehungskraft des Geländes für Studierende und Professoren - beim "weichen Faktor" Campusqualität konnte Kiel im Vergleich mit anderen Medizinfakultäten bislang nicht punkten.

Die Umbauten finden auf einem Gelände mitten in der Landeshauptstadt zwischen Einkaufszentren und Ostseeküste statt. Die Fläche gehört dem Land Schleswig-Holstein und soll nach Angaben der Dekane auch auf ausdrücklichen Wunsch der Stadt in den kommenden Jahrzehnten Mittelpunkt des universitären Lebens bleiben.

Für die Medizinstudenten bedeutet der attraktive Standort, dass sie alle Wege mit dem Fahrrad zurücklegen und zugleich günstige Wohnungen erreichen können.

Finanzierung für UKSH umstritten

Optisch wird sich die Forschung und Lehre mit gelben Fassaden von den überwiegend roten Fassaden des neuen Universitätsklinikums abheben. Grundsteinlegung für dieses 520 Millionen Euro teure Sanierungs- und Neubauvorhaben in privat-öffentlicher Partnerschaft war am vergangenen Freitag.

Anders als bei den Neubauten für Forschung und Lehre ist die Finanzierung für das UKSH umstritten, weil sie wie berichtet mit einer "Effizienzrendite" kalkuliert, die auf einer Fallzahlsteigerung beruht.

Das Land zahlt für die Nutzung der Klinikbauten anschließend Miete an ein privates Konsortium.

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