Ärzte Zeitung, 12.01.2009

Anlagen-Kolumne

Bundeswertpapiere stehlen Industrieanleihen die Show

Derzeit steht für Anleger die Sicherheit ihres Geldes im Vordergrund. Daher sind Staatspapiere beliebt. Mehr Rendite können jedoch Firmenanleihen bieten.

Von Gottfried Urban

In der momentanen Situation könnte ein kleiner Hoffnungsschimmer, genährt von einem positiven Ausblick, ausreichen, um die im Geld- und Rentenmarkt geparkte Liquidität an die Aktienmärkte zurückzuholen. Das aber würde gerade den Zinspapieren des Staates Kursverluste bescheren. Indes, vielen Anlegern geht es im Moment nur um den Erhalt des Kapitals und nicht so sehr um die Rendite.

Daher sind staatlich garantierte Anlagen in Form von Zinspapieren des Bundes, obwohl so niedrig wie noch nie verzinst, derzeit auch der Renner. Das Kalkül der Anleger: Für die Rückzahlung der Staatsschulden stehen im Zweifel die Bürger gerade - mit ihrer Steuerkraft. Was also sollte da schief gehen?

Für Vater Staat, dem derzeit die Steuereinnahmen wegzubrechen und die Ausgaben aus dem Ruder zu laufen drohen, könnten die Finanzierungsbedingungen momentan kaum günstiger sein. Gerade einmal 2 bis 3 Prozent muss der Staat derzeit für die Zinsen aufbringen. Der Anleger will Sicherheit. Die bekommt er über die dahinterliegende Steuerkraft des Bürgers zu Minizinsen.

Die Steuerkraft ist das Rückgrat des Staates.

Bei mittleren und längeren Laufzeiten würde ich aber mittlerweile sehr vorsichtig sein. Hier werden mit künftigen Inflationserwartungen gespielt. Der Staat hat sich längst dafür entschieden, durch Kreditaufnahme und die Versorgung mit billigem Geld die Wirtschaft anzukurbeln.

Meine Sorge ist, dass eine zyklische Erholung der Wirtschaft in einer Phase hoher staatlicher Haushaltsdefizite die Rendite von Staatspapieren in die Höhe und damit ihre Kurse nach unten treiben könnte. Solange die Zinsen aber fallen, verdient man Geld mit Zinspapieren. Nicht nur durch die laufenden Zinseinnahmen, sondern auch durch den gestiegenen Wert eines höher verzinsten Papieres. So zahlen Anleger für eine 4,5-prozentige Bundesanleihe mit Fälligkeit Januar 2013 (WKN 113521) einen Kurs von 108 Prozent. Bis zur Fälligkeit verliert die Anleihe auf 100 Prozent Rückzahlung, daraus ergibt sich eine Fälligkeitsrendite von 2,3 Prozent.

Ganz anders sieht es bei Schuldverschreibungen der Industrie aus. Hier sind die Kurse zum Teil recht deutlich gefallen, die Renditen also gestiegen. Je nach Bonität des Unternehmens erhalten Sie hohe Zinsaufschläge. Im historischen Vergleich gab es für Industrieanleihen noch nie so hohe Renditen. Bei einem Zinspapier eines soliden Unternehmens wie Fresenius bekommen Anleger bei einer Laufzeit bis Ende Januar 2013 (WKN A0GMAX) zu Kursen um 100 Prozent pro Jahr 5 Prozent Zinskupon und damit eine mehr als doppelt so hohe Fälligkeitsrendite als das oben benannte Staatspapier bezahlt.

Wer Staatspapiere in Händen hält, kann sich überlegen, dort Gewinne zu sichern und in gute Industrieanleihen investieren.

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