Ärzte Zeitung, 06.10.2015

Bundesbürger

Offen für die E-Patientenakte

Die elektronische Patientenakte kommt bei der Mehrheit der Bundesbürger gut an, zeigt eine Umfrage. Doch es gibt Bedenken mit dem Datenschutz.

Von Matthias Wallenfels

Offen für die E-Patientenakte

Eine elektronische Patientenakte stößt beim größten Teil der Bevölkerung auf Akzeptanz.

© Maksim Kabakou / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Die Sammlung medizinischer Daten trifft bei der Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland auf Akzeptanz. So sagen 71 Prozent, dass sie kein Problem mit der Speicherung ihrer medizinischen Daten haben, wenn sie wissen, was genau über sie gespeichert wird.

Das ergibt eine repräsentative Befragung des infas Instituts für angewandte Sozialwissenschaft von 2001 Personen ab 18 Jahren im Auftrag der Stiftung Münch.

Die Zustimmung zur Sammlung medizinischer Daten falle dabei unter den chronisch Kranken etwas höher aus, und das weitestgehend unabhängig vom Alter - vermutlich, weil diese Personengruppe besonders von der Speicherung medizinischer Daten profitieren dürfte, vermuten die Studienautoren.

Die von dem Gründer des privaten Krankenhausbetreibers Rhön-Klinikum AG Eugen Münch ins Leben gerufene Stiftung verfolgt nach eigenen Angaben den nicht-rationierten Zugang zu medizinischer Versorgung für alle Menschen - auf Basis der sogenannten Netzwerkmedizin.

Integrale Bestandteile sind dabei unter anderem die auf der Sammlung und Auswertung basierenden Bausteine E-Health, Digitalisierung der Medizin, Telemedizin, aber auch Gesundheits-Apps.

Patienten sehen Vorteil der ePA im Notfall

Wie Münch jüngst in Köln auf dem "Gesundheitskongress des Westens 2015" propagierte, könnten durch die Kombination von drei Faktoren im Gesundheitswesen Ressourcen bedeutenden Ausmaßes freigesetzt werden: die Nutzung hochmoderner Diagnosetechniken ganz am Anfang der Behandlung, die Mobilität der Patienten und zentralisierte Strukturen.

Münchs Ansatz wird befeuert von den Ergebnissen der aktuellen Befragung. So finden es 55 Prozent der Befragten mühsam, bei jedem Arztwechsel alle relevanten Informationen immer neu mitteilen zu müssen. Bei chronisch kranken Patienten treffe dies auf 61 Prozent zu.

Diejenigen, die ein Wiederholen relevanter Informationen als mühsam erachten, weisen eine positivere Einstellung zur Sammlung medizinischer Daten und zur Einrichtung einer elektronischen Patientenakte (ePA) auf.

59 Prozent der Befragten befürworten laut Umfrage die Einführung einer ePA. 85 Prozent der Befragten sehen nach eigenem Bekunden einen Vorteil der ePA vor allem im medizinischen Notfall, bei dem dann alle wichtigen medizinischen Daten vorliegen würden.

78 Prozent gehen davon aus, dass Ärzte die Patienten mit Rückgriff auf die ePA besser behandeln können, weil sie sich ein umfassenderes Bild vom Patienten machen können. 80 Prozent erwarten einen geringeren bürokratischen Aufwand durch die ePA.

Allerdings ist aus Sicht der Bürger bei der ePA nicht alles Gold, was glänzt. So meinen 71 Prozent, dass zu viele Personen Zugriff auf sensible Daten haben. 76 Prozent befürchten einen leichteren Missbrauch der medizinischen Daten durch Unbeteiligte.

85 Prozent sehen dagegen Vorteile für die medizinische Forschung. Ebenfalls 85 Prozent würden laut Studie die Möglichkeit nutzen, auf die eigene ePA zuzugreifen. Je höher die Bildung sei, desto stärker sei der Wunsch, auf die eigenen Daten zugreifen zu können.

Optimierungspotenzial für Versorgungsalltag

Hinsichtlich der generellen Sammlung medizinischer Daten sprechen sich laut Stiftung Münch 72 Prozent für eine verstärkte Nutzung von medizinischen Daten für wissenschaftliche Zwecke aus.

Mit 74 Prozent glaube ein ähnlich hoher Anteil, dass die Versorgung durch die elektronische Erfassung medizinischer Daten verbessert werden könnte.

