Ärzte Zeitung, 16.09.2008

Hintergrund

Geld schon bei Diagnose - Versicherer wollen Ärzten Dread-Disease-Policen näher bringen

Besonders bei Freiberuflern werben Assekuranzen für die Dread-Disease-Police. Bei schweren Krankheiten soll sie etwa Ärzten finanziellen Schutz bieten. Kritiker mahnen, darüber nicht die Berufsunfähigkeitsversicherung zu vergessen.

Von Friederike Krieger

Herzinfarkt, Schlaganfall, Multiple Sklerose - Ärzte werden tagtäglich mit schweren Krankheiten konfrontiert. Versicherungen hoffen, dass dies die Mediziner dazu bewegt, sich selbst gegen die finanziellen Folgen dieser Leiden abzusichern.

Einige Versicherer wie Canada Life, Skandia oder Gothaer bieten dafür sogenannte Dread-Disease-Policen an. Sie funktionieren ähnlich wie eine Risikolebensversicherung. Der Versicherer zahlt hier aber nicht erst im Todesfall, sondern schon bei der Diagnose einer der Krankheiten aus dem Leistungskatalog.

Die vereinbarte Summe - meist zwischen 100 000 und 200 000 Euro - erhält der Kunde als Einmalbetrag. "Dread-Disease-Policen eignen sich besonders für Freiberufler wie Ärzte", sagt Philipp Gruhn von der Gothaer. Der Ausfall der tragenden Arbeitskraft könne für die Praxis existenzbedrohend sein.

Gruhn glaubt, dass die Versicherer bei den Medizinern mit den Dread-Disease-Policen offene Türen einrennen. Durch ihre tägliche Arbeit seien sie sensibler gegenüber dem Thema. "Sie kennen die Wahrscheinlichkeiten und wissen, dass eine schwere Krankheit jeden treffen kann", sagt er. Mit einer Dread-Disease-Police könnten die Ärzte ihren Berufsunfähigkeitsschutz ergänzen, erklärt Gruhn.

Bei Personen, die wie Ärzte nicht schwer körperlich arbeiten, sei eine Versicherung gegen schwere Krankheiten sogar weitaus sinnvoller als eine Berufsunfähigkeitspolice, sagt Thomas Lerch von Canada Life. "Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung muss der Kunde schon sehr schwer angeschlagen sein, bevor er eine Leistung erhält", sagt er. Laut einer Untersuchung des Versicherungsdienstes "map-Report" sind Ärzte die Berufsgruppe mit dem geringsten Berufsunfähigkeitsrisiko. So belastet ein überstandener Herzinfarkt den Mediziner zwar, hindert ihn aber nicht unbedingt daran, weiter als Arzt tätig zu sein.

Versicherung zahlt schneller als bei Berufsunfähigkeit.

Der Dread-Disease-Versicherer zahlt trotzdem - und zwar wesentlich schneller als ein Berufsunfähigkeitsversicherer. "Es dauert lange, bis festgestellt worden ist, dass jemand seinen Beruf nicht mehr ausüben kann und der Versicherte eine Leistung erhält", sagt Lerch. Bei Dread-Disease-Policen gibt es dagegen gleich nach der Diagnose der Krankheit Geld.

Unter den Leistungsfällen von Canada Life finden sich auch einige Ärzte. So erhielt 2007 ein Facharzt für Orthopädie 153 388 Euro, nachdem er einen Schlaganfall erlitten hatte. Eine Allgemeinärztin bekam 257 500 Euro, weil sie an Krebs erkrankt war. "Das Geld aus der Dread-Disease- Police kann der Mediziner nutzen, um nach der Erkrankung kürzer zu treten", sagt Philipp Gruhn von der Gothaer.

Bianca Boss vom Bund der Versicherten ist von den Vorteilen der Versicherungen gegen schwere Krankheiten nicht überzeugt. "Eine Dread-Disease-Police kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht ersetzen", sagt sie. Um in der Werbung die besten Showeffekte zu erzielen, leiste die Dread-Disease-Versicherung nur bei populären Angstmachern wie Krebs oder Herzinfarkt, sagt Boss. Die spielen bei Frühinvalidität aber kaum eine Rolle. Es seien vorrangig Erkrankungen der Wirbelsäule und psychische Probleme, die zum Verlust der Arbeitskraft führen. Diese Leiden decken die DreadDisease-Policen oft nicht ab, so Boss.

"Es gibt eine Lücke im Leistungsspektrum", gesteht Lerch von Canada Life. Der Versicherer hat bereits nachgebessert. Kunden können auf Wunsch einen abgespeckten Berufsunfähigkeitsschutz ihrer DreadDisease-Police hinzufügen, der sie speziell gegen chronische Erkrankungen der Wirbelsäule und der Psyche absichert. Auch bei der Gothaer kann der Kunde seine Versicherung gegen schwere Krankheiten mit einer Berufsunfähigkeitspolice kombinieren oder sich mit einem anderen Zusatzbaustein gleichzeitig vor Erwerbsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit schützen.

"So erhält der Kunde auch dann Geld, wenn seine Einschränkungen nicht durch eine versicherte Krankheit entstanden sind", erklärt Gruhn von der Gothaer. Oft zählen auch Verletzungen durch schwere Unfälle zum Leistungsspektrum der Dread-Disease Versicherer. Eine Besonderheit hat Skandia im Programm: Während bei den meisten anderen Gesellschaften die Versicherung mit dem ersten Leistungsfall endet, läuft der Vertrag bei Skandia weiter.

Billig ist der Dread-Disease-Schutz nicht: Für einen 30-jährigen nicht rauchenden Mann beläuft sich die monatliche Prämie bei einer Versicherungssumme von 100 000 Euro, einer Leistung für die Hinterbliebenen im Todesfall von bis zu 5000 Euro und einer Vertragslaufzeit von zwölf Jahren auf 30 bis 50 Euro, wenn er sich für alle Zusatzbausteine entscheidet. Beitragsrückzahlungen für den Fall, dass der Kunde gesund bleibt, gibt es in der Regel nicht.

Dread-Disease-Policen

Dread-Disease-Policen (übersetzt in etwa "Versicherung gegen furchtbare Krankheiten") ist eine Personenversicherung, deren Leistung bei Eintritt von fest definierten schweren Krankheiten ausgezahlt wird (zum Beispiel bei Krebs). In der Regel sind 30 bis 40 schwere Leiden abgedeckt.

Die erste Dread-DiseaseVersicherung wurde 1983 in Südafrika von Marius Barnard, dem Herzchirurgen, entwickelt. In Deutschland ist die Versicherungsform erst seit Anfang der 90er Jahre zugelassen und wird bisher nur von wenigen Versicherungsgesellschaften angeboten.

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