Ärzte Zeitung, 22.05.2009

Aus der Aktien-Kursrallye wird kein Dauerhoch

Die Luft an den Aktienmärkten wird dünner. Für Anleger könnte aktuell eine gute Gelegenheit sein, etwaige Gewinne mitzunehmen.

Von Jürgen Lutz

Am 9. März starteten wichtige Aktienindizes wie der Deutsche Aktienindex (Dax) nach quälenden Kursverlusten zu einer kraftvollen Rallye. Die Frage lautet inzwischen: Schafft der Dax den Sprung über die 5000-Punkte-Marke? Wenn ja, könnte der Index in einen längerfristigen Aufwärtstrend einschwenken. Falls nicht, dürfte es demnächst erneut abwärts gehen. Letzteres ist wahrscheinlicher.

  • Aktien

Die deutsche Wirtschaft schrumpfte im ersten Quartal 2009 im Vergleich zum Vorquartal um 3,8 Prozent, doch die Aktienmärkte stiegen fast unbeirrt an. Für viele Anleger passt das nicht zusammen.

Doch gibt es eine Erklärung für das Phänomen: An der Börse werden die Perspektiven der Wirtschaft für die nächsten sechs bis neun Monate gehandelt. Daher kann es durchaus sein, dass die Kurse an den Börsen steigen, während Arbeitsplätze abgebaut werden.

Befeuert wurde die Aktienrallye im März von Meldungen, dass es der Weltwirtschaft nicht so schlecht geht, wie bei einem Dax-Stand von 3700 Zählern befürchtet. Das zwang jene, die auf fallende Kurse spekulierten, zum Rückkauf von Aktien, um Verluste zu verhindern. Diese Zwangseindeckung war der Motor hinter dem ersten und dynamischsten Teil der Rallye nach dem großen Ausverkauf.

Kurz darauf sprangen einige Antizykliker auf den Börsenzug und sorgten für Teil zwei des Kursanstiegs. Sie setzten auf günstige Werte - diesmal waren es vor allem die Aktien von Banken und Autobauern -, um rasch 50 bis 100 Prozent Gewinn zu machen. Die Aktie der Deutschen Bank etwa gewann von März bis jetzt bis zu 130 Prozent; der Autobauer Porsche schoss von 27 bis auf 58 Euro hoch.

Inzwischen sind auch Banken, Fondsmanager und Vermögensverwalter mit von der Partie. Sie stehen nach dem desaströsen Jahr 2008 unter Druck und haben Angst, Kursanstiege zu versäumen. Zudem sitzen sie nach den Liquiditätsspritzen der Notenbanken auf riesigen Geldbergen. Da die Zinsen sehr niedrig sind, pumpen sie das Geld in die Aktien- und Rohstoffmärkte, auch wenn sie von den wirtschaftlichen Aussichten nicht überzeugt sind.

All diese Kräfte haben den Dax seit Anfang März von 3600 Zählern auf 4980 Punkte getrieben. Die vergangene Woche beschloss der deutsche Leitindex bei einem Stand von 4737 Punkten und damit exakt auf der Trendlinie, die sich über die Tiefpunkte vom 9. März und 1. April konstruieren lässt.

Damit ist der Aufwärtstrend intakt und ein weiterer Kursanstieg wahrscheinlich, wie die Kursgewinne in dieser Woche bereits zeigen. Sollte dem Dax der Durchbruch bei der 5000-Punkte-Marke endlich gelingen, wäre ein Sturm auf die Zone von 5300 Zählern zu erwarten. Spätestens dort sollte die Luft für Aktien aber dünn werden und ein deutlicher Rückschlag drohen.

  • Anleihen

Seit Dezember 2008 bewegen sich die Kurse der Staatsanleihen innerhalb einer Spanne von 121 bis 126 Zählern - mit leichter Tendenz nach unten, was mit höheren Zinsen für Staatspapiere einhergeht. Immer öfter sind Kommentare zu lesen, die diese Tendenz fortschreiben. Argument: Die Staaten verschulden sich so wie noch nie in ihrer Geschichte - und wer mehr Geld will, muss dafür höhere Zinsen zahlen.

Auf lange Sicht stimmt diese Betrachtung, doch auf kurze Sicht agieren die Marktteilnehmer nicht logisch, sondern "psycho-logisch". Deshalb könnten Anleihen bald erneut als sicherer Hafen gefragt sein - vor allem, wenn die Aktienmärkte nach dem aktuellen Anstieg in die Knie gehen und erneut Deflationsangst grassieren sollte.

Öl und Kupfer dürften demnächst wieder billiger werden.

  • Gold/Rohstoffe

Von einer Aktienschwäche könnte auch Gold als zweiter "sicherer Hafen" profitieren. Das Edelmetall notierte nach Erreichen der 1000-Dollar-Marke zeitweilig bei 860 Dollar. Inzwischen hat sich Gold mit 930 Dollar aus dem seit Februar laufenden Abwärtstrend nach oben abgesetzt. Damit steigen die Chancen, dass es die 1000-Dollar-Marke erneut anläuft. Ein gleichzeitiger Anstieg von Anleihen und Gold wäre nichts Ungewohntes - er war bereits in der Hochphase der Krise von Oktober 2008 bis März 2009 zu beobachten. Die Preise für Öl und Kupfer, die als verlässliche Konjunkturindikatoren gelten, dürften nach dem jüngsten Anstieg von 50 und 65 Prozent demnächst deutlich nachgeben.

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