Ärzte Zeitung, 19.11.2008

Rohstoffe verlieren für Anleger an Rendite-Attraktivität

Wer die Risiken bei der Geldanlage streut, fährt besser. Deshalb sollten nicht nur Aktien, sondern auch Anleihen, Rohstoffe und Immobilienfonds ins Depot. So besagt es zumindest die Theorie. Und sie stimmt auch - in normalen Zeiten. Zurzeit sind diese Gesetze außer Kraft: Zuletzt hat nur gewonnen, wer sein Geld auf einem Konto parkte.

Von Jürgen Lutz

Rohstoffe verlieren für Anleger an Rendite-Attraktivität

Beinahe in idyllischer Ruhe wird in Katar Erdöl und -gas gefördert. Ruhig wird es auch noch eine Weile an den Börsen in Sachen Rohstoffen bleiben.

Foto: imago

Die Nachrichten könnten schlechter nicht sein: Aus der Immobilien- und Finanzkrise ist eine weltweite Rezession geworden. Damit daraus nicht eine Weltwirtschaftskrise wird, steuern die Regierungen mit aller Macht gegen: Sie drucken Geld, geben Bürgschaften und ersinnen neue Regeln für den globalen (Finanz-)Kapitalismus.

Doch selbst Anlegern, die das Gebot der Risikostreuung befolgten, half das bisher wenig. Egal welche Kombination von Anlageklassen man wählte, in diesem Jahr steht ein dickes Minus vor dem Ergebnis. Der MSCI Weltaktien-Index verlor 45 Prozent, genau so wie der Dow-Jones-Immobilienindex für die USA. Rohstoffe gaben 50 Prozent nach; selbst die einst gerühmten Hedge Fonds verloren. Über ein kleines Plus seit Jahresbeginn können sich derzeit nur Besitzer von Euro-Staatsanleihen freuen.

  • Aktien

Der Deutsche Aktienindex (Dax) hat das Stadium des Ausverkaufs hinter sich. Bei sehr hohen Umsätzen tauchte der Dax Ende Oktober auf fast 4000 Punkte ab. Der hohe Umsatz ist ein gutes Zeichen, da viele Anleger, die Aktien verkaufen wollten oder mussten, dies an diesem Tag getan haben. Er zeigt zudem an, dass die Aktienpakete von finanziell gut ausgestatteten Investoren erworben wurden.

Besitzer von Anleihen profitieren von der Unsicherheit.

Nach seinem Tief hat der Index innerhalb von acht Handelstagen 1300 Punkte zugelegt. Inzwischen wurde die Hälfte des Zugewinns wieder abgegeben. Positiv zu bewerten ist, dass der Umsatz bei den jüngsten Verlusten weitaus niedriger ist als vorher. Das zeigt, dass der Verkaufsdruck nachlässt und die Option auf einen deutlichen Anstieg des Dax weiterhin besteht. Bemerkenswert ist zudem: Der Dax und der Euro Stoxx 50 als Index der großen Aktien im Euro-Raum halten sich bislang besser als US-Indizes wie Dow Jones und S & P 500. Diese Barometer haben ihr Tief vom 10. Oktober leicht unterboten und dann bei hohem Umsatz deutlich zugelegt - auch das ist ein gutes Zeichen.

Damit bestehen gute Chancen, dass die Börsenampeln demnächst zumindest auf Gelb schalten. Doch empfiehlt sich ein Einstieg nur, wenn der Dax unter hohem Umsatz die Marke von 5300 Punkten überwindet - und dann auch nur für mutige Investoren. Bis zu 5300 Punkte führte die jüngste Rallye des Index nach dem Ausverkauf Ende Oktober. Wird diese Marke bei hohem Umsatz überwunden, könnte in den nächsten Monaten 6300 bis 6600 Punkte erreicht werden, immerhin ein Zugewinn von 20 bis 25 Prozent. Schafft es der Dax nicht, drohen Kurse unter 4000 Zählern.

  • Anleihen

Besitzer von Euro-Anleihen oder Rentenfonds aus dem Euro-Raum profitieren von der anhaltenden Unsicherheit. Denn die Nachfrage nach Sicherheit lässt die Kurse der Anleihen steigen und drückt im Gegenzug die Zinsen neu aufgelegter Papiere. Der Euro Bund Future als Maßstab für die Anleihekurse im Euro-Raum stieg von 110 Zählern im Juli auf inzwischen fast 119 Zähler. Die Chancen, dass der Euro Bund Future seinen Aufwärtstrend fortsetzt, sind hoch. Übrigens: Anleger erhalten für österreichische Staatsanleihen 0,6 Prozentpunkte mehr Rendite als mit deutschen Papieren, obwohl beide Staaten von Ratingagenturen Bestnoten bekommen.

  • Rohstoffe

Im Vergleich zu den Rohstoffmärkten haben die Aktien einen sanften Abwärtstrend hinter sich. Der 50-Prozent-Verlust des Dax erstreckte sich immerhin über zehn Monate; bei Rohstoffindizes wie dem Dow Jones AIG Index lief das innerhalb von vier Monaten ab. Der steile Abwärtstrend macht es sehr unwahrscheinlich, dass in den nächsten Wochen eine dauerhafte Erholung einsetzt. Kleinere Rohstoff-Rallyes, etwa bei Öl und Gold, sind nicht auszuschließen. Das gelbe Metall hält sich relativ gut und deutlich besser als der Ölpreis, der inzwischen 65 Prozent vom Höchststand abgegeben hat. Auch der Kupferpreis als Konjunktur-Indikator notiert inzwischen 60 Prozent unter seinem Jahreshoch.

Ausblick: Die Aktienmärkte könnten in den nächsten Wochen zu einer Rallye ansetzen, die den Dax bis 6300 oder 6600 Punkte führt. Voraussetzung ist, dass der Index die Marke von 5300 Punkten überwindet. Weiter im Aufwärtstrend sind die Anleihekurse, wie es für die erste Phase einer Rezession typisch ist. Die Rohstoffpreise indes erholen sich erst gegen Ende einer Rezession.

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