Ärzte Zeitung, 14.01.2011

Von intelligenter Arznei bis zu Tattoo-Blutzuckermessern

Die Früherkennung wird sich revolutionieren, prophezeit eine Studie.

Von Matthias Wallenfels

Von intelligenter Arznei bis zu Tattoo-Blutzuckermessern

Tattoo über dem Knöchel: In Zukunft könnte dieser Hautschmuck womöglich Krankheiten frühzeitig erkennen, glauben manche Visionäre.

© LFI / imago

WIESBADEN. Intelligente Tabletten, die gezielte Dosen des Medikamentes an bestimmte Stellen im Körper abgeben, Gehirn-Implantate, die Anfälle frühzeitig verhindern können, Kontaktlinsen mit Mikrochips zur Glaukom-Früherkennung oder Bio-Printings für die Erzeugung neuer Haut sind nur einige Beispiele für sich noch in der Entwicklung befindlichen Technologien, die in den kommenden Jahren das Bild des Gesundheitswesens wesentlich mitprägen werden.

Davon gehen zumindest Forscher des IT-Dienstleisters CSC aus, die sich zum Leading Edge Forum zusammengeschlossen haben.

In seiner aktuellen Studie "The Future of Healthcare: It´s Health, Then Care” präsentiert der Think Tank fünf zentrale, Technologie getriebene Trends, die den Healthcare-Sektor künftig beeinflussen werden.

E-Power für Patienten: Im Rahmen einer "gemeinsamen Fürsorge" von Patienten und Pflegern werden Patienten zukünftig für ihr eigenes Pflege-Management verantwortlich sein, postulieren die Forscher.

Möglich sei dies durch die Verfügbarkeit von Gesundheitsinformationen sowie neuen, intelligenten Gesundheits- und Pflege-Anwendungen und einem System, das Fortschritte fördere und überwache.

Von technischer Seite würde diese Entwicklung durch Gesundheitsinformationen, die via Smartphone oder im Web verfügbar seien, aber auch soziale Netzwerke von Patienten unterstützt.

Aber auch ein pflasterartiger Herzfrequenzmesser, der kabellos Daten an ein Smartphone verschickt sei denkbar. Intelligente Badezimmer und mit Sensoren ausgestattete "Wohnlabore" für an ihr Zuhause gebundene Patienten seien noch in der Probephase.

Frühere Krankheitserkennung: Um schnellere Frühdiagnosen und eine gestärkte Prävention geht es bei den zukünftigen Erkennungsmöglichkeiten. Diese reichen von einfachen, kostengünstigen Verfahrens- bis hin zu komplexen Genetiktests.

Die Forscher nennen hierzu Atemtests mit Nanotechnologie, um Diabetes und Krebs zu erkennen. Auch Standardkameras und Glasfaseroptik zur Krebsfrüherkennung, "Made of Paper"- und "Lab-on-a-Chip"-Untersuchungen sowie Sensor basierte Lösungen für Zuhause, um Atemnot im Schlaf zu diagnostizieren, finden ihre Erwähnung.

Hightech-Heilung: Implantate und Medikamente der neuen Generation überwachen den Krankheitsverlauf, dosieren die Medikation und unterstützen oder ersetzen Organe und Glieder mit Fehlfunktionen, prophezeien die Forscher.

Hierzu seien Tattoos denkbar, die den Blutzuckerspiegel überwachen, aber auch intelligente Tabletten, die nach der Einnahme eine Benachrichtigung senden, eine künstliche Bauchspeicheldrüse für Diabetiker und künstliche Netzhäute für blinde Patienten.

Personal: Die Rolle der Pflegedienstleister und damit der eingesetzten Kräfte werde sich verändern. Eine zentrale Rolle spiele hierbei die Weiterbildung, die via Fern-Technologien und Online-Communities besser zugänglich sei.

Auf der Technikseite gehe es hier um mit Sensoren ausgestattete Teddybär-Roboter, die Kinder in Kliniken überwachen, Pflegeroboter für ältere Menschen, aber auch das Coaching und die Überwachung der Patienten mit Hilfe von Smartphones.

Globales Healthcare-Ökosystem: Die Studie kündigt ein System an, in dem alle Daten und Fakten gesammelt werden, um eine engere Zusammenarbeit zwischen Pflege und Forschung zu ermöglichen sowie Krankheitsdiagnosen und Behandlungen zu beschleunigen.

Unter anderem soll das von der WHO angestoßene Global Public Health Grid den Austausch von Informationen über das Gesundheitswesen verbessern.

Bei besserer Kostenkontrolle und gleichzeitig optimierten Gesundheitsleistungen leiten diese Technologien die Ära von Wellness, Eigenkontrolle, vermehrter und früherer Krankheitserkennung und effektiveren Behandlungen ein, sind sich die Autoren sicher.

"Das Gesundheitswesen braucht signifikante, revolutionäre Veränderungen, um seine Schwachstellen angehen zu können. Es werden derzeit viele neue Technologien entwickelt, die dabei helfen können", so Fran Turisco, Hauptforscher der Studie.

www.csc.com/de/ds/11451/56593-lef_the_future_of_healthcare

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