Ärzte Zeitung, 16.11.2012

Apps

Spezialisten für die Motivation

Auf dem App-Markt gibt es immer mehr kleine Helferlein für chronisch Kranke. Dabei wird zunehmend der Spieltrieb angesprochen.

Von Philipp Grätzel von Grätz

iphone-tante-A.jpg

iPhone in der Hand - am besten mit nützlichen Apps für die Gesundheit.

© hocus-focus / iStockphoto

BERLIN. Smartphone-Anwendungen für chronisch kranke Patienten erleben derzeit einen Boom. Anders als in der Frühzeit des Internets steht diesmal die Motivation der Patienten stärker im Mittelpunkt.

Bei der Health 2.0-Konferenz in Berlin präsentierten App-Entwickler aus aller Welt ihre Ideen und Produkte. Häufiger als während der ersten Internetwelle sind Ärzte oder Patienten die Initiatoren.

Häufiger als früher wird über vier- oder fünfstellige Nutzerzahlen berichtet. Und auch inhaltlich tut sich etwas: Es reicht nicht mehr, irgendwelche Daten aufzuzeichnen. Mindestens genauso wichtig sind mittlerweile Vernetzung und Motivation.

Ein Beispiel ist die in Österreich entwickelte App "mySugr", eine von Patienten initiierte Diabetes-App, die derzeit 1600 Nutzer haben soll.

Sich ein Leben lang ständig um die Diabetes-Erkrankung zu kümmern, sei nicht einfach, sagte mySugr-Mitbegründer Fredrik Debong. Er hatte als Typ I-Diabetiker selbst einmal drei Jahre lang einen "Diabetes-Burnout", also eine Zeit, in der er Messungen und Medikation sträflich vernachlässigte.

Um es anderen Diabetikern zu erleichtern, motiviert zu bleiben, arbeitet die "mySugr"-App mit Funktionen, die Spaß machen und dennoch ihren Zweck erfüllen.

Bewegung lässt die Qualle leuchten

So gibt es Belohnungsfunktionen für erfolgreich absolvierte Aufgaben wie Zuckermessungen und Insulinapplikationen. Diabetes-kritische Nahrungsmittel wie etwa eine Sachertorte können als Text oder Bild dokumentiert werden, zusammen mit den Blutzuckerwerten und den Insulindosierungen.

Wird erneut eine Sachertorte gegessen, informiert das Programm den Nutzer sofort, dass die Insulindosis beispielsweise höher als beim letzten Mal gewählt werden sollte.

Motivieren wollen auch Apps, die sich auf Basis eines Computerspiels an die jeweilige Zielgruppe richten. So hat das kanadische Unternehmen Ayogo für adipöse Kinder die App "I love JellyFish" ("Ich liebe Quallen") entwickelt.

Sie zielt darauf ab, die Kinder zu mehr Bewegung zu animieren. Werden bestimmte Bewegungsaufgaben erfüllt, dann fängt die Qualle an zu leuchten. Und mit einer leuchtenden Qualle wiederum können kleine Computerspiele absolviert werden, allein oder mit Freunden aus dem Netzwerk.

Die schwedischen Warmbreeze Studios gehen mit ihrem primär für Erwachsene entwickelten Smartphone-Spiel Healthy Heroes ("Gesunde Helden") noch einen Schritt weiter. Über die GPS- und Beschleunigungssensor-Funktionen des iPhones wird körperliche Aktivität direkt gemessen.

Wer trainiert, der verbessert Kraft, Ausdauer und andere Eigenschaften seines Helden und kann sich so mit anderen Helden messen. Immerhin 20.000 Nutzer soll diese Anwendung schon haben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Pneumonien unter Benzodiazepinen

Benzodiazepine sind bei Patienten, die an Morbus Alzheimer leiden, mit einer Häufung von Lungenentzündungen assoziiert. Für Z-Substanzen gilt das womöglich nicht. mehr »

Schelte für die SPD und die Bürgerversicherung

Bei der Eröffnung des 120. Deutschen Ärztetags nahm BÄK-Präsident Montgomery die Gerechtigkeitskampagne der SPD ins Visier. Lob gab es hingegen für Gesundheitsminister Gröhe. mehr »

Psychotherapie bei Borderline nur mäßig erfolgreich

Spezifische Psychotherapien sind bei Borderline-Patienten unterm Strich zwar wirksamer als unspezifische Behandlungen: Allerdings fällt die Bilanz in kontrollierten Studien eher mager aus. mehr »