Ärzte Zeitung online, 02.08.2011

Telekom bringt Telemedizin unter die Leute

Telemedizinische Anwendungen sollen ein Mittel sein, um Versorgungsengpässe auf dem Land in den Griff zu bekommen. Das sieht der Entwurf für die Gesundheitsreform vor. Derweil arbeitet die Telekom an einer Etablierung von Telemedizin für Konsumenten.

Von Christian Beneker

Telekom verkauft Telemedizin

Mit den VitaDock-Produkten von Medisana bietet die Telekom mobile Geräte zur Gesundheitskontrolle an.

© Deutsche Telekom

HAMBURG. Die Deutsche Telekom drängt mit neuen mobilen iPhone-Anwendungen auf den Gesundheitsmarkt.

Zusammen mit der Medisana AG aus Neuss bietet das Unternehmen vier Geräte ("VitaDock-Messgeräte") an, mit denen jedermann in Kombination mit seinem iPhone Blutdruck, Blutzucker, Temperatur und Körpergewicht messen kann.

Bei Bedarf können die Daten per E-Mail an die behandelnden Ärzte geschickt werden.

Das iPhone soll als Daten-Schnittstelle dienen

Der Kniff für die neuen Telemedizin-Anwendungen: Das Apple-Multitalent iPhone soll als Daten-Schnittstelle dienen und zugleich als Sprungbrett in den Massenmarkt.

"Apple hat allein im vergangenen Jahr mehr als 20 Millionen iPhones verkauft", sagte Ralf Lindner, Vorstandsvorsitzender von Medisana, der "Ärzte Zeitung" bei der Vorstellung des Projekts. "Wir sind der Überzeugung, dass es in Zukunft nur noch Smartphones geben wird."

Die vier Messmodule sind mit einem Steckkontakt an das iPhone, das iPad oder den iPod touch anschließbar. Um die Vitalwerte zu messen, laden Nutzer das kostenlose VitaDock App aus dem Apple Store herunter.

"Wir verzeichnen einen Rückgang beim Festnetzgeschäft", erklärte Sprecher Rainer Knirsch das Telekom-Engagement, "darauf reagieren wir mit neuen, intelligenten Netzen etwa im Bereich Gesundheit."

In den 350 Telekom-Läden erhältlich

Die Messgeräte sollen ab dem 8. August in den 350 Telekom-Läden in Deutschland zu kaufen sein - inklusive Manschette und iPhone-Steckplatz zum Blutdruckmessen, sowie Teststreifen und Lanzetten zum Blutzuckermessen, so Thomas Freude, Geschäftsführer der Telekom Shop Vertriebsgesellschaft.

Die leichten Module sind halb Spielzeug, halb medizinisches Gerät. Sie sollen dem wachsenden Bedürfnis der Menschen entgegenkommen, die eigenen Körperfunktionen zu kontrollieren, hieß es.

"Wir sprechen sowohl Menschen an, die sich körperlich fit halten und ihre Werte langfristig beobachten möchten, als auch chronisch Kranke oder ältere Patienten, für die die permanente Messung von Vitalwerten unabdingbar ist", so Lindner.

Die Geräte im Einzelnen

"GlucoDock" misst und speichert den Blutzuckerwert. Über eine Tagebuchfunktion können Diabetiker ihren Werten Kommentare beifügen und auch Grenzwerte eingeben, anhand derer das Gerät die Messung bewertet.

"ThermoDoc" ist ein Infrarot-Thermometer, das etwa die Temperatur des Babys ebenso berührungsfrei misst, wie die des Baby-Breis.

"CardioDock" misst Blutdruck und Puls. "Das Modul ermittelt und speichert den gewichteten Mittelwert aus drei Messungen," sagte Lindner.

"TargetScale"

"GlucoDock" soll in Kombination mit Teststreifen verkauft werden. In Zukunft werden die Teststreifen für viele nicht-insulinpflichtige Typ-II-Diabetes-Patienten nicht mehr erstattet.

Diese Patienten können nun das Modul GlucoDock für 99,99 Euro im Telekom-Geschäft erhalten plus Lanzetten für 9,99 Euro und Teststreifen für 24,99 Euro à 50 Stück.

Die Blutzuckerwerte können per E-Mail an den behandelnden Arzt geschickt werden. An eine besondere Schnittstelle in der Praxis oder zu einer elektronischen Gesundheitsakte sei bisher allerdings noch nicht gedacht, sagte Knirsch.

Auch die Anbindung an eine elektronische Gesundheitsakte, die vom Patienten befüllt werden könnte, steht für die Geräte offenbar noch nicht auf der Agenda.

Vergütung von Telemedizin

Im Entwurf für das Versorgungsgesetz ist vorgesehen, dass Ärzte in Zukunft telemedizinische Leistungen über den EBM vergütet bekommen. Dafür gibt das Gesetz einen Auftrag an die Selbstverwaltung. Bisher gibt es nur für die Fernüberwachung von Defi- und Herzschrittmacher-Patienten eine Ziffer für Kardiologen.

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