Ärzte Zeitung, 25.08.2008

Kommentar

Der Wechsel hat keine Priorität

Von Ilse Schlingensiepen

Wer in den vergangenen Wochen und Monaten die Debatten über die private Krankenversicherung verfolgt hat, konnte leicht den Eindruck bekommen: Kaum etwas ist in dieser Branche so wichtig wie die Ausgestaltung der Wechselmöglichkeiten für die Kunden.

Dass Privatversicherte bislang nur unter Zurücklassung ihrer angesparten Alterungsrückstellungen den Anbieter wechseln können, ist ein gravierender Nachteil der PKV. Er hat Verbraucherschützern und Politikern reichlich Munition für Kritik geliefert.

Die Umfrage von TNS Infratest zeigt, dass für Kunden selbst die Wechselmöglichkeiten gar kein drängendes Thema sind. Obwohl ihnen im ersten Halbjahr 2009 die Wahl eines neuen Anbieters erleichtert wird, zieht ihn nur eine kleine Minderheit konkret in Betracht. Ein geringer Anteil ist unentschlossen, für mehr als 80 Prozent ist ein Wechsel keine Option.

Die PKV kann in den Zahlen einen Beleg dafür sehen, dass ihre Kunden gar nicht so unzufrieden sind. Ausruhen sollte sich die Branche auf den Ergebnissen aber nicht. Sie zeigen, dass Privatversicherte wirkliche Argumente brauchen, um zu wechseln. Überzeugen müssen bessere Leistungen oder bessere Preise, der Hinweis auf neue gesetzliche Möglichkeiten allein ist zu wenig.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »