Ärzte Zeitung, 22.09.2008

Anlagen-Kolumne

Ohne größeren Wertverlust aus der Finanzkrise

Wie lange die Finanzkrise noch dauern wird, ist nicht abzuschätzen. Doch Anleger können eine Überbrückungsstrategie fahren.

Von Jens Ehrhardt

In den zurückliegenden Monaten ging es bei fast allen Anlegern nur um das Eine, Verluste zu begrenzen. Grund: Eine der schwersten Finanzkrisen der Wirtschaftsgeschichte brach über ihnen herein. Praktisch sämtliche Anlageformen gerieten parallel unter Druck.

In der Kategorie der Aktien sind weltweit hohe zweistellige Verluste zu verzeichnen gewesen bis hin zu Totalausfällen amerikanischer Finanzinstitute. Rohstofftitel vollzogen zuletzt die stärkste Abwärtsbewegung der vergangenen knapp drei Jahrzehnte. Und auch im Bereich festverzinslicher Wertpapiere war die Entwicklung problematisch. Am weltweit größten Anleihemarkt, den USA, hat sich beispielsweise die Ausfallquote bei Emittenten geringer Bonität seit 2007 verzehnfacht. Selbst die Papiere amerikanischer, asiatischer und europäischer Banken, die von den Ratingagenturen Jahrzehnte lang in höchsten Bonitätsstufen klassifiziert wurden, verzeichneten deutliche Verluste.

Obwohl die öffentliche Hand in den USA bereits mit hohen dreistelligen Dollar-Milliardensubventionen eingesprungen ist, dürfte die Finanzkrise keinesfalls überwunden sein. Allerdings ist nicht abzuschätzen, wie lange sie andauern wird und in welchem Maße sie sich auf die Finanzmärkte und die Realwirtschaft anderer Nationen ausbreiten wird. Kaum jemand hätte ahnen können, dass die staatliche KFW - die sich selbst als "Förderbank der deutschen Wirtschaft und Entwicklungsbank für die Transformations- und Entwicklungsländer" bezeichnet - noch 350 Millionen Euro (ohne Gegenleistung) an Lehman Brothers überweist, als in sämtlichen Tageszeitungen bereits über die Pleite der US-Bank zu lesen war. Derartige Verflechtungen werden leider oft erst ersichtlich, wenn es, wie im Fall KFW, zu spät ist.

Gleichzeitig führt die Insolvenz von Lehman Brothers vor Augen, dass man zumindest in bestimmten Zeiten Zertifikate als Finanzinstrument meiden sollte. Im Gegensatz zu Investmentfonds, die ein Sondervermögen darstellen, trägt man bei Zertifikaten in vollem Umfang das Emittentenrisiko. Die bei vielen Zertifikaten versprochene Kapitalerhalt-Garantie könnte dann, wie im Fall Lehman, in einem Totalausfall enden. Leider ist Deutschland einer der Hauptabsatzmärkte für Zertifikate, die oft nichts als verbriefte Wetten darstellen.

Im Gegensatz dazu sollten werthaltige Aktien und goldabhängige Anlagen neben hohen Barbeständen eine Krisenüberbrückung möglich machen. Werthaltige Aktien (Value-Titel) schnitten in den vergangenen zwölf Monaten zwar weit schlechter ab, als Wachstumswerte. Dies dürfte sich aber wieder ändern.

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