Ärzte Zeitung, 23.05.2013

Kommentar zu Medgate

Telemedizin mit Augenmaß

Von Hauke Gerlof

Ist das Verbot der Fernbehandlung aus der Berufsordnung in Deutschland noch zeitgemäß? Die Frage stellt sich zwangsläufig, wenn man ins Ausland blickt: Medgate in der Schweiz, DrEd in Großbritannien - Telemedizin-Anbieter, die eine Behandlung von Patienten ausschließlich über das Internet oder über das Telefon offerieren, haben sich bereits in mehreren Ländern etabliert. Sie bieten ihre Dienstleistungen sogar teilweise deutschen Patienten an.

Die Diskussion, die sich zu diesem Thema beim E-Health-Forum in Freiburg entzündet hat, ist bezeichnend. Bei einem verantwortungsvollen Umgang mit den Anliegen der Anrufer und einem streng leitlinien-basierten Vorgehen lassen sich Telemedizin-Dienste durchaus seriös betreiben.

Ein deutscher Arzt im Notdienst, der der Mutter eines kleinen Kindes am Telefon empfiehlt, zunächst ein Fieberzäpfchen zu geben, bevor sie in die Praxis geht - ihr dabei aber versichert, am Telefon weiterhin ansprechbar zu sein - tut letztlich nichts Anderes.

Eine Fernbehandlung, die der Patient wünscht, könnte daher durchaus eine Option sein. Doch wer damit ökonomische Vorteile für Patienten verknüpft, der läuft Gefahr, die Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und Patient zu untergraben. Das wäre nicht im Sinne des Erfinders.

Lesen Sie dazu auch:
Sprechstunde am Telefon: Eidgenossen machen Telemedizin zum Geschäft

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