Ärzte Zeitung, 02.02.2009

Anlagen-Kolumne

Zinsniveau bei Unternehmensanleihen ist auf Höhenflug

Mit Staatsanleihen lässt sich in der Niedrigzinsphase fast kein Gewinn mehr erzielen. Anders sieht das derzeit bei einigen Unternehmensanleihen aus.

Von Jens Ehrhardt

Die weltweit schlechten Wirtschaftsaussichten zeigen deutliche Effekte auf festverzinsliche Anlagen. Mit praktisch null Prozent haben die Notenbankzinsen in den USA ein Tief seit der Gründung der Fed im Jahre 1914 erreicht. Selbst die Bank of England hat die niedrigsten Zinsen seit der Gründung im Jahr 1694 ausgerufen. Entsprechend niedrig sind die Verzinsungen bei kurzfristigen öffentlichen Anleihen oder Bank-Festgeldern.

Selbst Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bieten international meist nur Verzinsungen von nominal zwei bis drei Prozent. Unter Berücksichtigung von Steuern und Inflation läuft dies auf einen Nullzins hinaus. Dabei sind Staatsanleihen, vor allen Dingen solche mit längeren Laufzeiten, im Hinblick auf die schon in den vergangenen Tagen sichtbaren Kursschwankungen durchaus gefährlich und spekulativ. Die Kurse deutscher Staatsanleihen fielen beispielsweise jüngst so stark wie seit vielen Dekaden nicht mehr.

In dem voraussichtlich anhaltenden Niedrigzins-Umfeld könnten ausgewählte Unternehmensanleihen ein Lichtblick sein. Der Zinsaufschlag von Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen ist auf das höchste Niveau seit 1933 gestiegen.

Darin spiegeln sich die relativ hohen Kreditzinsen, die Unternehmen zahlen müssen, wider. Hintergrund ist die Skepsis der Gläubiger respektive Anleihekäufer hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung.

Wenn man bedenkt, dass nachrangige Anleihen von Münchener Rück oder Allianz bei Kursen von zum Teil unter 60 bis 70 Prozent notieren, fragt man sich - wie bei vielen anderen Anleihen auch - ob nicht der Anleihekauf sinnvoller ist als der Aktienkauf. Dabei sollte man allerdings auf Unternehmensanleihen mit kurzen Laufzeiten zurückgreifen, die geringere Kurs- und Ausfallrisiken aufweisen.

Fazit: Auch Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten sind kaum ein sicheres Werterhaltungsinstrument. Bei Unternehmensanleihen hingegen stehen die Renditen in angemessenem Verhältnis zu den Risiken, wenn man Laufzeit und Bonität der Papiere genau prüft. Wie am Aktienmarkt gilt jedoch, dass man auch im Bereich der Unternehmensanleihen selektiv vorgehen muss.

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