Generell ist für 73 Prozent der Befragten ihre Gesundheit ein wichtiges Thema. 52 Prozent der Befragten gaben an, bereits Krankheitssymptome im Internet gegoogelt zu haben, unter den 18- bis 45-Jährigen und den höher Gebildeten waren es sogar 70 Prozent.

Gesundheitsbezogene Apps wie Kalorien- oder Schrittzähler werden laut Erhebung von 27 Prozent der Bürger genutzt. Unter den chronisch Kranken liege der Anteil der App-Nutzer mit 28 Prozent auf einem vergleichbaren Niveau. In der Tendenz werden damit andere Studien aus diesem Jahr bestätigt.

In puncto Datenschutz im Allgemeinen zeigt sich bei den Ergebnissen, dass Frauen insgesamt eine kritischere Einstellung zur Datensicherheit haben als Männer.

Zudem ist auffällig, dass Menschen, die älter als 30 Jahre sind, eine vorsichtigere Einstellung zum Datenschutz haben, während die jüngere Generation (18 bis 30 Jahre) eine eher nutzenorientierte Einstellung dazu hat.

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[06.10.2015, 12:58:58]
Dr. Henning Fischer 
gänzlich andere Erfahrungen bei uns
@Dr. Thomas Breymann

In meiner ganz überwiegend geriatrischen gut bürgerlichen Praxis bieten wir seit vielen Jahren z.B. Rezeptbestellungen per Fax, Alibifon oder E-mail an. Trotz intensiver Info wird das nur ausnahmsweise genutzt.

Online-Terminvergabe: null Interesse
alles was mit Computer zu tun hat: null Interesse

Wir haben eine papierlose Patientenverwaltung, ALLE Daten und Dokumente im PC, könnten folglich elektronische Kommunikation per VPN machen. Doch selbst unser höchstgerüstetes Kreisklinikum macht da keine Anstalten, erst recht kein Niedergelassener (auch nicht Großpraxen).

also bei mir
- kein Bedarf und
- keine Möglichkeiten
 zum Beitrag »
[06.10.2015, 12:37:28]
Dr. Thomas Breymann 
Die Offenheit für innovative Lösungen im E-Health Bereich ist nachzuvollziehen
Dass Menschen, insbesondere mit chronischen Erkrankungen, offen sind, elektronische Hilfsmittel zu nutzen, kann ich nur bestätigen. In einem Deutschland-weiten Anwendungstest haben wir bei HealthSafe24 Menschen, die direkt oder indirekt von einem angeborenen Herzfehler betroffen sind, eng begleitet.
Dabei hat sich deutlich gezeigt, dass diese Personengruppe bei ihrem Gesundheitsmanagement im Alltag durch Online-Anwendungen eine große Erleichterung erfahren.
Dr. med. T. Breymann
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[06.10.2015, 10:38:46]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Da hätte man auch Versuchskaninchen zum Thema Pathophysiologie fragen können!
1. Hat die Befragung von 2015, bei der 2001 Personen über 18 Jahre alternativlos telefonisch interviewt wurden, Alibi- und Symbol-Charakter.
2. Solange Sammlungen medizinischer Daten mit Einrichtung einer elektronischen Patientenakte (ePA) realiter nicht existieren, ist die erfragte Einstellung und Akzeptanz-Quote dazu rein fiktiv.
3. Der Gründer der Rhön-Klinikum AG, Eugen Münch, u.A. Uni-Klinikum Marburg-Gießen (UKMG), hat mehrfach öffentlich die totale, regionale Kontrolle über die Kranken-Versorgung incl. privater Exklusiv-Versicherungen reklamiert.
4. Dass ein preisgünstiger, simpler USB-SPEICHER-STICK den Patienten jederzeit informationelle Selbstbestimmung und Datenschutz gewähren würde, wird als sofort gangbare Alternative nicht mal ansatzweise erwähnt.

So wären Notfall- und Behandlungsdaten, Bildgebung, Diagnostik, Therapie, Verlauf, Arztbriefe, Komplikationen, Allergien, Medikationsplan etc. selbst bei polytraumatisierten oder stuporösen Patienten durch einfaches bestätigendes Kopfnicken sofort und ohne (vergessene?) PIN-Nummer direkt zugänglich.

Diesen USB-MEDI-STICK können und dürfen auch nur diejenigen "reinstecken", die der professionellen oder amtlichen Schweigepflicht unterliegen. Alles andere wäre strafbar nach Paragraph 203 StGB. So leicht geht das!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »

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