Ärzte Zeitung, 11.08.2009

Aktien im Aufschwung: Verkaufen ist jetzt eine Option

Seit Mitte Juli haben die Aktienmärkte in einen rasanten Aufwärtsgang geschaltet. Jetzt stellt sich die Frage: Stürzt der Dax wieder ab? Oder stehen die Börsen vor einem längerfristigen Aufschwung?

Von Jürgen Lutz

Seit seinem Tief im Juni bei 4600 Zählern hat der Dax inzwischen um 900 Punkte zugelegt. Damit ist die Börsenrallye in einer Phase, die dem Anstieg im Frühjahr 2002 stark ähnelt - damals ging der Index allerdings bald darauf auf Talfahrt.

Die These von der neuen Hausse an den Börsen und in der Realwirtschaft findet immer mehr Anhänger - darunter auch Ökonomen, die den jüngsten Konjunktur-Absturz nicht kommen sahen, obwohl die Börsen schon im freien Fall waren. Anleger sollte dies skeptisch stimmen: Es könnte gut sein, dass bestimmte Adressen, die auf Bergen von Geld sitzen - also Banken -, eine Aktienhausse inszenieren, die auf massiven Liquiditätsspritzen der Notenbank und nicht auf besseren Aussichten für die Unternehmen beruht. Ein solcher Aufschwung aber wäre nicht nachhaltig, sondern absturzgefährdet.

  • Aktien

Als Antidot gegen die zunehmend grassierende Gier ein paar Zeilen zur Erinnerung: Der Dax hat, wie auch andere wichtige Indizes, zwischen Anfang 2008 und Frühjahr 2009 fast 60 Prozent an Wert verloren, und zwar von über 8000 auf 3600 Punkte. Seitdem läuft eine Rallye, die den Index von diesem Stand um 50 Prozent nach oben getrieben hat (von 3600 auf 5450 Punkte). Doch damit sind erst rund 40 Prozent der Absturz-Spanne korrigiert - nämlich 1850 von 4400 Zählern.

Interessanterweise befindet sich der Dax nach diesem 50-Prozent-Plus in einem Bereich, in dem so genannte Bärenmarkt-Rallyes, wie schnelle Anstiege in einem Abwärtstrend genannt werden, gerne enden. Darauf kann ein erneuter scharfer Abwärtstrend folgen. Es könnte daher nicht schaden, zumindest einen Teil der Aktien oder Fonds in den Aufschwung hinein zu verkaufen. Auf diese Weise lassen sich ein Teil der Gewinne sichern und das Verlustrisiko bei einem erneuten Rückgang der Kurse verringern.

Auch aus saisonalen Gründen empfiehlt sich ein Rückzug aus Aktien. Zwar schaffte der bis 1959 zurückberechnete Dax im August einen durchschnittlichen Gewinn von 0,31 Prozent und im August von Jahren mit einer 9 am Ende - wie 1979 oder 1999 - im Mittel sogar 3,64 Prozent. Doch in Wahljahren, wie 2009 eines ist, gab der Index im August bislang immer kräftig nach.

Hinzu kommt: Der September ist in jeder der Konstellationen einer der schlechtesten Monate des Jahres, so dass sich eher Zurückhaltung als Euphorie empfiehlt.

  • Anleihen

Die Staatsanleihen haben weiterhin die Funktion der Anti-Aktie, wie sich am gegensätzlichen Verhalten der beiden Anlageklassen sehen lässt: Steigen Aktien, fallen die Kurse der Staatsanleihen und es steigen die längerfristigen Zinsen. Entsprechend ist der Bund Future, der die Anleihekurse abbildet, während der Korrektur der Aktienbörsen im Juni deutlich gestiegen. Doch mit der erneuten Rallye an den Börsen im Juli kam das Anleihebarometer unter Druck.

Dennoch zeigte die Wucht, mit der der Bund Future während der Aktienschwäche nach oben kletterte, dass im Fall der Fälle Staatsanleihen heiß begehrt sind. Sollte es also zu einer Wende an den Aktienmärkten kommen, dürfte erneut eine starke Nachfrage nach Bundespapieren einsetzen und die längerfristigen Zinsen drücken. Zudem ist unter saisonalen Aspekten in der zweiten Jahreshälfte mit steigenden Anleihekursen zu rechnen.

Übrigens: Kommen die Aktienbörsen unter Druck, werden auch Besitzer von Unternehmensanleihen wenig Freude haben, da die Zahlungsfähigkeit bei Firmenschulden vom Lauf der Konjunktur abhängt.

  • Gold/Rohstoffe

Beim Gold scheint alles möglich zu sein. Das in US-Dollar notierte Edelmetall ist seit Anfang 2008 vier Mal in den Bereich von 1000 US-Dollar vorgedrungen, konnte diese Schwelle allerdings nicht dauerhaft überwinden. Aktuell glänzt das Edelmetall, das unter saisonalen Aspekten vor einem Anstieg stehen sollte, vor allem mit Richtungslosigkeit.

Die Entwicklung des Gold- wie auch des Ölpreises hängen davon ab, wie sich Euro und US-Dollar entwickeln: Steigt der Euro, treibt das die Preise für Gold und Öl, da beide in US-Dollar notiert werden. Die weitaus überwiegende Mehrheit der Anleger geht von einem weiteren Anstieg des Euro aus, wie entsprechende Umfragen zeigen. An den Börsen kann dies ein Warnzeichen sein, dass es anders kommt.

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