Ärzte Zeitung, 01.12.2008

Anlagen-Kolumne

Aktienmärkte könnten für eine Überraschung sorgen

Eine Entwarnung für Aktienanlagen zu geben wäre zwar zu früh. Trotzdem spricht einiges dafür, diese Anlageform nicht ganz zu vernachlässigen.

Von Jens Ehrhardt

Die Situation an den Aktienmärkten könnte extremer nicht sein. Sowohl absolut, gemessen in Milliarden-Verlusten, als auch relativ, was die prozentualen Rückgänge angeht, mussten viele Börsen bisher die stärksten Jahresverluste der Börsengeschichte hinnehmen.

Pessimismus könnte sogar eine Erholung bringen

Auf der anderen Seite liegt mit dem Dezember der statistisch gesehen beste Börsenmonat vor uns. Positiv könnte sich ferner der unter professionellen Anlegern und Amateuren weit verbreitete extreme Pessimismus auswirken, der oft in antizyklischen kurzfristigen Erholungen mündet.

Selbst Konjunkturoptimisten werden allerdings nicht mehr leugnen, dass ein außerordentlich schlechtes Wirtschaftsjahr 2009 vor der Tür steht. Der Ifo-Index, der immer ein guter Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung war, erreichte zuletzt den tiefsten Stand seit über 20 Jahren. Über massive staatliche Konjunkturprogramme konnten bisher zwar einzelne Unternehmen vor dem Bankrott gerettet werden, von einer Stabilisierung der volkswirtschaftlichen Nachfrage ist man international aber noch weit entfernt.

Zudem wird es kaum gelingen, von staatlicher Seite nachhaltig wirksame Konjunkturprogramme aufzulegen, ohne die Finanzmärkte weiteren unkontrollierbaren Risiken auszusetzen. Die Amerikaner steuern im laufenden Fiskaljahr auf eine staatliche Neuverschuldung von wahrscheinlich deutlich über 1000 Milliarden Dollar (rund 775 Milliarden Euro) zu.

Bei festverzinslichen Anlagen auf Laufzeit achten

Dies entspricht über sieben Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich liegt die Obergrenze für die EU-Mitgliedsstaaten gemäß dem Einheitsvertrag bei drei Prozent. Vor dem Hintergrund der damit verbunden immer trüberen Aussichten bei festverzinslichen Anlagen sollte man weiterhin schwerpunktmäßig auf Papiere mit kürzeren Laufzeiten zurückgreifen, die geringere Kursrisiken aufweisen.

Was Aktienanlagen angeht, dürfte es zu früh sein, eine Trendwende nach oben auszurufen. Auf der anderen Seite spricht für die deutschen Anleger die 2009 in Kraft tretende Abgeltungssteuer für Engagements noch in diesem Jahr. Den schwierigen Spagat schafft der Anleger eventuell durch Investitionen in langfristig gewinn- und substanzstarke Unternehmen oder in Aktienfonds, die die Aktienquote aktiv variieren.

Topics
Schlagworte
Finanzen/Steuern (10401)
Personen
Jens Ehrhardt (258)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »