Ärzte Zeitung online, 16.01.2009

Immer mehr Menschen sind trotz Vollzeitjob armutsgefährdet

NÜRNBERG (dpa). Immer mehr Menschen in Deutschland droht einer Studie zufolge trotz eines Vollzeitjobs das Abrutschen in Armut. Ihr Anteil habe sich zwischen 1999 und 2005 von drei auf sechs Prozent erhöht, berichtete das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Donnerstag in Nürnberg.

Im Jahr 2006 sei der Anteil der von Armut gefährdeten Vollzeiterwerbstätigen zwar wieder auf fünf Prozent gesunken. "Durch die Folgen der Finanzkrise ist dieser Rückgang aber wieder gefährdet", befürchten die Nürnberger Arbeitsmarktforscher laut Mitteilung.

Für die Zunahme der Niedrigeinkommen seit Ende der 90er Jahre sei unter anderem die sinkende Tarifbindung verantwortlich. Nur noch etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten werde heute von Flächentarifverträgen erfasst. Mitte der 90er Jahre seien es noch rund zwei Drittel gewesen. Zudem hätten sich als Folge der Globalisierung die Arbeitsmarktchancen für Geringqualifizierte ohne berufliche oder schulische Ausbildung verschlechtert, betonte das IAB.

Dennoch könne trotz dieser wachsenden Armutsbedrohung von Männern und Frauen mit Vollzeitjob noch nicht von US-amerikanischen Verhältnissen gesprochen werden - "eher von einem in beiden Ländern gemeinsamen Trend zum allmählichen Anstieg der Erwerbsarmut", geben die Arbeitsmarktforscher zu bedenken. In den USA lag der Anteil der Armutsgefährdeten unter den Vollzeit-Erwerbstätigen zwischen 1999 und 2005  über zehn Prozent. In Deutschland würden Beschäftigte mit geringem Einkommen durch staatliche Unterstützung stärker als in den USA vor Armut geschützt.

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens bezieht. In Deutschland seien dies für einen Alleinstehenden 837 Euro, für ein Paar mit zwei Kindern 1758 Euro monatlich.

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