Ärzte Zeitung online, 10.04.2009

Commerzbank drohen scharfe EU-Auflagen

FRANKFURT/MAIN (dpa). Der Commerzbank drohen angesichts milliardenschwerer Staatshilfen scharfe Auflagen durch die EU-Kommission. Dabei könnten die Brüsseler Wettbewerbshüter der Commerzbank auch den Verkauf von Beteiligungen vorschreiben. "Eine Abspaltung der Eurohypo ist eine Option, es ist aber keineswegs so, dass das Thema schon durch ist", hieß es am Donnerstag in Frankfurter Bankenkreisen.

Das "Handelsblatt" (Donnerstag) berichtete, der Konzern habe sich in Gesprächen auf Fachebene bereits mit Brüssel auf diesen Schritt geeinigt. Eine endgültige Einigung in der nächsten Woche sei nicht ausgeschlossen.

Die Commerzbank, die derzeit mit der Eingliederung der Dresdner Bank beschäftigt ist, hatte selbst angekündigt, sie wolle das Geschäft der Eurohypo stark zurückfahren. Wie die Neuausrichtung des Immobilienfinanzierers mit Sitz in Eschborn bei Frankfurt konkret aussehen soll, wollte die Commerzbank bis zur Jahresmitte festzurren.

Unterdessen drückt Commerzbank-Chef Martin Blessing nach einem Bericht des Magazins "Der Spiegel" bei der Übernahme der Dresdner Bank aufs Tempo. "Über die Hälfte der insgesamt 60 000 Mitarbeiter der beiden Banken werden am Schluss auf einem anderen Arbeitsplatz sitzen, auch wenn sie oft am gleichen Ort die gleiche Arbeit machen", sagte der Organisationschef der Commerzbank, Arno Walter, dem Magazin. Insgesamt sollen durch den Wegfall der Konzernzentrale der Dresdner Bank 2200 Stellen allein in Frankfurt überflüssig werden. Wer schnell freiwillig ausscheidet, werde mit einer "Sprinterprämie" von drei Monatsgehältern belohnt.

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes habe betont, dass sie von jenen Banken, deren Geschäftsmodell aktuell als nicht nachhaltig betrachtet werde, deutliche Bilanzverkürzungen fordere, schrieb das "Handelsblatt": "Das große Thema für Brüssel ist Abspecken", heißt es dem Bericht zufolge im Commerzbank-Umfeld. Die Commerzbank wollte den Bericht nicht kommentieren.

Mit einer Abspaltung des Immobilienfinanzierers würde sich die Bilanzsumme der Commerzbank gemessen an dem neuen Institut - also inklusive Dresdner - um gut ein Viertel verringern. Zudem würde sich der DAX-Konzern Risiken ersparen: Die Eurohypo selbst hatte bei ihrer Bilanzvorlage Ende März darauf hingewiesen, sie stufe vor allem die Risiken bei gewerblichen Immobilienkrediten als "sehr kritisch" ein. In der Staatsfinanzierung geht die Eurohypo für 2009 von einem "negativen Ergebnisbeitrag" aus. 2008 schrieb die Eurohypo tiefrote Zahlen: Am Ende standen rund 1,4 Milliarden Euro Vorsteuerverlust.

Der Bund half der Commerzbank Ende 2008 mit rund acht Milliarden Euro und im Januar mit weiteren zehn Milliarden Euro, um die Dresdner-Übernahme sowie weitere Belastungen abzusichern. Im Gegenzug wurde bei dem zweiten Schritt eine Staatsbeteiligung von 25 Prozent plus eine Aktie vereinbart. Die EU-Wettbewerbshüter prüfen die staatliche Hilfe, obwohl sie den deutschen Banken-Rettungsplan bereits gebilligt haben. Nach den europäischen Regeln können aber Hilfen zur Rettung eines Unternehmens nur einmal gewährt werden; danach muss ein Sanierungsplan zur Überprüfung in Brüssel vorgelegt werden. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte die EU-Kommission aufgefordert, die Hilfe zu unterstützen, damit keine Bank, die für das System wichtig sei, insolvent werde.

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