Ärzte Zeitung online, 20.07.2009

Kosten für das Projekt Gesundheitskarte könnten auf 14 Milliarden steigen

BERLIN (dpa). Die elektronische Gesundheitskarte wird voraussichtlich weit teurer als geplant. Das Gesamtprojekt werde inklusive der dahintersteckenden Technik einen hohen einstelligen Milliardenbetrag kosten, sagte der Präsident der Ärztekammer Schleswig-Holstein, Franz-Joseph Bartmann, am Sonntag zu dpa in Berlin. Die gematik geht indes langfristig von Einsparungen in Höhe von 14,3 Milliarden Euro, im ungünstigsten Fall aber auch von Kosten in Höhe von 14,1 Milliarden Euro aus. Trotz Streits zwischen Krankenkassen und Ärzten soll die Karte nun kommen.

"Die Karte selbst dürfte für einen dreistelligen Millionenbetrag zu haben sein", sagte Bartmann. Er ist im Vorstand der Bundesärztekammer dafür zuständig. Nach dem Beschluss für die Karte hatte das Bundesgesundheitsministerium 2004 die Kosten auf rund eine Milliarde Euro beziffert. Ein Sprecher der Betreibergesellschaft gematik sagte, für den ungünstigsten Fall seien dann Kosten von 14,1 Milliarden Euro veranschlagt worden. Allerdings könne die Karte durch schlankere Abläufe längerfristig auch 14,3 Milliarden Euro einsparen. Die gematik geht von Investitionskosten für Karte und erste Online- Anwendungen von bis zu 1,6 Milliarden Euro aus.

Nach jahrelangen Verzögerungen erhöhten die Kassen den Druck auf die Mediziner. "Wir erwarten von den Ärzten, dass sie die Chancen der Karte nutzen und ihren Teil dazu beitragen, dass die Versorgung der Versicherten endlich im 21. Jahrhundert ankommt", sagte die Vorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Dr. Doris Pfeiffer, der dpa. "Die Karte hätte schon längst kommen müssen", sagte der Chef der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs, der dpa. Es ist die größte Kasse der Startregion.

Zankapfel ist die Online-Anbindung, mit der Patientendaten papierlos verschickt werden sollen. Jacobs warnte: "Wenn die Online- Anbindung von der Entscheidung des einzelnen Arztes abhängt, ist die Karte in ihren Möglichkeiten dramatisch beschränkt." Nötig sei die Möglichkeit zum elektronischen Rezept und zur elektronischen Patientenakte. Bartmann entgegnete: "Die Einführung an eine spätere Online-Anbindung zu knüpften, ist instinktlos." Ärzte machten sich Sorgen, wenn sie sich schon mit der Anschaffung eines Lesegeräts zum späteren Online-Anschluss verpflichten sollen.

"Wann für jeden Arzt der richtige Zeitpunkt ist, mit seiner Praxis in die neue Technik und damit in eine neue Form der Versorgung einzusteigen, kann in der Startphase nur der Mediziner selbst entscheiden", räumte Pfeiffer ein. Aber: "Ist diese Aufbauzeit der Telematik-Infrastruktur in einer Region jedoch abgeschlossen, wird die Teilnahme an der neuen Versorgungsstruktur verpflichtend sein."

Am 1. Oktober werden alle gesetzlichen Kassen in Nordrhein mit dem Versand beginnen, wie Jacobs bekräftigte. 2010 sollen laut gematik schrittweise möglichst alle rund 70 Millionen Versicherten in Deutschland die neue, mit Foto ausgestattete Karte bekommen. Sie trägt zunächst die zentralen Personendaten und soll von 2010 an nach und nach auch zum papierlosen Verschicken von Patientendaten verwendet werden. Trotz Widerständen in den eigenen Reihen zeigte sich Bartmann zuversichtlich: "Am Ende werden viel mehr Praxen die Gesundheitskarte in voller Funktion zu schätzen wissen, als sich die meisten das heute vorstellen können."

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