Ärzte Zeitung, 05.09.2016

Anlagen

Kauf-Karussell geht in die neue Runde

Fusionen und Übernahmen dürften wieder auf der Agenda der Healthcare-Branche stehen. Gründe dafür gibt es genug: Biotechnologieaktien werden nicht mehr so hoch bewertet, die Bilanzen der großen Konzerne können ohne Probleme einen höheren Verschuldungsgrad verkraften, das Geld ist günstig - und die Banken würden sich ebenfalls freuen, große Deals zu finanzieren.

Die großen Pharmahersteller in den USA und Europa könnten - bei einem akzeptablen Verhältnis von Schulden zu EBITDA von 2,5 - rein kalkulatorisch etwa 170 Milliarden US-Dollar an zusätzlichem Geld für Übernahmen aufnehmen. Die großen Biotechs kämen zwar "nur" auf circa 90 Milliarden US-Dollar, dürften jedoch ebenfalls Kauf-Ambitionen haben. Gerade Gilead Sciences, Amgen und Biogen möchten gern auf das Kauf-Karussell aufsteigen, um ihre Wachstumsgeschichten fortzuschreiben.

Bei den großen Pharmakonzernen könnte sich auch ein Strategiewechsel vollziehen - weg von der breiten Diversifikation des Portfolios und wieder hin zu einer Konzentration auf lukrative Blockbuster-Medikamente. Sanofi hat im ersten Halbjahr bereits vorgelegt und seine Tiergesundheitssparte gegen den Bereich Consumer-Health von Boehringer getauscht. Vielleicht ein Beispiel für Novartis, dessen kränkelnde Sparte Augenheilkunde (Alcon) schon länger auf die Konzernmarge drückt. An Veräußerungen könnten auch Pfizer (Generika) und Glaxo (Consumer Health) denken. Nur Johnson & Johnson hält entgegen allen Spekulationen bisher eisern an seiner breiten Portfoliostruktur fest.

Die niedrigeren Bewertungen der Small- und Midcap-Biotechs befeuern die gesamte Diskussion zusätzlich. Und auch die Investmentbanken haben großes Interesse daran, den potenziellen Kunden die Finanzierung einer Fusion oder Übernahme zu ermöglichen: zum einen, weil die Erträge locken, zum anderen, weil sie Geld so nicht zu Negativzinsen parken müssen.

Im zweiten Halbjahr dürfte es also sehr spannend werden, zumal 2016 bisher nur wenige Deals zustande gekommen sind, was eher ungewöhnlich für den Pharmasektor ist. Die Voraussetzungen sind günstig, es fehlen nur noch die Ankündigungen und der Vollzug. Interessierte Anleger sollten sich in Stellung bringen.

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