Ärzte Zeitung, 09.03.2009

Das Eigenheim als Pfand für eine Zusatzrente

Ärzte im Ruhestand können bald eine Rente aus ihrem Eigenheim beziehen. Förderbanken wollen älteren Grundeigentümern mit Rückwärtshypotheken zur Einkommenssteigerung verhelfen.

Von Richard Haimann

Wer ein Eigenheim besitzt, kann dieses dazu nutzen, das monatliche Ruhestandsgeld aufzustocken.

Foto: Andrey Armyagov©www.fotolia.de

Die Förderbanken unternehmen einen neuen Vorstoß, um die in den USA seit Jahrzehnten üblichen Rückwärtshypotheken am deutschen Markt zu etablieren. Rentner sollen mit diesen Darlehen ihr Einkommen aufbessern, indem sie ihr Haus beleihen und im Gegenzug von der Bank eine monatliche Zusatzrente erhalten. Je älter der Darlehensnehmer ist, desto höher fällt die monatliche Auszahlung von der Bank aus. Zur Zielgruppe zählen vor allem kinderlose Ärzte im Ruhestand, die sich um die Vererbung ihres Heims keine Gedanken zu machen brauchen und die vielleicht zusätzliches Kapital für aufwendige Hobbys benötigen.

Bis zu einer Million älterer Grundeigentümer könnten sich für das neue Produkt interessieren, schätzt der Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB). In den USA haben nach Angaben des Verbands der Rückwärtshypothekenanbieter, der National Reverse Mortgage Lenders Association, im vergangenen Jahr 112 100 Rentner eine Rückwärtshypothek (Reversed Mortgage) auf ihr Haus aufgenommen. Das waren 4,2 Prozent mehr als 2007.

Bislang sind jedoch in Deutschland alle Versuche gescheitert, derartige Angebote am Markt zu platzieren. "Frühere Produkte wurden nicht angenommen, weil die Grundeigentümer im Gegenzug für die Zusatzrente ihre Immobilie an die Bank überschreiben sollten und ihnen damit nur ein lebenslanges Nutzungsrecht verblieben wäre", analysiert Axel Vogt, Leiter Immobilien der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB).

Bei dem neuen Konzept, das ein Arbeitskreis des VÖB gemeinsam mit den Förderbanken entwickelt hat, ist das anders. "Bei dieser neuen Rückwärtshypothek verbleibt das Eigentumsrecht an der Immobilie uneingeschränkt beim Besitzer", sagt Vogt. Die Zusatzrente sei damit lediglich ein langfristiges Darlehen, das nach dem Tod von den Erben getilgt wird, entweder aus dem eigenen Portemonnaie oder durch den Verkauf der Immobilie. Gibt es keine Erben, fällt das Heim an die Bank.

Die Rückwärtshypothek eigne sich damit nicht nur für Grundeigentümer mit geringem Einkommen, die so ihre Rente aufbessern können, meint Achim Tiffe, stellvertretender Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen. Auch kinderlose vermögende Senioren wie Ärzte und andere Freiberufler im Ruhestand dürften sich seiner Ansicht nach für dieses Produkt interessieren. Tiffe: "Diese Menschen haben zwar eine gute Rente, benötigen aber oft noch zusätzliches Geld für Reisen oder aufwendige Hobbys."

In den USA ist diese Form des Kredits verbreitet.

Der Zinssatz für die als Kredit gewährte Zusatzrente werde voraussichtlich 30 bis 50 Basispunkte über dem eines Hypothekendarlehens mit 20-jähriger Laufzeit liegen, verlautet aus dem Arbeitskreis. Der Aufschlag diene der Risikoabsicherung, da bei einer Rückwärtshypothek keine Vorfälligkeitsentschädigung erhoben werden kann, wenn der Kreditnehmer früher als erwartet sterbe.

Wie hoch die monatliche Immobilienrente ausfalle, werde von der Lage und dem Zustand des Objekts und dessen voraussichtlichen Verkehrswerts zum Zeitpunkt des Todes des Besitzers abhängen. Zwar lässt sich die durchschnittliche Lebenserwartung eines Eigentümers anhand der Sterbetafeln der Lebensversicherer berechnen. Für die Banken ist es jedoch schwierig abzuschätzen, ob und in welchem Umfang ein Haus oder eine Eigentumswohnung in den nächsten 20 oder 30 Jahren an Wert gewinnen oder verlieren wird.

Die staatlichen Förderbanken Hamburgs, Nordrhein-Westfalens und Schleswig-Holsteins wollen das neue Produkt voraussichtlich im Laufe dieses Jahres als Vorreiter anbieten. Bei der IB Schleswig-Holstein werde die Vorstandsentscheidung voraussichtlich im April oder Mai fallen, sagt Vogt.

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