Ärzte Zeitung, 21.09.2009

Anlagenkolumne

In Zeiten explodierender Staatsschulden sind Aktien eine gute Wahl

Von Gottfried Urban

Ob nun eine Inflation oder doch eine Deflation bevorsteht: Anleger, die ihr Geld in sorgfältig ausgewählte Aktien investieren, können eigentlich nicht falsch liegen.

Explodierende Staatsschulden und die Gefahr erneuter Krisen rücken den Wertsicherungscharakter von Sachwertanlagen in den Vordergrund. Im Moment gibt es zwar noch keine Ansätze von Inflation, dazu ist die Wirtschaft noch zu schwach. Doch auf mittlere Sicht könnte die Inflation in Richtung fünf Prozent gehen. Das ist allerdings mit vernünftiger Streuung des Vermögens - sowohl geografisch als auch in der Zusammensetzung der Anlageklassen - in den Griff zu bekommen.

Wer jedoch über Inflationsschutz nachdenkt, muss die Deflation mindestens genauso fürchten. Am besten scheint dafür noch die Aktienanlage geeignet zu sein - wenn das Depot sehr sorgfältig aus solide finanzierten Unternehmen zusammengesetzt wird, deren Produkte auch in Krisenzeiten unverzichtbar sind. Denn diese Firmen sollten in der Lage sein, ihren realen Wert in Inflation und Deflation langfristig zu halten.

Die Anleger freilich scheint die aktuelle Schuldenlast des Staates nicht zu interessieren. Schließlich ist das Risiko von Staatspleiten nicht akut. Man spricht bei solchen Risiken von so genannten nicht traditionellen Risikofaktoren. Sie sind klar vorhersehbar, aber weil sie weit in der Zukunft liegen oder selten vorkommen, werden sie ignoriert - bis sie plötzlich eintreten. So war das auch bei der Bankenkrise.

Die demografische Entwicklung in vielen Industriestaaten ist das eigentliche langfristige Problem, sie wird nicht zum Abbau von Staatsschulden beitragen. Deshalb sollten Anleger keine Staatsanleihen von Ländern mit demografischen Problemen und hohen Staatsschulden halten. Weitere nicht traditionelle Risiken gibt es im Bereich der nicht nachwachsenden Rohstoffe, die früher oder später zur Neige gehen.

Weiter bauen Schwellenländer, getragen von einem starken Bevölkerungswachstum, ihren Platz in der Weltwirtschaft aus. Der Zugang zu Wasser und Energie wird immer bedeutsamer werden. Clevere Anleger setzen bei der Aktienanlage deshalb auch auf diese Themen. Allerdings gilt hier: Je spezieller das Anlagethema, desto geringer die Gewichtung. Und was das Thema Staatsverschuldung betrifft: Entscheidend ist, ob ein Portfolio insgesamt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Krise gut überstehen kann. Entsprechend sollte ein Sach- und Substanzwertedepot innerhalb des Gesamtvermögens gedanklich dem Segment Risikovorsorge zugeordnet werden.

In der Krise zählen Unternehmen, die solide Sachwerte besitzen wie Immobilien oder Rohstoffe aller Art. Aber auch Firmen, die Rohstoffe fördern, für sauberes Wasser oder für nachwachsende Wälder sorgen. Sie verlieren in der Regel nicht an Wert und sind so langfristig sichere Anlagen. Dazu sollten Anleger gute und einfache Produkte verwenden und von komplizierten Zertifikaten die Finger lassen. Und ein hoher Kassenbestand - der normalerweise als Sicherheitspuffer gewertet wird - ist in einer Bankenkrise oder im Falle einer Krise des Geldsystemes sogar das Gegenteil: ein hohes Risiko. Am besten eignen sich sogenannte Anti-Krisenfonds, die breit gestreut in verschiedene Anlageklassen und starke Substanzaktien investieren. Zudem sind die Einkaufspreise für die meisten Anlageklassen langfristig äußerst günstig.

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