Ärzte Zeitung, 27.05.2008

Aufwärtstrend nach der Kurskorrektur

Aktienmärkte pausieren, die Seitwärtsbewegung gibt Einstiegschancen / Ein Marktbericht

NEU-ISENBURG. Seit Ende April hat der Deutsche Aktienindex (Dax) weitere fünf Prozent zugelegt und dabei mit dem Bereich um 7000 bis 7100 Zählern eine wichtige Marke überwunden, die als Widerstand auf dem Weg nach oben galt. Jüngst fiel er wieder bis auf diese Marke zurück. Damit dürfte sich bald entscheiden, welche Richtung die Aktienmärkte einschlagen. Auch der Ölpreis-Anstieg ist nicht zwangsläufig schädlich.

Von Jürgen Lutz

 Aufwärtstrend nach der Kurskorrektur

Der Bulle steht für Kursanstieg. Der Dax könnte in der nächsten Zeit bis auf 9000 Punkte klettern.

Foto: Martin Raab©www.fotolia.de

Im Marktbericht für Anleger in diesem Monat geht es vor allem um Aktien und um Öl.

  • Aktien: Die heftige Korrektur in der vergangenen Woche traf insbesondere den Dow Jones, den Index der größten US-Unternehmen. Aber auch der Technologe-Index Nasdaq und der Dax gaben ordentlich nach. Die Kursverluste werden in erster Linie mit den Rekordpreisen beim Rohöl in Verbindung gebracht, was rohstoffabhängige Unternehmen, wie sie im Dow stark vertreten sind, eher anfällig macht.
  • Technologiebörse Nasdaq legt um 20 Prozent zu

    Fakt ist aber auch, dass die Aktienmärkte von ihren Tiefs schnell deutlich angestiegen sind und eine Korrektur immer wahrscheinlicher wurde. Stark zeigten sich zuvor die Technologiebörsen: Die Nasdaq hat seit ihrem Tief in der Spitze mehr als 20 Prozent draufgesattelt. Der deutsche TecDax hat sich vom März-Tief bei 690 Zählern zeitweise auf 890 Punkte geschoben, was einem Plus von fast 30 Prozent entspricht. Auch der Dax kam gut voran: Wer der Empfehlung zum Einstieg in deutsche Standardwerte im März gefolgt ist, konnte sich bei einem Stand von 7200 Zählern innerhalb von nur zwei Monaten über ein Plus von 17 Prozent freuen.

    Deutsche Aktien sind derzeit günstig.

    Aktuell ist der Risikohunger gebremst. Das ist gut so. Denn die Korrektur, die den Dax knapp unter 7000 Punkte führte, ist notwendig, damit sich der Aufwärtstrend auf gesunde Weise fortsetzen kann. Ob er das auch tut, lässt sich definitiv erst sagen, wenn der Index das bisherige Hoch bei 7232 Punkten überwunden hat. Wer bereits investiert ist, sollte seinen Stopp im Dax bei etwa 6800 Punkten setzen und Aktien, Fonds oder Index-Investments verkaufen, wenn der Dax dieses Niveau unterschreitet. Denn dann ist die Aussicht auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends erst mal vom Tisch.

    Die Korrektur bietet mutigen Nachzüglern aber auch die Chance, deutsche Aktien günstiger zu kaufen - in der (berechtigten) Hoffnung, dass es sich beim Rückgang um die Korrektur eines Aufwärtstrends handelt und nicht um den Beginn eines neuen Abwärtstrends. Dennoch sollte man sich absichern und bei Erreichen der 6800er-Marke verkaufen. Wer einsteigen will, wenn die Entscheidung gefallen ist, wartet auf einen Tages-Schlusskurs von über 7232 Zählern.

    Fazit: Die Rallye an den Aktienmärkten ist jung und kraftvoll, steckt derzeit aber in einer Korrektur. Kommt es wie erwartet, dann könnte der Dax in den nächsten Monaten bis 9000 Punkte steigen, der TecDax bis 1200 Zähler. Sollten die Kurse wider Erwarten fallen, sollte man im Dax bei 6800 Punkten aussteigen und bei 800 Punkten im TecDax.

    • Erd- und Heizöl: Öl verzeichnet Rekordstände. Die Presse bringt Geschichten über "böse Spekulanten" und raffgierige Konzerne, die den Ölpreis "künstlich" nach oben treiben. Fakt ist aber: Ein Preis steigt so lange, wie der Kaufdruck größer ist als der Verkaufsdruck. Beim Stand von 120 US-Dollar wurde hier die Meinung vertreten, dass der Ölpreisanstieg zwar langfristig intakt ist, kurzfristig jedoch vor dem Ende steht. In der Tat fiel der Ölpreis unmittelbar danach um zehn US-Dollar - um danach wider Erwarten bis auf 135 Dollar zuzulegen. Durch diesen Anstieg verzeichnen die Indikatoren, die die Schwungkraft des Anstiegs messen, so hohe Werte wie noch nie in den vergangenen 25 Jahren.
    • Ein steigender Ölpreis hat auch den Dax-Höhenflug begleitet

      Das bedeutet nichts Gutes für Konsumenten: Denn ein solcher Rekordstand bei den Indikatoren geht auf Dauer mit weiter steigenden Kursen einher. Zwar kann der Preis vorübergehend sinken, doch sollte man nicht zu viel erwarten: Läuft es aus Konsumentensicht schlecht, kommt Rohöl so schnell nicht mehr unter 120 US-Dollar zurück; läuft es gut, dann sind 100 US-Dollar pro Fass möglich. Allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass der Ölpreis in den nächsten Monaten die 150-Dollar-Marke, wenn nicht sogar die 200 Dollar, überschreitet. Sollte Öl in dem neu etablierten steileren Trendkanal bleiben, dann wäre letzteres Anfang 2009 der Fall.

      Interessant ist, dass man immer mehr Kommentare findet, der Ölpreisanstieg werde die jetzige Aktienmarkt-Rallye gefährden. Das ist ein Fall von selektiver Wahrnehmung: Der gesamte Anstieg der Aktienkurse seit 2003 wird von einem steigenden Ölpreis begleitet. Bis Mitte 2007 entwickelten sich die Kursbilder von Dax und Rohöl sogar erstaunlich parallel, was offenbar kaum einer wahrhaben will. Zu der jetzigen Divergenz bei Aktien und Öl kam es erst seit Beginn des Jahres 2008.

      Fazit: Der langfristige Aufwärtstrend beim Öl ist intakt, müsste aber im Juni/Juli auf 120 Dollar zurückkommen, eventuell gar auf 100. Wer Heizöl braucht, sollte daher, wenn möglich, in der Phase zwischen Mitte Juni und Mitte Juli kaufen. Dann könnte es sich auch lohnen, ein Zertifikat auf einen steigenden Ölpreis zu kaufen. So kann man sich die Schmerzen beim Tanken wenigstens mit dem Gedanken versüßen, über die Börse am Trend zu verdienen.

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