Ärzte Zeitung, 15.07.2008

Ferienhäuser im Bayerwald sind beliebt

Das Urlaubsdomizil muss nicht mehr am Mittelmeer stehen / Käufer legen Wert auf kurze Strecken

NEU-ISENBURG (hai). Immer mehr Käufer von Ferienimmobilien kehren mediterranen Gestaden den Rücken. Nach einer Studie der Immobilienfondsgesellschaft Degi liebäugelt jeder zweite Interessent mit einem Zweitwohnsitz in Deutschland.

Der Bayerische Wald ist nicht nur Freizeitparadies, sondern auch als Standort für Ferienhäuser begehrt.

Foto: imago

"Die meisten Käufer wollen heute ihre zweite Immobilie nicht nur im Urlaub, sondern auch am Wochenende nutzen", fasst Thomas Beyerle, Leiter Research & Strategie der Degi das Ergebnis der Untersuchung zusammen. "Gefragt sind deshalb kleine Häuser und Apartments, die maximal zwei Autostunden vom Hauptwohnsitz entfernt liegen." Die Untersuchung markiere eine deutliche Trendumkehr. Beyerle: "Noch vor zehn Jahren wurden fast ausschließlich Zweitdomizile in den Mittelmeerländern gekauft."

Die heutigen Ferienimmobilienkäufer wollten ihren Zweitwohnsitz vor allem nutzen, um der Familie am Wochenende Abwechslung zu bieten und selbst Abstand vom Alltag zu gewinnen. Viele Ärzte zum Beispiel hätten erkannt, dass sie durch den Ortswechsel am Wochenende mehr Erholung finden. "Das Kurzurlaubsgefühl hilft ihnen, schneller zu regenerieren", so Beyerle.

Das Ergebnis der Untersuchung bestätigen auch Marktbeobachtungen der Maklervereinigung Immobilienverband Deutschland (IVD). "Wir sehen nicht nur bei jüngeren Familien ein Trend zum Feriendomizil im eigenen Land", sagt IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick. "Immer mehr ältere Eigentümer von Mittelmeer-Immobilien verkaufen jetzt ihre Objekte in Spanien, Portugal, Frankreich und Italien, um sich stattdessen in Deutschland ein Haus zuzulegen." Auch die gute medizinische Versorgung in Deutschland treibe viele ältere Menschen zurück. "Wenn sich Krankheiten einstellen, fühlen die Menschen sich bei Ärzten besser geborgen, mit denen sie ohne Verständigungsschwierigkeiten kommunizieren können", so Schick.

Der neue Trend sorgt bereits für steigende Immobilienpreise, insbesondere an den Küsten. "Auf Rügen sind die Preise für Einfamilienhäuser mit gutem Wohnwert in den vergangenen Jahren von 280 000 Euro auf bis zu 350 000 Euro gestiegen", sagt Schick. Auch auf Borkum und Norderney hätten sich Immobilien seit 2000 verteuert. Im deutschen Alpenraum würden Ferienimmobilien ebenfalls stärker nachgefragt wegen des ganzjährigen Sportangebots.

Die eigentlichen Gewinner des neuen Trends seien die deutschen Mittelgebirgsregionen, sagt Degi-Mitarbeiter Beyerle. "Unter dem Strich werden im Bayerischen Wald, der Eifel, im Harz, im Rothaargebirge, im Schwarzwald und im Sauerland mehr Eigenheime als Feriendomizile erworben als an der Küste oder im Alpenraum." Dies liege allein an der schnellen Erreichbarkeit der Objekte. Das schlägt sich inzwischen bei den Preisen nieder. In der Schwarzwald-Stadt Titisee-Neustadt wurden 2006 Grundstücke in sehr guter Wohnlage noch für 225 Euro pro Quadratmeter gehandelt. Heute sind es bis zu 300 Euro pro Quadratmeter.

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