Ärzte Zeitung, 14.07.2014

Netzärzte

Wundversorgung via Telekonsil

Problem erkannt und praktisch gelöst: Weil sie viele immobile Patienten mit Wunden betreuen, haben Netzärzte aus Witten ihr Wundzentrum nun um eine telemedizinische Versorgung erweitert. Nur die Kassen spielen noch nicht mit.

Wundversorgung via Telekonsil

Telematische Konferenz: Die Wundexperten haben über eine gesicherte Datenbank Zugriff auf die Fotodokumentation und den Befundbogen. So können sie dem behandelnden Arzt vor Ort Therapieempfehlungen geben.

© contrastwerkstatt / fotolia.de

DORTMUND. Die Mitglieder der Ärztlichen Qualitätsgemeinschaft Witten (ÄQW) setzen auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden.

Die Netzärzte haben ein eigenes Wundzentrum aufgebaut. Um auch immobile Patienten einbeziehen zu können, arbeiten sie mit einer telematischen Wundkonferenz.

Das Wundzentrum ist am Evangelischen Krankenhaus Witten angesiedelt. Dort treffen sich Chirurgen aus Praxis und Klinik, Dermatologen, Diabetologen, Phlebologen und Angiologen einmal die Woche zur Wundkonferenz, um die von Haus- und Fachärzten überwiesenen Patienten mit chronischen Wunden zu begutachten.

Vorteil für Heimpatienten

Bei der Gründung des Wundzentrums war es das Ziel der Initiatoren, möglichst alle Patienten zu sehen, deren Wunden älter als vier Wochen sind oder die voraussichtlich länger als vier Wochen behandelt werden müssen, berichtete ÄQW-Geschäftsführer Dr. Frank Koch beim 6. Jahreskongress der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe in Dortmund.

Zwar seien viele Patienten ins Wundzentrum gekommen, aber nicht die chronisch Kranken aus Heimen, die immobil waren und schlecht transportiert werden konnten. "Das war unbefriedigend", sagte Koch.

Deshalb setzten die ÄQW-Ärzte und das Krankenhaus auf eine telemedizinische Anwendung. Sie erarbeiteten gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut (heute MedServiceRuhr) eine Software für die sichere Übermittlung von Bilddateien.

Das System ermöglicht es den behandelnden niedergelassenen Ärzten des ÄQW, mit dem Einverständnis der Patienten die Wunden zu fotografieren und die Aufnahmen zusammen mit einem Befundbogen in eine gesicherte Datenbank abzulegen, wo die Wundexperten sie abrufen können.

Sie begutachten die Wunden gemeinsam, beraten das notwendige Vorgehen und erstellen eine Therapieempfehlung. Sie kann der anfragende Arzt wieder aus der Datenbank abrufen. "Er entscheidet dann, wie es weitergeht", sagte Koch.

Seit 2010 haben die Wittener Ärzte in den Wundkonferenzen auf diese Weise 972 Behandlungsfälle bearbeitet. "Stellen Sie sich vor, die wären alle mit dem Krankenwagen gekommen."

Noch fehlt die Abrechnungsziffer

Durch das Wundzentrum habe sich die Versorgung von chronischen Wunden in der Region verbessert, betonte der Internist. "Was wir uns wünschen, ist eine Abrechnungsziffer." Bislang hätten die Ärzte für die wöchentlichen Wundkonferenzen keine Vergütung erhalten.

Die Zusammenarbeit mit den Kassen gestaltet sich seinen Angaben nach schwierig. Die Kassen sähen sich nicht in der Lage, die Kostenersparnis etwa durch vermiedene Krankenhauseinweisungen zu analysieren.

Koch ist stolz auf das bisher in Witten Erreichte. "Wir haben es geschafft, aus zwei Stiefkindern der ambulanten medizinischen Versorgung - der Wundversorgung und der Telemedizin - etwas zu entwickeln, das ein belastbares Versorgungsmodell werden kann." (iss)

[18.07.2014, 09:10:54]
Ullrich Katz 
Endlich gerät die Versorgung Chronischer Wunden wieder in Ärzte-Hände
Ein ganz wunderbares Vorhaben.Es wäre zu wünschen , die Fotodatenbank für jeden interessierten Arzt zugänglich zu machen. Venöse Ulzera, und das dürften etwa 70% der chronischen Wunden sein, machen in aller Regel keine Probleme.Eigentlich dürften diese Wunden gar nicht " chronisch " werden. Verhindert man die Schwellung ,entsteht auch kein Ulcus. Trotz z.T.schwerster Verschlüsse und Überdehnungen des tiefen Venensystems. Der Zusammenhang von unbehandelten Krampfadern und venösen Ulzera dürfte heute nicht mehr auftreten.
Aber immer mehr melden sich Patienten mit Vaskulitis, dem Pyoderma gangraenosum, der Calciphylaxie, in der Klinik und Praxis.Und die machen wohl immer noch jedem , auch erfahrenen Behandler Schwierigkeiten.Es gibt kaum gesicherte Therapien, sehr unterschiedliche Verläufe , oft dramatische Verschlechterungen in kürzerer Zeit. Hier wären ein engster Austausch , auch und besonders telemedizinisch, sehr zu wünschen und zu begrüssen.
Und das neue Krankheitsbild " Wundauflagen-induzierte chronische Wunden" sollte schnellstens zurück gedrängt werden.Ich halte die " Auslagerung von Menschen mit Chronischen Wunden " aus der ärztlichen Praxis in " zertifizierte Wundmanagerpraxen" mit 6-Wochenkursen als eine bedenkliche Fehlentwicklung. Chronsiche Wunden gehören in Ärztliche Hand...aber wir müssen uns kümmern.
Und die noch so laut propagierte " Moderne Wundversorgung" führt zu einem ständigen Wechsel von nun über 800 Wundauflagen, früher waren es diverse Salben , immer was anderes, den zwangsläufig folgenden Allergien,Heute heilen Wunden nicht ab, weil durchschnittlich 5 verschiedene Wundauflagen zum Einsatz kommen.
Sehen Sie sich mal grosse Wundkongresse an: "Verkaufsveranstaltung für Wundauflagen"; Vorträge überwiegend Firmen gesponsert.Der Interessenskonflikt von " Meinungsführern " wird immer länger.
Hier könnte die Kassen SOFORT Millionen einsparen.
Ich empfehle den Kassen Ihre Wundfälle mit Hilfe erfahrener ; Industrie-unabhängiger Behandler zu überprüfen.Eine Taskforce wäre zu empfehlen.Mache gern mit.Bringe 30 000 Bilder mit und ca.1000 Fälle.
Aber die Schwerfälligkeit der Kassen ist leider alltäglich.Sie lassen eher Beine amputieren , als zu reagieren.Das Ganze wegen mangelndem Datenmaterial. Aber nach meiner Information ist Besserung in Sicht: sie wissen um die Probleme mit nicht heilenden Dauerfällen.

Ullrich Katz ,Klinik am Ruhrpark Bochum , Fachklinik für Venenerkrankungen-Wundklinik( seit 1992)
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