Ärzte Zeitung online, 14.08.2008

Ärzte müssen Wohneigentum in Griechenland registrieren lassen

Athen (dpa/maw). In Griechenland muss ab sofort sämtliches Wohneigentum registriert werden. Diese Regelung gilt für Griechen und Ausländer. Für den Eintrag in das neue Grundbuch bleibt Ausländern Zeit bis zum 30. Dezember. Für Griechen endet die Frist Ende September. In der Sommerhitze führte die neue Pflicht derweil zu Ausnahmezuständen.

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Die Immobilienbesitzer in Griechenland schäumen derzeit vor Wut, in Warteräumen und vor Behördengebäuden spielen sich bei Temperaturen um 38 Grad im Schatten chaotische Szenen ab. Grund ist der Beschluss der Regierung, knapp 180 Jahre nach der Unabhängigkeit des Landes vom Osmanischen Reich – unter dem Druck der Europäischen Union – ein zentrales Grundbuch einzuführen.

Alle Ausländer müssen nun ihre Immobilien bis zum 30. Dezember dieses Jahres bei der Behörde anmelden, die Griechen müssen dies sogar bis Ende September erledigt haben. Landesweit gibt es jedoch nur rund 100 Anmeldestellen für mehr als sieben Millionen Häuser und Wohnungen, die angemeldet werden müssen. In der Hauptstadt Athen mit rund 4,5 Millionen Einwohnern gibt es nur vier Meldestellen.

Wer die Anmeldung versäumt, dem drohen Strafen bis zu 1500 Euro oder gar der Verlust der Immobilie. Vor den Büros nahmen die Betroffenen kein Blatt vor den Mund: „Ich habe die Nummer 1333, und die da drinnen behandeln den Fall Nummer 123. Ich habe den Eindruck, ich lebe nicht mehr in der EU, sondern im Osmanischen Reich“, sagte Marianne Jordan aus Deutschland, die in Athen eine Wohnung besitzt. „Abzocke der schlimmsten Art ist das“, kommentierte ein aufgebrachter Athener. Um überhaupt den Antrag zur Anmeldung stellen zu können, müssen Haus- oder Wohnungsbesitzer 35 Euro Bearbeitungsgebühr zahlen. Nach der Anmeldung ist noch eine Zahlung von 0,1 Prozent des Immobilienwertes erforderlich.

Die EU hatte mit Sanktionen gedroht, wenn Athen nicht endlich ein zentrales Grundbuch einführt. Das Grundbuch ist seit 25 Jahren ein Streitpunkt zwischen Brüssel und Athen. Immer wieder hatte Griechenland die Einführung aufgeschoben. Jetzt beschloss die konservative Regierung unter Ministerpräsident Kostas Karamanlis, den Gordischen Knoten zu durchschlagen. Aber die Kritik ist vernichtend: „Auf die Schnelle und wischi-waschi“, berichtete die griechische Presse am Mittwoch.

Sogar die regierungsnahe Zeitung „Kathimerini“ machte sich mit einer Karikatur lustig. „Die Idee ist richtig. Die Umsetzung ist – höflich gesagt – idiotisch“, wetterte ein aufgebrachter Grieche, der bereits sieben Stunden lang unter gleißender Sonne am zentralen Syntagmaplatz von Athen vor der Anmeldestelle ausharren musste. „Heute komme ich nicht dran. Dann muss ich mich wieder morgen anstellen“, sagte er.

Die Angestellten sind erschöpft. Die meisten von ihnen sind auf Zeit beschäftigte Studenten. „Wir können nicht mehr. Stundenlang hören wir uns das Geschimpfe der Bürger an. Und die haben recht. Wir brauchen dringend das Zehnfache an Personal“, sagte ein sichtlich genervter junger Mann im zentralen Anmeldebüro von Athen. Draußen warfen aufgebrachte Bürger nach stundenlangem Warten die Papiere einfach hin und gingen weg.

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