Ärzte Zeitung online, 19.05.2009

Neue Technik für fälschungssichere Medikamente

HANNOVER (eb). Gefälschte Medikamente sind ein großes Risiko für Verbraucher. Während der Markt in Deutschland recht fälschungssicher ist, hat das Problem der Produktpiraterie durch die Globalisierung generell stark an Bedeutung gewonnen. Ingenieure der Uni Hannover entwickelten nun elektronisch gesicherte Verpackungen gegen Produktpiraterie.

Um eine lückenlose Kontrolle der Produkte vom Hersteller bis zum Patienten sicherzustellen und so gegen Plagiate vorzugehen, entwickeln die Wissenschaftler zurzeit ein neuartiges elektronisches Echtheitszertifikat für Medikamentenverpackungen. Das Zertifikat, das auf einem sogenannten RFID-Transponder (Radio Frequency Identification) basiert, besteht aus einem kleinen Chip zur Datenspeicherung und einer Mini-Antenne auf der Innenseite der Verpackung. Über Funkwellen können Daten auf den Chip eingeschrieben und ausgelesen werden.

So kann der gesamte Weg des Medikaments von der Fertigungshalle über den Verpackungsprozess, den Spediteur und die Zwischenhändler bis hin zur Apotheke zurückverfolgt und geprüft werden. An jeder "Station", die das Produkt durchläuft, können Orts-, Zeit- und Produktangaben auf dem Chip gespeichert werden. "So wird das Produkt sehr fälschungssicher", sagt Diplom-Ingenieur Lennart Schulz, Forschungsgruppenleiter am Institut für Transport- und Automatisierungstechnik (ITA) der Leibniz Universität Hannover, "jede einzelne Schachtel müsste aufwändig plagiiert und wieder eingeschleust werden."

Um die RFID-Transponder alltagstauglich und attraktiv zu machen, muss die neue Technik für Händler, Spediteure und Apotheken einfach zu handhaben sein. Dafür hat das ITA einen speziellen RFID-Prüfstand entwickelt, der es möglich macht, die Medikamentenschachteln palettenweise zu überprüfen.

"Die Produkte müssen im Pulk überprüft beziehungsweise beschrieben und ausgelesen werden können, sonst ist der Einsatz in der Realität nicht denkbar", erläutert Schulz. Mit dem Prüfstand können die Transponder in den Faltschachteln in mehreren Prüfszenarien automatisiert hinsichtlich ihrer Beschreib- und Lesbarkeit untersucht werden, ohne dass die Gebinde geöffnet werden müssen. Das ist bei Barcodes, mit denen Medikamentenverpackungen bislang fast ausschließlich ausgestattet sind und die optisch gescannt werden müssen, nicht möglich.

Eine besonders hohe Sicherheit erhält der RFID-Transponder dadurch, dass die Antenne, eine erhabene Struktur auf der Packung, nicht aufgeklebt, sondern in einem Offset-Druckprozess auf die Faltschachtel aufgedruckt wird. Die Struktur ist mit einer speziellen Silberleitfarbe direkt auf die Schachtel gedruckt und dadurch nur schwer nachzuahmen. Das Aufdrucken auf der Schachtel verhindert, dass sich der Transponder einfach ablösen lässt. Durch einen Sicherheitsverschluss ist zudem einfach zu erkennen, ob die Faltschachtel zwischendurch geöffnet und der Inhalt ausgetauscht wurde. An jedem Punkt in der Herstellungs- und Vertriebskette können die Daten auf der Schachtel mit einer zentralen Datenbank abgeglichen werden.

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