Ärzte Zeitung online, 21.12.2011

E-Card-Mysterium: Woher hatte die Kasse das Passfoto?

In Hamburg soll einem Versicherten die neue Gesundheitskarte samt Foto zugeschickt worden sein, ohne dass er der Kasse je ein Foto bereitgestellt habe. Wahrheit oder Zeitungsente?

Rätsel in Hamburg: Woher kam das Passfoto für die E-Card?

AOK-Gesundheitskarte mit Passfoto: Ein Versicherter der AOK Nordwest wundert sich über sein Foto auf der Karte, das er angeblich nicht eingereicht hat.

© dpa

NEU-ISENBURG (reh). Die Krankenkassen drücken beim Rollout der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) kräftig aufs Tempo. Denn bis Silvester müssen sie zehn Prozent ihrer Versicherten mit der neuen Karte ausgestattet haben.

Doch kann es dabei wirklich zu Datenpannen mit den Fotos kommen, wie nun das Hamburger Abendblatt meldet? Die im Bericht genannte AOK Nordwest sagt nein - und begründet dies auch.

Es ist eine Geschichte, die Gegnern der eGK Rückenwind geben könnte. Die Geschichte passt auch in die vielen Pannen mit Kundendaten bei verschiedensten Unternehmen und Institutionen, die in diesem Jahr immer wieder durch die Medien kursierten.

Wie kam Passfoto auf die Karte?

Nach Informationen des Hamburger Abendblatts hat ein Hamburger Versicherter der AOK NordWest eine neue Karte mit Foto zugesandt bekommen, ohne dass er ein Bild zur AOK geschickt haben soll.

Dabei sei angeblich das biometrische Foto für seinen Personalausweis auf der Karte gelandet. Ob die Hamburger Meldebehörde das Bild an die AOK weitergegeben habe, wird laut dem Bericht untersucht.

Doch nicht nur Letzteres sei völlig unmöglich, erklärt Jens Kuschel, Pressesprecher der AOK Nordwest. "Ein Zugriff auf Fotos, die bei den Meldebehörden vorliegen, ist rechtlich und technisch weder zulässig noch möglich."

Die AOK Nordwest trete immer in eine direkte Kommunikation mit den Versicherten. Und verwende zur Herstellung der eGK ausschließlich Passfotos, die ihr von den Versicherten selbst zur Verfügung gestellt worden seien.

AOK: "Verfahren mit führenden Datenschützern abgestimmt"

"Sollte ein Versicherter unsicher sein, wie sein Bild zur Verfügung gestellt wurde, sollte er sich umgehend mit seiner Krankenkasse in Verbindung setzen", erklärt Kuschel.

Denn da die Patienten auch eine Unterschrift bei Einreichung der Fotos und auch, wenn sie die Fotos in den AOK-Stellen anfertigen ließen, leisten müssten, könne die Kasse genau nachvollziehen, wer welches Foto abgegeben habe.

Kuschel: "Die verwendeten Verfahren sind mit führenden Datenschützern abgestimmt und in jeder Hinsicht sicher."

Wie Kuschel weiter berichtet, hat er vom Abendblatt - der Name des Versicherten wurde auf Wunsch des Versicherten nicht in der Zeitung veröffentlicht und durfte daher auch nicht an die AOK weitergegeben werden - erfahren, dass das Foto nicht elektronisch, sondern in Papierform bei der Kasse eingegangen sein soll.

Nur leider habe sich noch kein Versicherter bei den Bezirksstellen der AOK Nordwest und auch nicht bei Herrn Kuschel gemeldet, so dass die Kasse dem Versicherten noch nicht ein von ihm eingesendetes Formular samt Foto als Beweis habe vorlegen können bzw. noch keine Chance gehabt habe, das Missverständnis aus der Welt zu räumen.

Bei der Bezirksstelle hat sich keiner gemeldet

Auch die Pressestelle des Bezirksamts Hamburg-Harburg bestätigt gegenüber der "Ärzte Zeitung", dass im Fachverfahren der Meldebehörde die Weitergabe von Fotos technisch gar nicht vorgesehen sei.

Die Bezirksstelle gehe derzeit auch nicht in die Prüfung des Vorfalls, da ihr der Name des Versicherten nicht bekannt sei und sich dieser bisher auch nicht bei der Behörde gemeldet habe.

Daher gilt die Sache bei der Bezirksstelle bislang nur als Gerücht.

Lesen Sie dazu auch:
AOK NordWest gibt bei E-Card Gas

[22.12.2011, 10:50:23]
Detlef Zacharias 
Woher hatte die Kasse das Passfoto? --> Meldungen ohne Substanz
Weshalb veröffentlicht man Vorgänge ohne zu wissen, ob daran ein Fünkchen Wahrheit steckt? Dahinter kann dann nur der Versuch der Meinungsmanipulation und Polemik stecken, was wohl immer "üblicher" wird. - Wenn weder beim Bezirksamt noch bei der Krankenkasse bisher die Person, die die Passfoto-Behauptungen aufstellt, die entsprechenden Daten zur Verfügung stellt, um den erklärten Sachverhalt zu belegen, dann ist das zunächst "leere Luft". Böswillig könnte man vermuten, dass eine Überschrift gesucht und eine schöne Geschichte gedichtet wurde, es fehlt nur der Hinweis auf den Romancharakter der Meldung. zum Beitrag »

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