Ärzte Zeitung, 16.09.2010

Niederlande ein Vorbild für den Einsatz von Telematik?

Eine Telematikplattform für alle an der Gesundheitsversorgung Beteiligten: Dass so etwas funktionieren kann, macht gerade eine Region in den Niederlanden vor.

Von Ilse Schlingensiepen

Ein Vorbild für den Einsatz der Telematik?

Von der Vision zur Realität: Die Niederlande preschen in Sachen Telematik vor.

© [M] Stefan Rajewski / fotolia.com

ESSEN. In Den Haag und Umgebung leben rund eine Million Einwohner. "Das ist eine geeignete Größe für eine Telematik-Plattform", sagte Dr. Peter Blitzinger von Capgemini auf dem Kongress IT Trends Medizin in Essen. Das international tätige Beratungsunternehmen hat Ende 2009 die Ausschreibung für den Aufbau der Plattform RSO Haaglanden gewonnen. Capgemini übernimmt dabei alle Investitionen.

Die Unterlagen werden elektronisch übermittelt

Die Teilnehmer zahlen pro Nachricht eine Gebühr, wobei es Sonderkonditionen für die Hausärzte gibt. Einbezogen in das Projekt sind 350 Hausärzte, drei Krankenhäuser mit fünf Standorten und rund 2000 Betten, 100 Apotheker und zwei Krankenversicherer. Auch die Psychiatrie, ein Reha-Zentrum sowie ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen beteiligen sich.

Zu den geplanten Anwendungen gehören das elektronische Rezept und die elektronische Arzneimitteldokumentation. "Das wird relativ zeitnah eingeführt", berichtete Blitzinger. Hausärzte sollen künftig elektronisch einen Facharzt im Krankenhaus finden und die Überweisung mit den medizinischen Unterlagen versenden. Geplant sind auch die elektronische Übermittlung von Laborbefunden und der Zugriff der Ärzte im Notfalldienst auf die Unterlagen des zuständigen Hausarztes.

Ein wesentliches Merkmal der Architektur in Haaglanden ist die dezentrale Speicherung der Daten. "Die Daten beiben immer dort, wo sie anfallen", sagte er. Um auf die Daten zugreifen zu können, authentifizieren sich die Leistungserbringer mit der nationalen Unique Healthcare Provider Identification Card, einem Pendant zum deutschen Heilberufsausweis.

400 Millionen Euro sollen in 15 Jahren eingespart werden

Die Patienten werden das Identifikationsschema nutzen, das für das gesamte Gesundheitswesen gilt. "Alle Daten werden mittels SSL/TLS-Verschlüsselung und entsprechender Hash-Verfahren gesichert", sagt Blitzinger. "Die Leistungserbringer und die Versicherer haben das Einsparpotenzial der Plattform ermittelt", sagte Blitzinger. Sie kamen auf 400 Millionen Euro für den Zeitraum von 15 Jahren. Mit 200 Millionen Euro wird dabei allein das Einsparvolumen durch die elektronische Arzneimitteldokumentation beziffert.

In Haaglanden stoße Capgemini auf viele Probleme, die auch den Aufbau der Telematik-Infrastruktur in Deutschland begleiten, sagte Blitzinger. Er nannte die Vielzahl von Praxisverwaltungssystemen. Es gebe aber einen wichtigen Unterschied: "In Haaglanden möchten die Leistungserbringer und die Krankenversicherer eine Lösung finden, um Einsparungen zu realisieren."

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