Ärzte Zeitung, 24.08.2016

Digitalisierung

Wegbereiter einer besseren Versorgung

Die Digitalisierung schafft eine Win-Win-Situation für Nutzer des Gesundheitssystems und dessen Budgetgestalter, so ein IT-Experte.

MÜNCHEN. Die weitere Digitalisierung von Patientendaten in der Medizin bietet Potenzial, um sowohl die Patientenversorgung zu verbessern als auch um Kosten zu senken. Davon zeigte sich Dr. Klaus Heumann, CEO der Biomax Informatics AG, vor Kurzem bei der Veranstaltung "Digitalisierung der Medizin in Bayern" überzeugt.

Die Digitalisierung schaffe eine Win-Win-Situation für die Nutzer des Gesundheitssystems und dessen Budgetgestalter. Heumann fasste dieses Ziel in den Leitsatz "Die richtige Behandlung für den richtigen Patienten zur richtigen Zeit", welche die "bestmögliche Therapie bei größtmöglicher Effizienz" ermöglichen solle.

Das Erfassen der erforderlichen Daten müsse sich am Wissensmodell der Systemmedizin orientieren. Eine Vielzahl gesundheitsrelevanter Informationen müsse mit geeigneten Methoden systematisch erfasst, strukturiert, integriert und ausgewertet werden, um neues Wissen für die Verbesserung individueller Behandlungen zu generieren.

Die Methoden müssten dabei nicht nur vielen unterschiedlichen, sondern auch sich ständig verändernden Informationsquellen, gerecht werden, so Heumann weiter. Ihre Anwendung entspreche einem sich fortwährend weiterentwickelnden, komplexen Rückmeldesystem.

Heumann stellte zur Untermauerung seiner These zwei aktuelle Beispiele aus der Gesundheitsversorgung vor. Zum einen die Plattform PREPARE Europe (Platform for European Preparedness Against Re-emerging Epidemics), die entwickelt worden sei, um eine schnelle Reaktion auf die Bedrohung durch eine Pandemie zu ermöglichen. Mehrere hundert Krankenhäuser in 27 EU-Ländern nehmen daran bereits teil. Durch die Integration von umfangreichen, systematisch erfassten und ausgewerteten Daten soll es PREPARE ermöglichen, auf eine potenzielle Pandemie innerhalb von drei Monaten umfassend und koordiniert reagieren zu können.

Demgegenüber dient das zweite vorgestellte Anwendungsbeispiel, das System des CIRO (Center of Expertise for Chronic Organ Failure), einer interdisziplinären, individualisierten Behandlung von Patienten mit COPD. Dabei ermögliche die gezielte, IT- gestützte Analyse großer Datensätze Erkenntnisse, um Therapien stärker an den patientenindividuellen Bedürfnissen einzelner Betroffener orientieren zu können.

Das CIRO-Auswertungssystem beziehe unter anderem etwa 50 verschiedene, genau definierte Diagnoseschritte, zahlreiche klinische Beurteilungsprozesse sowie die Perspektiven mehrerer medizinischer Fachdisziplinen ein, wie Heumann erläuterte.

In München präsentierte er aktuelle Controllingdaten aus dem System als erste Angabe zur Evaluation. So habe der CIRO-Ansatz im Vergleich zum regulären Vorgehen in der COPD-Therapie nicht nur die Behandlung von doppelt so vielen Patienten ermöglicht, sondern auch die Behandlungserfolge um 50 Prozent verbessert - und zusätzlich noch die Kosten um insgesamt 30 Prozent verringert. (cmb)

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