Ärzte Zeitung, 05.09.2008

Hintergrund

Euro-Absturz macht US-Kapitalanlagen attraktiv

Wie der Phönix aus der Asche hat sich der US-Dollar nach jahrelangen Kursverlusten wieder erhoben. Hält der Trend an, werden US-Anlagen wieder attraktiv.

Von Richard Haimann

Nach jahrelanger Talfahrt hat der US-Dollar gegen den Euro wieder kräftig Boden wettgemacht. Hält der Trend länger an, können Anleger vor allem mit Pharmaaktien und Fonds in US-Währung von der Entwicklung profitieren.

Vor vier Wochen war ein Euro noch 1,60 US-Dollar wert. Inzwischen müssen Amerikaner dafür nur noch 1,44 Dollar hinlegen. Um die zehn Prozent hat Europas Gemeinschaftswährung damit in kurzer Zeit an Wert verloren. Kapitalanleger, die zum Beispiel Fonds in US-Dollar im Depot haben, haben damit in kürzester Zeit eine Rendite von zehn Prozent einstecken können - zusätzlich zu der Wertentwicklung der Papiere in Landeswährung.

Fällt der Euro bis Jahresende unter die Marke von 1,40 Dollar?

Für viele Experten ist das erst der Anfang eines längerfristigen Abwärtstrends. Der Greenback, wie die Amerikaner ihr Geld wegen der Grün gefärbten Banknoten liebevoll nennen, dürfte weiter an Wert gewinnen, meint Hans Redeker, Chefwährungsstratege bei BNP Paribas. "Wir sehen eine echte Trendwende." In fünf Jahren könnte ein Euro nur noch einen US-Dollar wert sein.

Woher kommt diese Entwicklung? Dahinter stecken möglicherweise die Erwartungen an die Entwicklung der Konjunktur in Europa und den USA. Trotz der Turbulenzen auf dem Immobilienmarkt wächst die US-Wirtschaft weiter, nachdem Regierung und Notenbanken interveniert haben. Anders ist die Lage in Europa. "Die Erwartungen der deutschen Unternehmen für die nächsten sechs Monate sind grottenschlecht", sagt Kai Carstensen, Leiter der Konjunkturabteilung des Münchner Forschungsinstituts. Spanien und Italien stecken sogar in der Rezession.

Wegen der Konjunkturentwicklung wird die EZB die Zinsen möglicherweise senken müssen. Hingegen könnten die US-Zinsen 2009 wieder steigen. Christian Apelt, Währungsanalyst der Landesbank Hessen-Thüringen: "Von dieser Entwicklung sollte der Greenback profitieren." Bis Jahresende könnte der Euro-Wert auf 1,40 US-Dollar fallen.

Pharmabranche profitiert bei steigendem US-Dollar

Ob diese Szenarien tatsächlich so eintreffen oder ob die US-Wirtschaft nach den Wahlen doch wieder einbricht, weiß natürlich niemand. Aber wenn die Entwicklung so weitergeht, dann können Aktienanleger von der Trendwende am Devisenmarkt vor allem mit Papieren von europäischen Pharmaunternehmen profitieren. Das sagt Fabrice Thèveneau von der Société Générale. Die Konzerne erwirtschaften einen erheblichen Teil ihrer Umsätze in den Vereinigten Staaten. Beim Dialysespezialisten Fresenius Medical Care beträgt der US-Anteil am Gesamtumsatz sogar mehr als 70 Prozent.

Fondsanleger finden bei den Kapitalanlagegesellschaften aller Banken Aktien- und Rentenfonds, die in US-Währung notieren und in amerikanische Aktien und Staatsanleihen investieren. "Die Anleger kaufen mit ihren Euro Fondsanteile zum aktuellen Kurs des US-Dollar", erläutert Beatrice Boutonnet, Analystin beim Branchendienst Fondstelegramm.de. Beim späteren Verkauf wird der Wert der Anteile in Euro umgewechselt. "Steigt der Greenback, sind etwaige Währungs- und Kursgewinne steuerfrei, wenn die Anteile länger als ein Jahr gehalten werden", sagt Boutonnet - wird bis Jahresende gekauft.

Eine Alternative zu Aktien und Fonds sind offene Immobilienfonds mit einem hohen Anteil an US-Gebäuden. Sie würden durch steigende Mieteinnahmen von einer Erholung der US-Konjunktur profitieren. Eine große Auswahl haben Anleger hier aber nicht: Der US-Grundinvest von KanAm ist derzeit der einzige Betongoldfonds, der in US-Dollar notiert.

Der Kurs des Euro in US-Dollar

In den vergangenen zehn Jahren ist der Kurs des Euro in US-Dollar stark geschwankt. Zunächst sank der Euro sogar unter die Parität. Seit 2001 ist der Euro bis auf 1,60 US-Dollar gestiegen. Zuletzt ging der Kurs wieder auf 1,44 US-Dollar zurück. Ob das eine echte Trendwende ist, ist noch unklar.

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