Ärzte Zeitung, 27.05.2008

Am Schuldenberg hat nicht nur die Praxis schuld

Wenn Ärzte pleite gehen, liegt das meistens nicht nur am mangelnden Erfolg der Praxis oder den Unberechenbarkeiten des vertragsärztlichen Honorarsystems. "Oft ist es ein Misch-Masch aus beruflichen und privaten Gründen", sagt Rechtsanwältin Dr. Christiane van Zwoll.

Nach ihrer Erfahrung sind es im Wesentlichen drei Faktoren, die bei Ärzten zur Insolvenz führen:

  • Die Gründung oder Übernahme einer Praxis wird nicht professionell genug vorbereitet. "Viele Ärzte holen sich vorher keinen Rat von Experten ein, weil das Geld kostet." Oft werde zum Beispiel gar nicht geprüft, ob es überhaupt sinnvoll sei, sich an dem ausgewählten Ort niederzulassen. Standortanalysen werden nicht vorgenommen, Finanzpläne fehlen. Oder die Kosten der Arztpraxis - für Personal, Versicherungen, Miete oder Geräte - stehen in keinem Verhältnis zu den zu erwartenden Einnahmen. Oder Mediziner steigen in Gemeinschaftspraxen ein, ohne zu wissen, dass sie auch für die schon bestehenden Altschulden haften.
  • Kein regelmäßiges Controlling: Praxischefs haben teilweise gar keinen Überblick, wie viel Geld ihnen für das tägliche Leben zur Verfügung steht. Viele Ärzte finanzieren ihre Praxis etwa über den teuren Kontokorrentkredit, anstatt einen Darlehensvertrag mit günstigerem Zinssatz abzuschließen.
  • Privat wird auf zu großem Fuß gelebt. Oft führen auch Scheidungen mangels Ehevertrag ins finanzielle Desaster. (juk)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »