Ärzte Zeitung online, 30.12.2008

Neukunden in der Privatversicherung werden bis zu zehn Prozent mehr zahlen

KÖLN (akr). Die ab ersten Januar geltenden Neuregelungen für die private Krankenversicherung werden für Neukunden im Jahr 2009 im Schnitt zu zehn Prozent höheren Prämien führen. Davon geht der Verband der privaten Krankenversicherer (PKV) aus.

Verantwortlich für die höheren Prämien sind der Basistarif, den die Versicherer ab dem 1. Januar anbieten müssen, und die neue Möglichkeit für Kunden, Alterungsrückstellungen bei einem Wechsel des Anbieters mitzunehmen. "Auch für Altkunden wird es zu Prämiensteigerungen kommen, aber nicht in dieser Höhe", sagt PKV-Sprecher Dirk Lullies.

Der Basistarif ist hinsichtlich der Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung nachempfunden. Die privaten Versicherer müssen im Gegensatz zu anderen Tarifen Kunden ohne Risikoprüfung annehmen, für die Beiträge hat der Gesetzgeber eine maximale Höhe vorgeschrieben. Sie liegt beim durchschnittlichen Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung, der 2009 rund 570 Euro im Monat beträgt. "Die meisten Versicherten im Basistarif werden von Anfang an den Höchstbeitrag zahlen", sagt Lullies. Ausnahmen würden höchstens für Kinder und Jugendliche gelten. Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben würden anbieterabhängige Faktoren wie die Höhe der Verwaltungskosten bei der Festlegung des Preises für den Basistarif kaum eine Rolle spielen, sagt er.

Die Versicherer gehen davon aus, dass sich vor allem Personen mit Vorerkrankungen für den Basistarif entscheiden und dass die Beiträge nicht kostendeckend sein werden. Aus diesem Grund müssen andere Versicherte die Kosten für sie subventionieren. Neukunden werden dabei stärker herangezogen als Altkunden. Die mögliche Mitnahme der Altersrückstellungen wirkt sich auf die Prämien aus, weil Kunden in Zukunft nicht mehr davon profitieren, wenn andere den Anbieter wechseln und ihre Rückstellungen den verbleibenden Versicherten zu Gute kommen.

Bislang haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die privaten Krankenversicherer nicht darüber einigen können, wie ärztliche Leistungen für Patienten vergütet werden, die im Basistarif versichert sind. Bis zu einer Einigung können Ärzte den gesetzlichen Vorgaben zufolge den 1,8 fachen Satz abrechnen. Die Versicherer wollen nur den einfachen Satz zahlen, weil das ihrer Meinung nach dem Charakter des Basistarifs als Sozialversicherungstarif entspricht. Die KBV fordert den 1,8 fachen Satz.

Noch ist nicht abzusehen, wann sich beide Seiten einigen. "Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die Schiedsstelle darüber entscheiden", sagt Lullies.

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