Ärzte Zeitung online, 01.08.2011

Kassen geben bei der E-Card Gas

DÜSSELDORF (dpa/ger). Der elektronische Entgeltnachweis "Elena" ist gekippt. Doch bei der elektronischen Gesundheitskarte geht es nach langer Verzögerung nun tatsächlich voran. Bis Ende des Jahres soll die Karte an jeden zehnten der 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten verteilt sein.

Kassen geben bei der E-Card Gas

Gesundheitskarte im Geldbeutel: Künftig werden immer mehr Versicherte sie tragen.

© dpa

Im August werden Hunderttausende Versicherte der AOK Post in ihren Briefkästen finden. Allein in der Region Nordrhein bittet die AOK Rheinland/Hamburg 300.000 Mitglieder um ein Foto - und hofft, dass sie diese binnen weniger Wochen eingesammelt hat.

Denn bis Ende des Jahres müssen bundesweit zehn Prozent aller 70 Millionen gesetzlich Versicherten mit der neuen elektronischen Gesundheitskarte ausgestattet sein. Und die muss ein Lichtbild haben. Erfüllt eine Kasse die Zehn-Prozent-Quote nicht, drohen ihr Strafzahlungen.

Das hatte die schwarz-gelbe Koalition vergangenes Jahr per Gesetz beschlossen, nachdem das Milliarden-IT-Projekt über Jahre nur im Schneckentempo vorankam. Allein die AOK muss bundesweit bis Ende des Jahres 2,4 Millionen Versicherte mit der neuen Chipkarte versorgen.

Kassenvorstände sehen sich im Zeitplan

"Das schaffen wir", ist sich Günter Wältermann, stellvertretender Vorstandschef der AOK Rheinland/Hamburg, sicher. Die für die Region Nordrhein notwendigen 300.000 Karten könnten innerhalb eines Monats produziert werden. Bisher wurden nur 25.000 Kärtchen gedruckt.

Optimismus herrscht auch bei der Techniker Krankenkasse (TK), die bis Ende Dezember bundesweit rund 780.000 Versicherten die Karte schicken muss - nur 5000 wurden bisher verteilt.

"Das Nadelöhr ist, dass der Versicherte ein Bild abgeben muss", sagt Wältermann. Man müsse die Menschen "davon überzeugen mitzuwirken". Bei der AOK kann das Bild per Post oder Internet geschickt oder in einem Fotoautomaten in den Geschäftsstellen gemacht werden.

Was aber, wenn ein Versicherter sich weigert, ein Foto abzugeben? Dann bekommt er auch keine Karte, und das bringe ihm "Unannehmlichkeiten", sagt Wältermann. "Er hat aber trotzdem Leistungsanspruch."

Widerstand von Seiten der Ärzteschaft

In der Ärzteschaft gibt es weiterhin Sicherheitsbedenken. Bundesweit können sich Ärzte noch bis zum 30. September ohne Zusatzkosten mit dem notwendigen neuen Kartenlesegerät ausstatten. "Die Akzeptanz ist in den Bundesländern unterschiedlich", sagt Wältermann. "Einige Ärzte machen sehr stark mit, andere weniger."

Ab 2013 sollen die Kassen nur noch die neue E-Card ausliefern. Flächendeckend kann sie aber nur eingesetzt werden, wenn die Ärzte auch das Lesegerät haben.

Noch kann die Karte eigentlich nichts. Sie enthält neben Foto und EU-Krankenschein nur die Stammdaten der Versicherten - alles offline. In einem ersten Schritt sollen die Stammdaten etwa bei einem Umzug online geändert werden. Wann es so weit ist, weiß niemand. Zunächst soll das in der Region Nordrhein wieder einmal getestet werden.

Später sollen der elektronische Arztbrief und die Patientenakte hinzukommen. Das werde aber wohl erst in zwei bis drei Jahren funktionieren, meint Wältermann. Auch das elektronische Rezept wurde zurückgestellt. Außer dem Speichern der Notfalldaten zur Blutgruppe oder Allergien sind alle zusätzlichen Anwendungen nur online möglich - und nur mit Zustimmung des Versicherten.

"Hundertprozentige Sicherheit gibt es nie"

Mehr als 200.000 Ärzte, 22.000 Apotheken und mehr als 2000 Krankenhäuser sowie Kassen und Versicherte sollen künftig über dieses neue virtuelle Gesundheitsnetz, genannt Telematik-Infrastruktur, miteinander verbunden sein. Teile der Ärzteschaft hätten die Diskussion um die Datensicherheit der Gesundheitskarte "hochstilisiert", meint Wältermann.

Niemand habe ja auch bisher ein Problem damit gehabt, dass jeden Monat die Abrechnungen aller Versicherten über Datenleitungen zu den Kassenärztlichen Vereinigungen gehen.

Nach den jüngsten Datenklau-Skandalen und Hackerangriffen bei großen Unternehmen ist es aber nicht leicht, Datenschutzbedenken zu zerstreuen. "Es gibt nichts hundertprozentig Sicheres auf der Welt", sagt auch Wältermann. Die Gesundheitskarte sei mit ihrer Verschlüsselungstechnologie aber "eines der sichersten Medien überhaupt".

[25.08.2011, 16:20:47]
Dr. Karlheinz Bayer 
wer ist Wältermann?
Wer ist Wältermann, daß er meint, der Deutsche Ärztetag seien nur "Teile der Ärzteschaft"?. Dieses Ding wurde vom höchsten Organ der deutschen Äruzteschaft abgelehnt. Basta.  zum Beitrag »
[03.08.2011, 13:27:47]
Uwe Schneider 
Die Kassen sollten eine Personalausweis-Kopie ...
... mit anfordern, um das Problem der Authentizität des Fotos zu lösen. Auch ohne diese Überprüfung der Echtheit wird zumindest das "Verleihen" der Karte erschwert. zum Beitrag »
[02.08.2011, 12:57:19]
Dr. Fritz Lax 
Photo E-Card
Wer kontrolliert eigentlich, ob das Photo auch zu dem versicherten Patienten gehört?
Als Patient könnte ich doch auch ein Portrait von John Wayne einschicken - oder??
Grüße Fritz Lax zum Beitrag »

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