Ärzte Zeitung, 24.07.2012

Knappschaft entwickelt neue E-Patientenakte

Mit der E-Patientenakte "prospeGKT" hatte die Knappschaft bereits 2009 begonnen, eine Anwendung der E-Card online zu erproben. Doch weil das Verfahren zu aufwendig war, baut die Kasse ihre E-Patientenakte nun um - und arbeitet dabei ohne eGK.

Knappschaft entwickelt neue E-Patientenakte

Versicherte der Knappschaft-Bahn-See können künftig wie beim Online-Banking von jedem Rechner aus auf ihre Gesundheitsakte zugreifen.

© Buchheim / fotolia.com

BOCHUM (iss). Die Knappschaft-Bahn-See (KBS) ändert ihre Strategie bei der elektronischen Patientenakte. Sie hat ihr Projekt prospeGKT in Bottrop eingestellt und entwickelt jetzt ein neues System.

Anfang 2009 hatte die KBS damit begonnen, in ihrem prosper-Gesundheitsnetz sowohl eine elektronische Patientenakte als auch ihre eigene elektronische Gesundheitskarte einzusetzen. Die Karte entsprach den gematik-Standards.

Um auf die Akte zugreifen zu können, mussten sich die niedergelassenen Ärzte mit ihrem Heilberufsausweis einloggen.

Gleichzeitig mussten sich die Patienten per PIN-Nummer identifizieren und die Akte für den Arzt freischalten. An dem Projekt beteiligten sich rund 50 Knappschaftsärzte und das Knappschaftskrankenhaus.

Es habe keinen Sinn gemacht, die Initiative fortzuführen, sagt Dr. Georg Greve, erster Direktor der KBS, der "Ärzte Zeitung".

"Da die elektronische Gesundheitskarte nicht flächendeckend vorhanden ist und es vor allem keine Online-Anbindung gibt, können wir das Konzept nicht ausrollen", sagt er.

Außerdem habe sich gezeigt, dass die Authentifizierung von Ärzten und Patienten in der Arztpraxis nicht praktikabel und zu aufwendig ist. "Es funktioniert nicht, wenn jeder Patient eine sechsstellige PIN-Nummer eingeben muss."

Um dennoch die Vorteile der elektronischen Patientenakte nutzen zu können, habe sich die Krankenkasse für eine andere Herangehensweise entschieden: einer Art kassengeführter Akte.

Patienten können auf ihre Daten zugreifen

Die KBS verfüge ohnehin über eine große Menge an Informationen, sagt Greve. Sie kenne die Verordnungsdaten ihrer Versicherten, die Daten zu Krankenhausbehandlungen und zumindest bei den Knappschaftsärzten auch relativ zeitnah die ambulanten Behandlungsdiagnosen.

"Diese Daten wollen wir interessierten Ärzten und Kliniken über das Internet zur Verfügung stellen, wenn die Versicherten damit einverstanden sind", sagt Greve.

Vorbild sei das Verfahren beim Online-Banking. Voraussetzung sei, dass die Versicherten schriftlich ihr Einverständnis mit der Datenweitergabe erklären.

Für die Ärzte sei das Vorgehen mit keinem zusätzlichen Aufwand verbunden. "Das ist eine pragmatische Lösung."

Die Knappschaft will mit zwei Versionen der Einverständniserklärung arbeiten. Im Prosper-Verbund gilt die Bestätigung der Versicherten für alle teilnehmenden Verbundärzte und -kliniken.

In allen anderen Fällen müssen die Versicherten, die grundsätzlich mit der Datenweitergabe einverstanden sind, erklären, welche Ärzte und Kliniken Zugriff bekommen sollen. Für das Verfahren habe die Kasse bereits die Zustimmung der Datenschützer erhalten, sagt Greve.

Außerdem sollen die Versicherten die Möglichkeit erhalten, die über sie gespeicherten Daten über das Internet selbst abzurufen - wie beim Online-Banking. Auch bei prospeGKT konnten die Versicherten Einsicht in ihre Daten nehmen, sie mussten dazu aber bestimmte Terminals in den Arztpraxen oder dem Krankenhaus nutzen.

"Wir versuchen, das Verfahren möglichst einfach zu gestalten und uns der vorhandenen Technik zu bedienen", sagt Greve. Er hofft, dass die KBS noch in diesem Jahr mit dem neuen System starten kann.

Dabei geht es zunächst mit dem Bottroper prosper-Netz als Pilotprojekt los. "Wenn dort alles funktioniert, brauchen wir in unserem zentralen Rechner nur den Hebel umzulegen."

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