Ärzte Zeitung, 22.10.2008

Preis- und Währungsschwankungen - auch Gold ist nicht ganz ohne Risiko

Wegen der Finanzkrise suchen Anleger verstärkt Zuflucht in Gold - doch das Edelmetall birgt auch Risiken. Der Goldpreis hat zuletzt sehr stark geschwankt, hinzu kommt das Währungsrisiko.

Von Richard Haimann

Das physische Vorkommen von Gold ist begrenzt, deshalb kann es niemals wertlos werden.

Foto: Bernd Meisenberg©www.fotolia.de

Gold glänzt derzeit wieder besonders verführerisch. Wegen der Finanzkrise suchen viele verunsicherte Privatanleger Zuflucht in dem Edelmetall. Die Nachfrage ist so groß, dass Käufer inzwischen bis zu vier Wochen auf Barren und Münzen warten müssen.

"Wir werden so sehr mit Anfragen überschüttet, dass alle Abteilungen unseres Hauses jetzt im Zweischichtbetrieb arbeiten", sagt Robert Hartmann, Geschäftsführer des größten deutschen Edelmetallhändlers Pro Aurum. Die Produzenten von Goldbarren kommen mit der Arbeit kaum noch nach. Die Nachfrage sei zehnmal so hoch wie in normalen Zeiten, bestätigt Stephan Henkel, Händler beim Münz- und Barrenproduzenten Umicore.

Die Goldpreise fuhren zuletzt Berg- und Talbahn

Die Flucht in das Edelmetall trieb die Goldnotierungen zunächst in die Höhe. Seit Mitte September schnellte der Preis für eine Feinunze (rund 31 Gramm) um rund 20 Prozent von 750 US-Dollar zeitweise auf knapp über 900 US-Dollar. Für Investoren aus dem Euro-Raum fiel der Wertzuwachs allerdings etwas geringer aus, weil zeitgleich die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar um bis 3,6 Prozent verlor. In den vergangenen Tagen ging die Reise auch schon wieder abwärts - gestern lag der Kurs knapp unter 800 US-Dollar.

Doch Anlegern, die jetzt in Gold investieren, geht es häufig weniger darum, Gewinne zu erzielen. Sie wollen ihr Vermögen sichern. "Gold ist de facto seit 5000 Jahren eine Anlageform ohne Fehl und Tadel", sagt Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank. Weil das physische Vorkommen begrenzt ist, kann es niemals wertlos werden und gilt als optimaler Inflationsschutz. Banknoten können in beliebiger Zahl gedruckt, Goldbarren und -münzen jedoch nicht endlos geprägt werden.

Allerdings ist Gold auch kein risikoloses Investment. "Der Preis des Edelmetalls schwankte in den vergangenen Jahrzehnten stark", sagt Beatrix Boutonnet, Analystin beim Anlegerinformationsdienst Fondstelegramm.de. Ähnlich teuer wie heute war Gold zuletzt 1980, als Investoren wegen der Iran-Krise und des Einmarsches der damaligen Sowjetunion in Afghanistan die Welt am Rande eines globalen Krieges wähnten. Bis zur Jahrtausendwende stürzte der Preis dann auf unter 300 US-Dollar.

Anleger können das Edelmetall in Barren oder Münzen erwerben. Münzen weisen wegen des aufwendigen Prägeverfahrens relativ zur Goldmenge den höchsten Preis auf. Da der Goldpreis in US-Dollar notiert, tragen deutsche Anleger immer ein Währungsrisiko. Fällt die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar, sinkt auch der Wert des Goldes in Euro. Bei Gold, das noch 2008 erworben und länger als ein Jahr gehalten wird, sind Kursgewinne steuerfrei. Von 2009 an unterliegen sie der Abgeltungssteuer von 25 Prozent.

Die Notenbanken können den Preis manipulieren

Noch etwas müssen Anleger beachten: Notenbank können den Goldpreis manipulieren, in dem sie entweder Gold verstärkt aufkaufen - was den Wert in die Höhe treibt. Oder in dem sie das Edelmetall in großem Umfang auf den Markt werfen - das drückt den Preis.

Geldlexikon: Geldanlage in Gold

Für ein Engagement in Gold haben Anleger mehrere Möglichkeiten: Goldbarren oder Goldmünzen, die man sich physisch in den Banktresor legt, sind nur eine davon. Außerdem ist es möglich, das Geld auf einem Goldkonto anzulegen, ohne das Edelmetall gleichsam in Händen zu halten. Das Gold hält dann die Bank für ihre Kunden. Diese können von ihrem Goldkonto wieder Geld abheben, wie sie wollen. Außerdem gibt es Goldzertifikate, die das Eigentum an einer bestimmten Goldmenge verbriefen. Optionsscheine berechtigen dazu, innerhalb einer genau fixierten Frist Gold zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Nicht zuletzt ist es möglich Aktien von Goldminenbetreibern zu kaufen - oder darauf spezialisierte Aktienfonds.

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