Ärzte Zeitung, 22.01.2009

Die beste Strategie für Anleger heißt Abwarten

Die Lage ist ernst: Der erfolgreiche Milliarden-Investor Warren Buffet sieht nicht nur die USA mit einem wirtschaftlichen "Pearl Harbor" konfrontiert.

Von Jürgen Lutz

Solange die Anleger nicht ihre Angst ablegen, geht der Abwärtstrend an den Börsen weiter.

Foto: 3d-Master©www.fotolia.de

In einem Interview sprach Buffet von einer weltweiten Spirale der Angst, die durchbrochen werden müsse. In der Tat erzittern die Anleger an den Aktienmärkten bei jeder neuen Meldung zur Konjunktur oder zur Krise in den Bankbilanzen. Ein schnelles Ende der Aktienbaisse ist damit nicht in Sicht.

Buffet setzt als Chef der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway seine Hoffnungen in den neuen US-Präsidenten Barack Obama. Niemand könne besser als Obama die Schwere der Situation übermitteln und zugleich Hoffnung auf Besserung machen, so Buffet in dem Interview. Das scheint auch bitter nötig.

Nach einer Studie der Deutschen Bank mit dem Titel "Warum diese Rezession schlimmer werden könnte als erwartet" haben die US-Behörden über 4,5 Billionen Dollar zur Bekämpfung der Finanzkrise in den Markt gepumpt. Das ist mehr, als der Marshall-Plan sowie mehrere Wirtschaftskrisen und Kriege zusammen verschlungen haben. Doch trotz dieser gigantischen Finanzspritze zeigen sich die weltweiten Finanzmärkte weiterhin sehr verunsichert und schwanken entsprechend stark.

Der Dax wird in nächster Zeit nicht zur Ruhe kommen

Aktien: Der Deutsche Aktienindex (Dax) ist nach einem erfreulichen Dezember mit einem Plus von über drei Prozent wieder in seinen Abwärtstrend eingeschwenkt. Das Aktienbarometer könnte dabei die Tiefpunkte von 4000 Punkten aus den Monaten Oktober und November erneut testen. Falls der Index so weit fällt, besteht die Möglichkeit eines weiteren Abverkaufs bei hohem Umsatz, wenn viele nervenschwache Anleger kapitulieren.

Spätestens dann dürften aber hartgesottene Langfrist-Investoren billig Aktien ins Depot nehmen und der Index in diesem Zug einen Boden finden. Ebenso möglich ist es jedoch auch, dass die Verkäufer auf dem falschen Fuß erwischt werden und der Dax schon vor der 4000er-Marke weit nach oben schießt. Dabei kann er durchaus bis 5600 Punkte hochschnellen.

Weltweit setzen die Staaten auf aggressive Geldpolitik.

Vermutlich werden die Aktienmärkte 2009 sehr stark schwanken. Zwei Kräfte sorgen für dieses Gezerre: Der Zusammenbruch des Konsummodells auf Pump, wie ihn die USA, aber auch viele Finanzinvestoren praktizierten, führt zu einem scharfen Einbruch der Nachfrage und zum Ausverkauf von Vermögenswerten - und das drückt massiv auf die Aktienkurse.

Um genau diesen Einbruch zu verhindern, steuern die Staaten weltweit mit aggressiven fiskalischen und geldpolitischen Maßnahmen gegen und pumpen pausenlos Geld in die Märkte. Im Grunde steht damit einer Kombination aus Deflation und Wirtschaftseinbruch das Risiko einer hohen Inflation gegenüber, mit der man die Konjunktur stimulieren will.

Anleihen: Besitzer von Euro-Staatsanleihen oder Rentenfonds aus dem Euro-Raum haben in den vergangenen Monaten von dieser grassierenden Unsicherheit profitiert: Staatsanleihen waren im Jahr 2008 die einzige Anlageart, die Kursgewinne verbuchen konnte. Der Euro Bund Future als Maßstab stieg von 110 Zählern im Juli auf 126 Zähler. Diese Bewegung stößt inzwischen aber auf Widerstände und verliert an Kraft. Ein zumindest zeitweiliger Rückgang wird daher wahrscheinlich.

Gleichwohl wird es wohl nicht zu einem Einbruch kommen, da steigende Zinsen das Letzte sind, was die Regierungen derzeit wollen. So hat die US-amerikanische Notenbank schon angekündigt, zur Not eben selbst US-Staatsanleihen aufzukaufen.

Rohstoffe: Dieser Inflationsimpuls zeigt sich auch beim Gold. Zwar hat der Preis des Edelmetalls wegen seiner starken Abhängigkeit von der geringer werdenden Schmucknachfrage nachgegeben. Doch Gold hält sich besser als viele andere Rohstoffe -und das dürfte mit seiner Funktion als Krisenwährung zu tun haben. Immerhin gilt das Edelmetall als das nicht manipulierbare Wert-Aufbewahrungsmittel und als der Gradmesser der Papiergeld-Entwertung.

Öl, Kupfer und Co. sind inzwischen auf Niveaus angekommen, die nur wenig unterschritten werden dürften. Allerdings ist nicht zu erwarten, dass diese Bodenbildung ruhig verläuft und bald von einem neuen Aufwärtstrend abgelöst wird. Im Gegenteil: Die hohen Schwankungen bei den Rohstoffpreisen werden sich wohl über Monate hinziehen. Wer allerdings seinen Öltank füllen muss, der kann jetzt zu Traumpreisen zugreifen.

Es kommt auf den Anlagehorizont an

Fazit: Für Aktienanleger, die auf Sicht weniger Jahre investieren wollen, empfiehlt es sich weiter, beiseite zu stehen, bis ein neuer Aufwärtstrend erkennbar ist. Das ist erst bei einem Dax-Stand von über 6000 (!) Zählern der Fall. Kaum ratsam dürfte jetzt noch der Kauf von Staatsanleihen sein, da es nur geringe Zinsen, aber eine hohe Gefahr von Kursverlusten gibt, wenn die Konjunktur anziehen sollte. Auf steigende Rohstoffpreise zu setzen, dürfte ebenfalls verfrüht sein.

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