Ärzte Zeitung, 23.05.2008

Gute Noten für die Telematik-Infrastruktur

Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme bewertet Konzept der gematik

BERLIN (af). Die Telematikinfrastruktur für die Arbeit mit der elektronischen Gesundheitskarte ist kerngesund. Diese Botschaft hat das Fraunhofer-Institut für offene Kommunikationssysteme (Fokus) der deutschen Ärzteschaft gerade noch rechtzeitig zum Ärztetag nach Ulm übermittelt.

Das von der beim Gesundheitsministerium angesiedelten Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (gematik) vorgeschlagene Konzept sei auf dem Stand der Technik von heute, sei sicher gegen Angriffe von Datenräubern und stelle Ärzten und Apothekern diese Daten dennoch schnell und umfassend für ihre tägliche Arbeit zur Verfügung: Zu diesem Ergebnis kommt ein zwanzigseitiger Bericht des Instituts, den die Autoren in Berlin als "Studie" vorgestellt haben.

"Wir haben ausschließlich die von der gematik konzipierte Infrastruktur unter die Lupe genommen", sagte der Autor des Berichts, Felix Apitzsch. Anwendungen wie zum Beispiel das Projekt der elektronischen Patientenakte würden in der Zukunft auf diese Plattform aufgesetzt, seien aber nicht Teil von ihr und damit auch nicht Gegenstand der Untersuchung. Telematikinfrastrukturen sind vergleichbar mit dem Straßennetz, die Anwendungen mit den Fahrzeugen.

Ärzte müssen Geheimzahl nur noch einmal am Tag eingeben.

Vor drei Monaten habe man sich selbst mit dieser Aufgabe beauftragt, sagte Fokus-Leiter Professor Radu Popescu-Zeletin. Sie sei ein Beitrag zur Arbeit des von Angela Merkel vor zwei Jahren ins Leben gerufenen Nationalen IT-Gipfels, der sich in der Arbeitsgruppe 7 auch mit der Telematik im Gesundheitswesen beschäftigt. Auf der Grundlage dieses Berichts empfiehlt Fraunhofer Fokus, die Möglichkeiten der Telematikinfrastruktur der gematik zu nutzen und systematisch weiterzuentwickeln. KVen, Kassen und Ärzte können darauf aufbauen, sagte Popescu-Zeletin.

Ohne die unter anderem vom NAV-Virchowbund und vom IPPNW als Konkurrenz der E-Card - die USB-Karte - beim Namen zu nennen, geht der Bericht doch darauf ein. Bei dieser Karte sind die Daten der Patienten nicht in zentralen Speichern abgelegt. Vielmehr trägt jeder Versicherte seine Daten bei sich und kann selbst entscheiden, welchem Arzt oder Apotheker er sie anvertraut.

Dieses Verfahren sei zwar geeignet, um die Daten bei Störungen des Internets verfügbar zu halten. Verteilte zeitkritische Datenverarbeitung über größere Distanzen sei damit jedoch nicht möglich, heißt es dazu in dem Bericht der Fraunhofer-Experten.

In den Testregionen der elektronischen Gesundheitskarte kritisieren die teilnehmenden Ärzte unter anderem, dass sie sich bei jeder Aktion mit einer sechsstelligen Geheimzahl ausweisen müssen. Abhilfe versprach Bernd Kowalski vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. In Zukunft müsse der Arzt pro Arbeitstag nur noch einmal elektronisch unterschreiben. Mit der so genannten Stapelsignatur ließen sich dann weitere Vorgänge bearbeiten, ohne die Geheimzahl immer wieder eingeben zu müssen.

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