Ärzte Zeitung, 30.06.2008

Agrarmärkte und Gold bieten gute Chancen

Aktienanleger brauchen Geduld / Der Euro und das Edelmetall vor einem neuen Schub / Ölpreis könnte weiter steigen

NEU-ISENBURG. Aktienanleger haben es nicht einfach: Dax, Dow und Co. sind seit Mai auf Tauchstation. Kommt jetzt alles noch viel schlimmer als erwartet? Wer den hier gegebenen Empfehlungen zum Ein- und Ausstieg gefolgt ist, kann das locker sehen und sich über ein Plus von sechs Prozent in vier Monaten freuen. Die jüngste Talfahrt auf 6400 Punkte haben sich Anleger damit erspart. Zudem zeigt der Blick über den Tellerrand der Aktienbörsen, dass sich die besten Chancen woanders bieten - vor allem auf den Agrarmärkten.

Von Jürgen Lutz

 Agrarmärkte und Gold bieten gute Chancen

Spekulationsobjekt Getreide: Die derzeitigen Trends weisen darauf hin, dass zumindest der Preis für Weizen weiter steigen dürfte.

Foto: Pfluegl@www.fotolia.de

Die Musik spielt in diesen Jahren unbestritten an den Rohstoffmärkten. Dort klettern die Preise für Energie, Edelmetalle und Nahrungsmittel kräftig und auf lange Sicht. Das ist zum einen Ausdruck einer starken Weltkonjunktur, zum anderen aber auch ein klares Signal für eine dauerhaft anziehende Inflation.

  • Aktienmärkte

Anlegern, die ihr Auge nur auf die Aktienmärkte richten, schwant derzeit nichts Gutes. Seit knapp eineinhalb Monaten verlieren Dax, Dow und Nasdaq merklich an Wert. Der US-Schwergewichtsindex Dow Jones hat die Jahrestiefpunkte bereits unterschritten. Auch der Dax nähert sich seinem bisherigen Jahrestief bei 6160 Punkten. Kommen nun der große Ausverkauf und eine erneute Panik an den Aktienmärkten? Möglich ist es. Auch wenn die Unternehmensgewinne nicht so stark fallen dürften, wie es die Börsen vorwegnehmen - in Zeiten großer emotionaler Unsicherheit werden auch Qualitätsaktien auf den Markt geschleudert.

Diese Sorgen haben Leser, die sich an den hier gegebenen Ein- und Ausstiegsempfehlungen orientierten, nicht. Im Gegenteil: Wer im März den Aktienzug bei 6300 bis 6400 Punkten bestieg und, wie geraten, bei 6800 Punkten die Reißleine zog, kann sich über ein Plus zwischen sechs und acht Prozent freuen. Derzeit empfiehlt es sich bei Aktien erst einzusteigen, wenn der deutsche Leitindex die Marke von 6800 Punkten nach oben durchstoßen hat. Wer wagemutig ist und Schnäppchen machen will, kann jetzt kaufen. Dabei sollte man sich aber mit einem engen Stop-Loss - einem automatischen Ausstieg, wenn ein vorher festgelegter Kurs unterschritten wird - absichern und nur sehr wenig von seinem Kapital riskieren.

Interessant ist, dass viele technische Indikatoren signalisieren, dass die Aktienmärkte überverkauft sind und in Kürze eine Gegenbewegung nach oben starten könnte. Tatsache ist aber auch, dass der Trend das mächtigste Analysewerkzeug ist. Und derzeit zeigt der Trend bei Dax und Co. auf allen Zeitebenen nach unten.

  • Agrarmärkte

Aktuell bieten sich an den Agrarmärkten gute Chancen auf Gewinne. Vor allem Getreidesorten wie Weizen setzen nun zu einem weiteren Anstieg an. Zudem sind die Großproduzenten und -konsumenten, die ihr Geschäft an Terminbörsen vor Preisschwankungen absichern, klar positioniert. Diese so genannten Commercials gelten als das "schlaue Geld", und Anleger an den Rohstoffmärkten sind gut beraten, sich daran zu orientieren. Das Verhältnis zwischen Käufern und Verkäufern in dieser gut informierten Gruppe weist bei Weizen klar auf steigende Kurse hin. Der Preis dieser Getreideart könnte in den nächsten Wochen und Monaten um 30 bis 50 Prozent zulegen. Seit April ist auch der Preis für Sojabohnen um etwa 25 Prozent nach oben geschossen, er dürfte weiter zulegen.

  • Energie

Das Verhalten der Commercials beim Erdöl deutet so klar wie schon seit langem nicht mehr darauf hin, dass sie von weiter steigenden Preisen ausgehen - auch wenn das in der Öffentlichkeit kaum einer wahrhaben will. Ein weiteres Indiz ist, dass der Erdölpreis nach Preisexplosionen - um vier bis fünf Prozent wie am vergangenen Donnerstag - kaum fällt, sondern sich seitwärts bewegt. Wäre Erdöl ein spekulativ überhitzter Markt, wie viele Kommentatoren die Situation einschätzen, dann gäbe es jeden Tag Ausschläge nach oben und unten in Höhe von mehreren Prozent. Fakt ist aber: Die Statistiken der US-Terminbörsen zeigen, dass große Spekulanten wie Fonds, anders als die Commercials, massiv auf fallende Kurse beim Ölpreis setzen. Anleger sollten nicht vergessen, dass die Großproduzenten und -konsumenten von Öl ihr eigenes Geschäft besser verstehen als die Geldmanager und mehr Gewicht im Markt haben.

  • Edelmetalle

Gold ist aus den Schlagzeilen verschwunden. Das ist typisch für viele Publikationen, die sich mit Finanzmärkten beschäftigen; im Fokus stehen Anlageklassen, die neue Höhen erklommen haben. Dabei können Anleger, die jetzt Gold kaufen, vielleicht schon in Kürze profitieren, denn beim Goldpreis kommen viele positive Faktoren zusammen: die Saisonalität, die für steigende Kurse spricht, die Positionierung der Commercials und vor allem die Kräfteverhältnisse im Markt. Gold dürfte im Laufe der nächsten Monate deutlich über der 1000-Dollar-Marke notieren, 1100 Dollar sind das Ziel der jetzt einsetzenden Bewegung (aktuell etwa 900 Dollar).

  • Euro/US-Dollar

Unterstützt wird die Prognose eines steigenden Goldpreises vom Währungspaar Euro/US-Dollar: Steigt der Euro, steigt meist auch der Goldpreis - wobei natürlich der Euro die Rendite von in Dollar gehandeltem Gold schmälert. Die Commercials nehmen für den Euro eine klare Position ein, die auf einen weiter steigenden Euro-Kurs hindeutet. Der Euro könnte einen Kurs von 1,70 Dollar erreichen. Interessant ist, was die Commercials - in diesem Fall sind es vor allem Banken und international tätige Firmen, die sich vor Wechselkursschwankungen absichern - von der Rede des US-Notenbankchefs Ben Bernanke halten. Dieser hatte vor kurzem bekundet, den Dollar stützen zu wollen. Dass Commercials mit eigenem Geld darauf wetten, dass der Dollar fällt, spricht Bände.

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